Bewegte Geschichte eines Lustenauer Gotteshauses

Pfarrkirche St. Peter und Paul erlebte Überschwemmungen und umstrittene Umbauten.
Lustenau Auf mehr als 800 Jahre Geschichte kann die Pfarrkirche St. Peter und Paul im Lustenauer Ortsteil Kirchdorf zurückblicken. In dieser Zeit hat die Kirche vieles erlebt, von Hochwasserkatastrophen bis zu architektonischen Experimenten, die nicht nur für Applaus sorgten, wie alten Schriften zu entnehmen ist.
Die erste bekannte Kirche in der Rheingemeinde wurde im Jahr 1206 durch ein Hochwasser zerstört. Nach einem 100-jährigen Provisorium wurde ein neues Gotteshaus gebaut, das gut 300 Jahre später samt Friedhof vom nächsten Rheinhochwasser weggeschwemmt wurde. Über die ersten Kirchenstandorte kann nur spekuliert werden. 1677 wurde jedenfalls die Kirche St. Peter und Paul dort feierlich eingeweiht, wo sie sich heute befindet.
Kein Platz mehr
Weil auch dieses Gotteshaus bald aus allen Nähten platzte, wurde in der Gemeindevertretung der Ruf nach einer größeren Kirche immer lauter. Nicht nur an besonderen Festtagen mussten Hunderte Menschen den Gottesdienst vom Kirchplatz aus verfolgen, weil sie in der Kirche keinen Platz mehr fanden.
Erst im Jahr 1830 wurde die Kirche abgebrochen und nach Plänen von Alois Negrelli neu aufgebaut. Das war die Geburtsstunde der Negrelli-Kirche, die allerdings bald wieder baulich verändert werden sollte. Von Anfang an gab es an der Architektur böse Kritik. Ein Pfarrer soll gesagt haben, die neue Kirche gleiche eher einem Korn- als einem Gotteshaus.
Es kam, wie es kommen musste: Die Lustenauer setzten sich bei der Obrigkeit durch und erreichten einen kompletten Umbau. Unter anderen wurden die Säulen des dreischiffigen Bauwerks entfernt. Anfang der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts kam es dann zur vorerst letzten großen Umgestaltung. Vor allem die Westfassade wurde komplett verändert, auch das Innere des Gotteshauses blieb nicht verschont. Prunkvolle Altäre und schöne Deckenmalereien mussten einer neuen Schlichtheit weichen. Das veränderte Aussehen stieß bei großen Teilen der Bevölkerung auf Kritik und Ablehnung. Und heute noch erinnern sich ältere Bürgerinnen und Bürger mit Wehmut an den alten Kirchenbau.
Traditionsgemäß geht immer am zweiten Sonntag im Oktober vor St. Peter und Paul die Luschnouar Kilbi über die Bühne. Heuer musste das größte Volksfest des Landes mit durchschnittlich 20.000 Besuchern wegen der grassierenden Pandemie jedoch abgesagt werden. ha