Lockdown: Keine Hamsterkäufe, aber Unsicherheit

Vorarlberg / 30.10.2020 • 18:15 Uhr

Während im Supermarkt die Endzeitstimmung ausbleibt, fürchten Gewerbetreibende um die Zukunft.

Bregenz Volle Regale, kaum auffällig stark gefüllte Einkaufswagen, nicht übermäßig viele Kunden: Wer sich derzeit in den Supermärkten umschaut, würde nicht vermuten, dass wieder ein Lockdown bevorstehen könnte. Von Hamsterkäufen keine Spur. “Warum sollten sie auch, die Grenzen und die Supermärkte bleiben offen”, erklärt eine Lustenauer Filialleiterin gegenüber den VN. Und tatsächlich scheint dies die allgemeine Erwartungshaltung zu sein, nach den bisher getroffenen Maßnahmen in Deutschland und der Schweiz. In keinem der befragten Supermärkte seien Hamsterkäufe aufgefallen, jedoch würden die Menschen mehr einkaufen als üblich. Sprich: Man kaufe eher zwei als ein Pack Klopapier, aber nicht mehr zehn. Von den Bildern des März ist man weit entfernt.

Was jedoch wohl auch eine Rolle spielen dürfte: Im Gegensatz zum Frühjahr ist dies ein (möglicher) Lockdown mit Ansage. Sprich, die Einzelhändler sind eingedeckt und wissen nun, auf was es die Einkäufer abgesehen haben. Ein Filialleiter gibt Einblick: Er habe derzeit allein vier Paletten Klopapier auf Lager, am Montag kämen fünf weitere. Der hohe Lagerstand sei auch kein großes Problem, da Klopapier, Mehl und Zucker lang haltbar sind – was man von Hefe nicht gerade behaupten kann. Dies führt zu dem für Kunden beruhigenden Bild, dass die Regale selbst bei größerer Nachfrage schnell nachgefüllt werden können. Und wo keine leeren Regale sind, ist auch wenig Anreiz für Hamsterkäufe.

Wobei dies nicht für jeden Supermarkt gleich gelte, räumt ein Filialleiter ein. So spiele die Lage durchaus eine Rolle, wie stark der Ansturm sei. Supermärkte gerade in Grenznähe zu Deutschland hätten durchaus Tage, an denen die Regale leergeräumt werden. Jedoch könne man auch hier die Situation nicht mit dem März vergleichen.

Doch ist der Einzelhandel nicht die einzige Branche, die von einem möglichen kommenden Lockdown betroffen wäre. Die VN hörten sich um.

Wenn ein Lockdown nach deutschem Vorbild kommt, was würde das bedeuten?

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Fat Foogo

Ich finde es komisch, dass Friseure offen bleiben dürfen, jedoch die ganze Kosmetikbranche nicht. Ich würde mir allgemein von der WKO wünschen, dass sie sich für uns einsetzt und den Politikern klarmacht, dass wir so sauber arbeiten wie sonst niemand. Wir haben nur einen Termin pro Tag, der Kunde muss sich die Hände waschen, MNS tragen und wenn er krank ist, darf er gar nicht kommen. Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum wir schließen müssen sollten. Falls es jedoch soweit kommt, hoffe ich, dass das Geld diesmal schneller kommt, beim letzten Mal dauerte es zwei Monate. Wir sind ein gutes Team hier, aber für 85 Prozent der Branche wird es existenzbedrohend. Vor allem für jene, die gerade Geld investiert haben oder als Ein-Personen-Betrieb tätig sind.

Andy Haller, Fat Foogo

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VN/Paulitsch

Ich selbst habe im November normalerweise nur die Bar und an Wochenenden offen, für mich persönlich ist es daher nicht so dramatisch, wenn wir nur einige Tage schließen müssten. Als Wirtschaftskammervertreter fordere ich aber natürlich für die Branche eine Vergütung, vor allem wenn die Sperre verlängert wird. Wenn die Fixkostenvergütung II flexibel bleibt, wie sie bisher ist, kann sie vieles retten. Wenn sie nun jedoch diese Flexibilität verlieren würde, wäre das fatal. Ich finde das deutsche Modell mit der 75-Prozent-Vergütung sehr gut, dass würden sich auch viele aus der Branche wünschen.

Stefan Köb, Pier69 und Spartenobmannstellvertreter Tourismus und Freizeitwirtschaft

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Für mich bedeutet ein solcher Lockdown Stillstand. Dann schaut es für uns ganz schlecht aus, für Stammkunden können wir ein Videoportal anbieten, aber Neukunden erreichen wir damit nicht. Für die Branche ist die Situation sehr bedrohlich. Wir sind auf den Kontakt angewiesen, wenn wir diesen nicht aufrechterhalten können, sieht es düster aus. Wir wollen auch keine Schlupflöcher ausnutzen, sondern dass sich die Kunden sicher fühlen können. Bisher kamen wir mit fix zugeteilten Tanzpaaren aus dem selben Haushalt aus. Wenn wir gar nichts mehr dürfen, wird es auch finanziell bedrohlich, wir haben gerade erst in die Räumlichkeiten investiert. Wir hoffen hier auch auf finanzielle Unterstützung, wenn der Lockdown kommt, wir haben auch Fixkosten zu decken.

Juanita Hieble-Tomio, Tanzschule Hieble

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Grundsätzlich wäre es genau jetzt die Katastrophe, wenn man nun die Kinos schließen würde. Es gibt keinen bestätigten Fall von einer Infektion in einem Kino. Gerade wäre das Geschäft langsam wieder angelaufen, aber durch den Lockdown in Deutschland wurden viele Premieren in Österreich abgesagt. Dabei würde das letzte Wochenende zeigen, dass das Interesse der Zuschauer am Kino so hoch ist wie schon lange nicht mehr. Im Prinzip macht man unsere Branche so kaputt und macht uns zum Opfer für etwas, wofür wir nichts können. Das wäre das finanzielle Ende für viele Lichtspielhäuser.

Michael Wieser, Kinobetreiber in Bludenz und Dornbirn