Die Kunst der Reduziertheit

Vorarlberg / 30.09.2020 • 10:05 Uhr
Stoph Sauter, Elisabeth Walch und Michael Kasper freuen sich sehr über die gelungene neue Ausstellungsform. <span class="copyright">bi</span>
Stoph Sauter, Elisabeth Walch und Michael Kasper freuen sich sehr über die gelungene neue Ausstellungsform. bi

Neugestaltung der Dauerausstellung zur Montafoner Tracht im Heimatmuseum Schruns; neue Dauerausstellung ab 4. Oktober geöffnet.

schruns Es waren anstrengende Monate für das Team des Heimatmuseums Schruns. Die Dauerausstellung zur Montafoner Tracht wurde völlig neu gestaltet; diesen Sonntag, 4. Oktober, findet im Rahmen eines „Nachmittag der offenen Tür“ die Eröffnung statt.

Nachhaltigkeit

„Die Dauerausstellung im Montafoner Heimatmuseum besteht in großen Teilen seit rund 40 Jahren. Gerade im Bereich der Vermittlung haben wir da Aufholbedarf, denn viele Objekte sprechen nicht mehr für sich. Wir stellen diese daher in einen neuen Kontext und versuchen, die Geschichten hinter den Objekten zu erzählen. Diese Erneuerung setzen wir zuerst im Bereich der Textilien und der Tracht um. Wichtig ist uns dabei insbesondere Nachhaltigkeit und Internationalität. So ist die gesamte Ausstellung auf Deutsch und auf Englisch in Schrift und Ton umgesetzt worden“, erklärt Michael Kasper, Leiter der Montafon Museen. Mit der neuen Ausstellungsform werde der Entwicklung der Tracht, den Veränderungen und Erneuerungen dieser Kleidungsstücke nachgegangen und somit der Mythos von der Unabänderlichkeit der traditionellen Bekleidung relativiert. „Die Vorstellung von regionalen Trachten gibt es noch gar nicht so lange. Die Geschichte von deren Entdeckung erzählen wir in der neuen Dauerausstellung“, führt Michael Kasper weiter aus.

Die Geschichten dahinter

Elisabeth Walch ist als Mitarbeiterin des Heimatmuseums Schruns für das. Ausstellungswesen und Sammlungen zuständig: „Die Aufgabe, das Thema ‚Tracht‘ aufzuarbeiten, hat mich enorm interessiert, immer schon. Schon mehrere Jahre habe ich mich damit befasst und bin mittlerweile sehr mit der Thematik vertraut. Durch meine jahrelange Tätigkeit hier konnte ich dazu beitragen, die richtigen Objekte für die neue Dauerausstellung zusammenzustellen. Erst gemeinsam mit Stoph Sauter haben wir uns dann gewagt, diesen doch recht schwierigen Raum derart umzugestalten, dass es einfach nur bezaubernd wurde – eine Inspiration was alles möglich sein kann. Es ist die Kunst der Reduziertheit das widerzuspiegeln, was die Historie der Tracht mit den Geschichten dahinter gesamthaft verbirgt. Ein mir wichtiger Punkt während des Prozesses war, die guten Ideen jedes Einzelnen anzunehmen und auch umzusetzen. Wir haben das große Projekt als Team der Montafoner Museen gemeinsam erarbeitet und umgesetzt, das war mir ein besonderes Anliegen.“

Verschmelzung der Elemente

Der Künstler Stoph Sauter aus Dornbirn zeichnet für die Gestaltung der Räume verantwortlich, was keine leichte Aufgabe darstellte: „Jeder Raum hat seine grundlegenden Eigenschaften. So sah ich als eine primäre Aufgabe, dem Ausstellungsraum in Schruns eine virtuelle Höhe zu verleihen – eine Art Illusion im Zusammenspiel der neuen Objekte. Die Grundobjekte sollten den Raum öffnen, erweitern, die Decke verliert sich durch eine Art Verschmelzung. In der Aufteilung entstand eine Kooperation von analogen und digitalen Elementen.“

Möglichst hohe Flexibilität

Die Geschichten werden durch haptische Objekte und audiovisuellen Intermezzos an gewissen Stationen erzählt. Dadurch wurde es möglich, innerhalb der digitalen Komponenten einen zweisprachigen Modus zu implementieren. „Der Gesamtfokus lag jedoch darauf, innerhalb einer Dauerausstellung eine möglichst hohe Flexibilität zu gewährleisten. Das bedeutet, kommende Ausstellungsprojekte im Zusammenhang zum Thema sollten dabei variabel austauschbar sein, ohne jedoch die Ausstellungsarchitektur nochmals neu erfinden zu müssen. Ein Modul frei modellierbar – und vielleicht auch zeitlos“, betont Stoph Sauter. BI

Die neue Dauerausstellung zu den Montafoner Trachten kann erstmals diesen Sonntag, 4. Oktober, von 14 bis 17 Uhr im Heimatmuseum Schruns besichtigt werden.