Bezirksgericht: Große Liebe und schmerzliche Hiebe

Bei einem Pärchen, schwer verliebt, sollen einst die Fetzen geflogen sein.
Dornbirn „Sie wissen auch alles“, erwidert der 24-jährige Beschuldigte lächelnd auf die Frage von Bezirksrichter Frank Plasinger, ob er denn wirklich bald Vater werde. „Ich habe es aus Ihren Bewährungsunterlagen erfahren“, erklärt der Richter seine zutreffende Ahnung.
Bei der Mutter handelt es sich um die 14 Jahre ältere Lebensgefährtin des jungen Mannes, der zurzeit arbeitslos ist. Vermögen keines, Schulden ja. „Von der Mindestsicherung sehe ich nichts, die geht zur Gänze an die Miete“, schildert der mehrfach vorbestrafte 24-Jährige seine triste finanzielle Situation.
Brutal mit 2,2 Promille
Und wieder droht ihm eine Eintragung ins unrühmliche Register. Laut Anklage habe er seine Lebensgefährtin drei Mal heftig geschlagen.
„Wie war das?“, will der Richter wissen.
„Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist und was ich bei der Polizei gesagt habe. Ich war damals nämlich so was von besoffen! Und sie auch. Deshalb wird auch sie nichts dazu sagen können“, prophezeit der Beschuldigte während der Verhandlung. Tatsächlich wurden bei dem 24-Jährigen zur Tatzeit 2,2 Promille Alkohol nachgewiesen.
„Opfer“ rudert zurück
Nun wird die 38-jährige Lebensgefährtin und angebliches Opfer ihres Freundes als Zeugin dazu befragt. Die Frau und baldige Kindesmutter tänzelt fröhlich in den Verhandlungssaal. Dem Angeklagten wirft sie liebevolle Blicke zu. Und tatsächlich bestätigt auch sie, dass ihr jede Erinnerung abhanden gekommen sei. Auf die Frage nach ihrer Beschäftigung antwortet sie: „Nichts, ich werde bald Mama!“
Darauf der Richter: „Bei der Polizei haben Sie damals noch angegeben, dass sie sich als Privatbeteiligte bei der Verhandlung bezüglich Schmerzensgeld anschließen wollen“, macht sie Plasinger auf ihre ursprünglich Forderung aufmerksam. „Stellen Sie also eine Schadensersatzforderung an Ihren Lebensgefährten?“
Worauf die Zeugin abrupt erwidert: „Oh mein Gott, nein, auf keinen Fall!“
Freispruch
Da somit kein verwertbares Beweismaterial vorliegt, fällt der Richter den Freispruch. Die Zeugin klatscht begeistert. Dennoch gibt Plasinger den beiden noch eines auf den Weg: „Tun Sie in Zukunft normal miteinander, ich möchte hier kein Wiedersehen.“
Das Pärchen bedankt sich und geht von dannen, wobei sich die 38-Jährige noch die etwas verblüffende Bemerkung erlaubt: „Wir haben daraus gelernt . . .“