Nicht alles ist hin
Die Pandemie ist nicht nur eine gesundheitliche Katastrophe. Das ist unbestritten: Hotellerie und Gastgewerbe sowie Einzelunternehmer, Künstler, Sportler und viele andere mehr stehen vor dem Nichts. Das muss man sehen. Gemessen an den schlimmsten Befürchtungen gibt es aber auch Entwicklungen, die überraschen: Die USA haben für das dritte Quartal soeben das größte Wirtschaftswachstum seit dem Zweiten Weltkrieg vermeldet. Gegenüber dem Zeitraum April bis Juni ist das Bruttoinlandsprodukt um 7,4 Prozent gestiegen. Donald Trump wird das im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl am kommenden Dienstag wohl kaum noch etwas bringen; die Wahrscheinlichkeit, dass er Joe Biden unterliegt, ist zum Glück riesig.
„Viele Unternehmen, aber auch Menschen haben gelernt, mit dem Virus zu leben.“
In Österreich haben die extrem stark gestiegenen Infektionsfälle in den vergangenen Wochen wiederum nicht zu einem neuerlichen Absturz der gesamten Wirtschaft geführt. Von der Nationalbank, die das Geschehen über ein paar Indikatoren „live“ verfolgt, kamen gestern bemerkenswerte Nachrichten: Die Erholung nach dem Schock vom Frühjahr setzte sich alles in allem zwar gebremst, aber doch fort. Zitat: „Seit Monatsbeginn ist im Bereich der Güterexporte und der exportorientierten Industrie sowie im Bausektor ein positiver Trend zu beobachten.“ Die Lkw-Fahrleistung, ein klimafeindlicher, aber aussagekräftiger Hinweisgeber darauf, wie‘s läuft, lag zuletzt sogar über dem Vorjahresniveau. Die Arbeitslosigkeit ist weiter leicht gesunken, Einzelhandelsumsätze haben zugenommen.
Widerstandsfähig
Wie gesagt: Das ist kein Trost für all jene, die keine Umsätze machen oder überhaupt ohne Job dastehen. So ortet die Nationalbank natürlich auch den zweiten Einbruch in Sektoren, die mit dem Tourismus zusammenhängen; Reisewarnungen haben hier ja schon zu einem Lockdown geführt. Die positiven Entwicklungen dürfen auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es noch sehr lange dauern wird, bis Vorkrisenverhältnisse in Bezug auf Wirtschaftsleistung und Beschäftigung wieder hergestellt sein werden.
Was hier zum Ausdruck kommt, ist jedoch dies: Mit Fortdauer der Pandemie haben immer mehr Unternehmen, aber auch Menschen gelernt, mit dem Virus zu leben. Sie sind zwar um über ein Viertel weniger unterwegs, wie der „Google Mobility Report“ für Vorarlberg zeigt, sie produzieren, arbeiten und konsumieren aber weiter auf bemerkenswert hohem Niveau. Das lässt hoffen: Die Widerstandsfähigkeit für die nächsten Monate sollte nicht unterschätzt werden.
Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.
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