Ensemble Bregenzer Oberstadt: eine Stadt in der Stadt

Die mittelalterliche Struktur ist noch heute im Wesentlichen erhalten.
bregenz In der Bregenzer Oberstadt kann man wunderbar auf Zeitreise gehen und sich ins Mittelalter versetzen lassen. Das gesamte geschichtsträchtige Ensemble steht unter Denkmalschutz.
In 57 Hofstätten aufgeteilt
Es waren die Grafen Montfort, die im Gebiet der heutigen Bregenzer Oberstadt um 1200 eine Art Burgsiedlung gründeten. Die malerische mittelalterliche Struktur ist noch heute im Wesentlichen erhalten. Damals war die Stadt in 57 Hofstätten aufgeteilt, die als Erblehen vergeben wurden.
Stadtteilung heute noch sichtbar
Die Stadtteilung von vor über 800 Jahren ist heute noch ablesbar: Da ist einerseits die in zwei gleiche Hälften teilende Hauptachse (Eponastraße) erkennbar und andererseits die beiden parallel dazu verlaufenden Gassen Georgenschild- und Graf-Wilhelm-Straße. Sie münden in die quer-rechteckigen Plätze Amtsplatz und Ehregutaplatz. Über die beiden Plätze gelangte man zu den Stadttoren.
Gefangenenhaus
Die herrschaftlichen Wehr- und Residenzbauten befanden sich im Bereich des nördlichen Terrassenvorsprungs (im Bereich des Martinsturms) sowie an der südöstlichen Schmalseite. An dieser Stelle, beziehungsweise des Stadtschlosses der Grafen von Bregenz sowie des Obertores, wurde 1857 bis 1860 das sogenannte Gefangenenhaus (Fronfeste) errichtet und als solches bis 1975 genutzt. Während des Dritten Reiches waren hier politisch und ethnisch verfolgte Personen inhaftiert. Seit Ende der 1980er-Jahre ist das Gebäude Sitz des Bundesdenkmalamtes.
Wirtschaftliches Leben
Wirtschaftsgebäude wie Schmiede, Pferdeschwemme oder Mühle säumten sich entlang der Stadtmauer. 1409 wurde Bregenz zwischen Hugo und seinem Neffen Wilhelm Montfort entlang der Mittelachse geteilt. 1451 und 1523 kauften die Habsburger Stück für Stück die Stadt. Es folgten ab dem 16. Jahrhundert immer wieder Ankäufe mehrerer Parzellen durch wohlhabende Familien. So wurden die Besitztümer und Komplexe immer mehr vergrößert. In den restlichen Teilgebieten blieben die kleineren Bebauungen erhalten.
Stillstand in der Oberstadt
Warum wurde an der herkömmlichen Baustruktur festgehalten? Unter anderem verlagerte sich das städtische Leben gegen Norden, die wirtschaftliche Entwicklung in der Oberstadt geriet ins Stocken. Die Stadtmauer begrenzte eine entsprechende bauliche Entwicklung und Erweiterung. Ab 1798 war die Oberstadt keine Festung mehr, aber erst im späten 19. Jahrhundert wurden Neubauten und Durchbrüche an der Stadtmauer erlaubt. Die dort gebauten Häuser sind in geschlossener Bauweise errichtet, hin und wieder ist zwischendurch der Blick auf die Stadtmauer möglich. Einige der entlang dieser Mauer errichteten Häuser haben kleine Vorgärten zur Straße hin, die meisten anderen teilen sich den Hofraum im Inneren eines Straßengevierts.
Reizvoll
Die Bausubstanz der heutigen Objekte der Oberstadt geht noch auf das Mittelalter und die frühe Neuzeit zurück. Einige Bauten wurden jedoch im 19. Jahrhundert neu errichtet. Es wurde aber darauf geachtet, ältere Substanzen zu verwenden und sich am überlieferten Haustypus zu orientieren. Unter anderem hat sich die Stadt deshalb ihren mittelalterlichen Charakter bis heute bewahrt. Anteil daran haben besonders die kleinteilige Binnenstruktur und der imposante Martinsturm, der das Stadtbild dominiert, genauso wie die großteils gepflasterten Straßen. Schmal und leicht gekrümmt bilden sie einen besonderen optischen Reiz und weisen charmant den Weg vom Mittelalter Richtung Innenstadt ins zeitliche Hier und Jetzt. mec