Corona hält Rotkreuz-Chef auch in der Pension auf Trab

Vorarlberg / 29.09.2020 • 05:00 Uhr
Corona hält Rotkreuz-Chef auch in der Pension auf Trab
VN

Roland Gozzi wird Maßnahmen künftig ehrenamtlich koordinieren.

Feldkirch Seit mehr als 40 Jahren ist Roland Gozzi dem Roten Kreuz verbunden. Er arbeitete zuerst freiwillig mit, dann stieg er in die Führungsriege auf. Ende des Monats ist Schluss, der Lustenauer geht in Pension, allerdings nur halb. Die Coronakrise lässt Gozzi nicht ruhen. Als ehrenamtlicher Funktionär wird er die Maßnahmen zur Covid-19-Eindämmung weiter koordinieren.

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Ab Donnerstag ist Roland Gozzi beim Roten Kreuz ein ehrenamtlicher Funktionär. RK

Haben Sie mitten in der Coronapandemie überhaupt Zeit, an die Pension zu denken?

Gozzi Kaum, die Situation erfordert den Einsatz aller, und ich möchte mit gutem Beispiel vorangehen.

Sie sind seit 1975 beim Roten Kreuz, zuerst als Freiwilliger, ab 1992 dann als Geschäftsführer. Was hat Sie da am meisten beschäftigt?

Gozzi Als ich Geschäftsführer wurde, stand der Verein wirtschaftlich schlecht da und musste dringend stabilisiert werden. Es stellte sich vor allem die Frage, welche Dienstleistungen kostenlos angeboten werden sollen und für welche ein Entgelt verlangt werden kann. Schließlich einigte man sich darauf, dass Dienstleistungen, die anderen Nutzen bringen, zu bezahlen sind. Es muss nicht alles gratis sein.

Welche Maßnahmen würden Sie als Meilensteine bezeichnen?

Gozzi Ein Meilenstein war 1996 sicher die Einrichtung einer gemeinsamen Leitstelle für alle Rettungsorganisationen. Auch die Umstellung auf eine Mitgliederwerbung gehört meines Erachtens dazu. Vorher gingen Mitarbeiter von Tür zu Tür, um Geld zu sammeln. Das war nicht immer nur eine dankbare Aufgabe. Die Mitgliederwerbung hält die Finanzen stabil und hilft uns, selbstständig und unabhängig von Politik und Geldgebern zu bleiben.

Gibt es ein Erlebnis, an das Sie sich besonders gerne erinnern?

Gozzi Speziell im Rettungsdienst gab es viele schöne Erlebnisse. Besonders nachdrücklich ist mir ein Verkehrsunfall in Erinnerung geblieben, der sich im Ried ereignet hatte. Ein Motorradfahrer war in einen tiefen Graben geflogen, ein Radfahrer sprang geistesgegenwärtig hinterher und zog den Kopf des bewusstlosen Mannes aus dem Sumpf. Er hielt ihn hoch, bis wir eintrafen, dann sprangen wir in den Graben, um das Unfallopfer zu bergen. Anschließend waren wir so dreckig, dass wir in kein Auto mehr einsteigen konnten. Wir sind dann auf einem Pkw-Anhänger nach Lustenau gebracht worden. Der Motorradfahrer hat überlebt.

Welche Herausforderungen kommen auf Ihre Nachfolgerin zu?

Gozzi Die größte Herausforderung wird der Erhalt der Freiwilligkeit sein. Es gibt in der Gesellschaft leider die Tendenz, sich nicht mehr länger an einen Verein zu binden.

Mit Ihrer Tochter Janine wird erstmals eine Frau den Landesverband übernehmen. Wie stehen Sie grundsätzlich zu Frauen in Führungspositionen?

Gozzi Ich finde es gut, dass beim Roten Kreuz eine Frau in der Führungsebene Einzug hält. Als ich zum Roten Kreuz kam, gab es nur in wenigen Dienststellen Frauen. Manche Dienststellen verweigerten ihnen sogar die Mitarbeit. Heute ist ein Drittel unserer Freiwilligen weiblich. Ohne sie könnte die Freiwilligkeit nicht mehr aufrechterhalten werden. Für die Geschäftsführerstelle gab es 22 Bewerber, drei kamen in die engere Auswahl für das Hearing, und ja, ich bin stolz darauf, dass es meine Tochter geschafft hat.

Hat Corona Ihre Pläne für die Pension gestört?

Gozzi Nicht wirklich, denn ursprünglich wollte ich ohnehin bis Juni 2021 bleiben, nutze jetzt aber doch eine Sonderregelung. Allerdings bin ich ehrenamtlich weiterhin als Corona-Koordinator tätig und helfe bei der Einarbeitung der neuen Mitarbeiter. Danach ist definitiv Schluss. Dann werde ich meiner Frau bei der Betreuung unserer vier Enkelkinder helfen und freiwillig bei der Ortsstelle Lustenau Dienst versehen.