„Die SPÖ muss sich an der Mitte orientieren“

Vorarlberg / 12.10.2020 • 11:00 Uhr
Thomas Hopfner war zu Gast im VN-Studio in Schwarzach. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Thomas Hopfner war zu Gast im VN-Studio in Schwarzach. VN/Steurer

Der designierte SPÖ-Klubobmann Thomas Hopfner spricht über seine Pläne.

Schwarzach Thomas Hopfner leitet die Polizeischule in Feldkirch. Seit 2011 ist er SPÖ-Mitglied. Neun Jahre später wechselt er auch beruflich in die Politik: Hopfner wird neuer Klubobmann der SPÖ im Landtag. Zum Auftakt der Interviewreihe VN-Woche im VN-Studio in Schwarzach spricht Hopfner über seine Pläne, über die SPÖ, den zukünftigen Parteichef und was Karl Valentin damit zu tun hat.

Auszüge aus dem Interview:

Warum haben Sie sich 2011 dazu entschieden, in die Politik zu gehen?

Ich bin allgemein ein politischer Mensch, ein Mensch, der sich für gesellschaftliche Abläufe und Problemlagen interessiert. Im alten Griechenland hat die Bezeichnung Idiot jemanden beschrieben, der sich nur für Privates interessiert, nicht für Politisches und nicht für Gesellschaftswesen. Der Schritt in die Parteipolitik ist dann ein weiterer Schritt. Den muss man gehen, wenn man selber Gesellschaft gestalten möchte.

Sie haben sich für die SPÖ entschieden. Wie geht es einem Roten bei der Polizei?

Sehr gut eigentlich. Die Berufswahl der Polizei ist von ähnlichen Überlegungen geprägt wie jene, in der Politik mitzumachen. Ich bin mit ideellen Vorstellungen zur Polizei. Ich möchte für jemanden einstehen, jemandem helfen und in der Gesellschaft eine wertvolle und dienende Funktion ausüben. Das ist wie in der Politik.

Werden Sie Ihre Arbeit als Chef der Polizeischule aufgeben müssen?

Ich mache meine Aufgabe sehr gerne und habe viel Arbeit und Energie investiert. Was ich nicht möchte, ist, dass ich von einer Stunde auf die andere auslasse. Ich möchte eine geordnete Übergabe in gleicher Qualität und Umfang sicherstellen. Jetzt werde ich meine Zeit in Feldkirch einmal deutlich reduzieren, alles weitere ergibt sich dann.

Die SPÖ hat in Bregenz und Hard den Bürgermeistersessel erobert, verfügt im Landtag über vier Mandate bei einem Wahlergebnis von 9,5 Prozent. Wie geht es der Vorarlberger SPÖ?

Wir haben einen Trend, der Chancen und Möglichkeiten bringt, die wir schon lange nicht mehr hatten. Beim Gesamtergebnis kann niemand sagen, dass wir dort sind, wo wir sein möchten. Aber die bisherigen Ergebnisse sind ein Start, auf dem man aufbauen kann. Wir möchten uns verbreitern und schauen, dass wir neue Menschen für uns gewinnen können. Die gute Stimmung kann ein Rückenwind sein.

Gabriele Sprickler-Falschlunger gab für 2019 das Mindestziel der Zweistelligkeit aus. Das ist sich nicht ganz ausgegangen. Was muss die SPÖ tun, um 2024 zweistellig zu werden?

Das muss jedenfalls das Ziel sein. Wir können vermutlich einiges tun, damit wir zahlenmäßig stärker werden, vor allem inhaltlich. Wir haben eine gesellschaftliche Situation mit vielen Herausforderungen, auf die wir Antworten bringen müssen. Wir müssen schauen, dass wir uns stärker in Richtung Mitte orientieren. Ich orte in vielen Bereichen eine Polarisierung, die Ränder werden lauter und unversöhnlich. Wir tun gut daran, das Gesprächsklima funktionstüchtig zu halten und uns mehr Richtung Mitte orientieren.

Die SPÖ als Partei der Mitte?

Es sagen eigentlich eh viele, dass sie gerne in der Mitte sind. Fakt ist, dass viele an die Ränder tendieren und in ihren Aussagen härter und unversöhnlich werden. Wir müssen die Versöhnlichkeit und das Gesprächsklima aufrechterhalten. Das ist wichtig für den sozialen Frieden.

Sie haben sich die ganze vergangene Landtagssitzung angesehen. Bei welchen Reden wären Sie gerne selbst am Rednerpult gestanden?

Mich hätte es bei ein paar Themen gereizt: Beim Thema Bildung, beim Thema Sicherheit, bei Moria, beim Thema EPU. Das ist auch eine Frage: Wo ist die Mitte der Gesellschaft und welche Erfordernisse bestehen? Ich glaube, dass die SPÖ beim Thema EPU und Wirtschaft mehr Antworten geben muss. Aus der Gesundheitskrise entsteht eine Wirtschaftskrise. Und wenn wir nicht darauf achten, dass sie sich nicht uferlos ausbreitet, wird es eine Gesellschaftskrise.

Welche Änderungen benötigt es im Polizeibereich?

Wir haben eine gut funktionierende Organisation die in der Bevölkerung viel Vertrauen genießt. Aber wir haben einen bürokratischen Unterbau, der sich gewaschen hat. Einiges ist wichtig, aber manche Dinge benötigen sehr viel Ressourcen, da muss man abspecken. Das gilt auch für andere Bereiche wie Gesundheit oder Bildung.

Ist die Vorarlberger Polizei gut ausgestattet?

Ich möchte nicht in den Zuruf einstimmen, der immer mehr Personal fordert und wenn es dann da ist, noch mehr fordern. Die personellen Rechnungen benötigen eine fundierte Grundlage. Die gibt es, wie auch eine Abmachung zwischen Polizei und Land Vorarlberg, in welchen Ausmaß das Personal aufgestockt wird.

Werden Sie als Parteichef kandidieren?

Karl Valentin hat einmal gesagt: Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Ich habe mir jetzt große Schuhe angezogen und freue mich darauf. Alles andere habe ich noch nicht einmal angedacht. Die Partei tut gut daran, die Diskussion intern zu führen.