Geburt zu Hause erleben: „Es gibt nichts Schöneres“

Vorarlberg / 19.02.2021 • 11:00 Uhr
Marina Zugg mit ihrem Mann Rene Fleisch und den Kindern Johanna und Marian. Das Söhnchen kam am 3. Jänner 2021 zu Hause zur Welt. <span class="copyright">Cornelius Lorünser</span>
Marina Zugg mit ihrem Mann Rene Fleisch und den Kindern Johanna und Marian. Das Söhnchen kam am 3. Jänner 2021 zu Hause zur Welt. Cornelius Lorünser

Wegen Corona entschieden sich Marina Zugg und Rene Fleisch für eine Hausgeburt. Für das Ehepaar aus Bludenz war es eine goldrichtige Entscheidung.

Bludenz Marina Zugg (34) und Rene Fleisch (35) verdanken der Pandemie eines der schönsten Erlebnisse ihres Lebens: Ihr Sohn Marian kam am 3. Jänner 2021 zu Hause zur Welt. Und das kam so: Als Marina im März des Vorjahres erfuhr, dass sie schwanger ist, hieß es, dass Väter bei der Geburt im Spital nicht dabei sein dürfen. „Für mich war aber klar, dass Rene bei diesem bedeutsamen Erlebnis dabei sein muss. Ich brauche Rene.“ Das Ehepaar entschied sich deshalb für eine Hausgeburt.

Keine Sicherheitsbedenken

Die beiden trafen sich mit Mairi Vass (55), die seit 32 Jahren als Haushebamme tätig ist. „Mairi hat auf mich einen sehr professionellen Eindruck gemacht“, erinnert sich Marina an die erste Begegnung.  Sympathisch fand die diplomierte Sozialbetreuerin auch, „dass Mairi die Hausgeburt nicht romantisch dargestellt hat“. Entgegen ihrem Umfeld hatte Marina keine Sicherheitsbedenken. „Die Geburt ist ein natürlicher Prozess. Bei vielen ist er mit Angst verbunden, bei mir nicht. Vielleicht hängt das mit meinem Urvertrauen zusammen.“ Marina vertraute dem Leben, der Hebamme, sich und ihrem Körper und nicht zuletzt auch ihrem Ehemann.

Ihr Vertrauen wurde nicht enttäuscht. Die Geburt zu Hause verlief reibungslos, ohne Komplikationen. „Um 15 Uhr sind wir mit dem Gebärhocker und Handtüchern ins Bad gezügelt. Um 17 Uhr war unser Baby da.“ Die Freude über den neuen Erdenbürger und die Erleichterung darüber, dass alles problemlos ablief, waren riesig. „Rene und ich haben gelacht und geweint.“

Haushebamme Mairi Vass half Marian auf die Welt.
Haushebamme Mairi Vass half Marian auf die Welt.

Nie wird Marina den Moment vergessen, als die Hebamme ihr das Neugeborene auf die Brust legte. „Erst jetzt sah ich, dass es ein Bübchen ist. Ich hatte mir einen Buben gewünscht, weil wir mit Johanna schon eine Tochter haben.“ Die Arbeit der Geburtshelferin war damit aber nicht beendet. Sie wartete die Nachgeburt ab, brachte Marina dann ins Bett, kontrollierte das Stillen, die Blutung und den Damm und räumte schließlich auf. Marina fand es schön und beruhigend, „dass Mairi noch eine Weile bei mir am Bett saß.“ Die Hebamme ging erst, als sie den Baby-Check gemacht und die Gewissheit hatte, dass die frischgebackene Mutter allein zur Toilette gehen konnte. Am nächsten Tag kam sie wieder, um zu schauen, ob es Mutter und Kind gut geht. Marina und Rene fühlten sich bei Mairi bestens aufgehoben.

„Zu Hause ist es einfach vertrauensvoller. Der Krankheitsfaktor ist weg. Man ist keine Patientin.“

Marina Zugg, zweifache Mutter

Das Geburtserlebnis zu Hause fanden beide so schön, dass sie jetzt schon wissen: „Unser nächstes Kind wird ebenfalls daheim auf die Welt kommen.“ Denn: „Zu Hause ist es einfach vertrauensvoller. Der Krankheitsfaktor ist weg. Man ist keine Patientin.“

Auch Rene steht noch ganz unter dem Eindruck dieses Erlebnisses. „Eine Hausgeburt ist das Schönste, was es gibt“. Er war fest mit eingebunden in das wundersame Geschehen. „Ich habe mich während der Geburt an ihn gelehnt. Er hat mir auch zu trinken gegeben. Außerdem durchtrennte er die Nabelschnur und half beim Aufräumen“, zeigt Marina auf, dass ihr Ehemann voll gefordert war.

Hebamme Mairi Vass ist froh, dass die meisten Hausgeburten normal, d.h. ohne Probleme verlaufen. Von den 28 Geburten im Vorjahr musste sie nur drei abbrechen. „Wenn es nicht vorwärtsgeht und es nicht passt, schicke ich die Frauen ins Spital. Es ist wichtig, dass sie noch die Energie haben, um dort weitermachen zu können.“ Als Hebamme ist sie lieber auf der sicheren Seite. „Ich mache es nicht mit Hochrisiko.“

Die Gründe, warum sich Frauen für eine Hausgeburt entscheiden – im Vorjahr waren es in Vorarlberg 25 Frauen –, sind vielfältig. „Manche haben Angst ins Spital zu gehen, weil sie bei der ersten Geburt schlechte Erfahrungen gemacht haben. Andere wollen in ihrer vertrauten Umgebung gebären, nicht in einer fremden.“ Aus ihrer langjährigen Erfahrung weiß Mairi Vass, dass die werdenden Mütter zu Hause gut entspannen können. „Das ist wichtig für eine natürliche Geburt.“ Meistens laufe es sehr relaxed ab. „Es gibt keinen Stress, auch weil man nicht schnell fertig sein muss.“