Gericht: Prozess wegen versuchten Giftmordes

51-jährige mutmaßliche Giftmischerin nächste Woche vor dem Schwurgericht.
Feldkirch Ein 82-jähriger pensionierter Landwirt im Bregenzerwald entkam Ende September vergangenen Jahres nur knapp dem Tod. Nachdem Bekannte den Betagten in seinem Haus besucht hatten, schien ihnen der Gesundheitszustand des Mannes so bedenklich, dass sie seine 51-jährige Untermieterin drängten, endlich einen Arzt zu holen. Doch die Niederländerin, seit 2014 bei dem Bregenzerwälder wohnhaft, hatte es nicht so eilig mit dem Holen der Hilfe. Angeblich meinte sie, dass man den letzten Willen des Hausherrn, nämlich zuhause zu sterben, respektieren müsse.
Doch die Bekannten ließen nicht locker und bestanden auf einem sofortigen Arztbesuch. Der Mann wurde ins Spital gebracht. Er war in seinem Bewusstsein hochgradig eingeschränkt und hatte sich erbrochen. Der durch die verabreichten Medikamente eingeschränkte Hustenreflex hatte zur Folge, dass es bereits zu einer Lungenentzündung gekommen war.
Als der Rentner wieder nach Hause durfte, fehlten dort offenbar einige Unterlagen. „Zum Glück hat sich mein Mandant gesundheitlich wieder erholt“, stellt Opferanwalt Stefan Denifl klar, dass der Medikamentenmix keine bleibenden Schäden verursacht hat. „Es ist ein intensives Schwurgerichtsverfahren zu erwarten, es müssen zahlreiche Zeugen befragt werden“, so der Anwalt.
Als Erbin eingesetzt
Die Niederländerin, vom Hausherrn als Erbin eingesetzt, geriet unter Verdacht. Der Pensionist, der unter anderem über beachtlichen Grundbesitz von rund neun Hektar und zwei Häusern verfügt, hatte die Verdächtige und deren Sohn als ausschließliche Erben eingesetzt. Seine eigenen Verwandten wären leer ausgegangen. Der Betagte vertraute der Bekannten, seiner Mieterin, die ihm auch stets zur Hand ging, voll und ganz.
Suche nach Gift
Die Fahnder des Landeskriminalamtes hatten schließlich herausgefunden, dass die Frau im Internet fleißig recherchiert hatte, welche Medikamente tödlich enden und dennoch nicht nachweisbar sind. Ihre spätere Verantwortung vor der Polizei, die Arzneimittel seien für ihren eigenen geplanten Suizid gedacht gewesen, können die Ermittler nicht glauben, denn das Thema „Nachweisbarkeit“ würde hier ja kaum eine Rolle spielen. Dass der Hausherr selbst seinem Leben habe ein Ende setzen wollen, hält die Staatsanwaltschaft für unglaubwürdig. Denn der Landwirt hatte Medikamente strikt abgelehnt, nahm weder Beruhigungs- noch Schlaf- oder Schmerzmittel. Seine Gelenksschmerzen habe er mit Nivea-Creme und Kamillensalbe selbst behandelt, sagt der 82-Jährige.
Freude auf „Haus am Meer“
Die 17-seitige Anklage stützt ihren Vorwurf des Mordversuchs auch auf den ausführlichen Schriftverkehr zwischen der Angeklagten und ihrem Lebensgefährten. Dort wird angeblich immer wieder geschildert, wie wunderbar sich das Leben des Paares nach dem Tod des Rentners gestalten werde.
„Er vertraut mir und frisst mir aus der Hand“ oder „Er macht ein Testament, wonach wir alles bekommen“, und ähnliche Aussagen wie ihre Vorfreude „auf das eigene Haus am Meer“ sollen sich in der Korrespondenz finden. Wie lange der Prozess wegen Mordversuches tatsächlich dauert und wie die Geschworenen entscheiden, bleibt abzuwarten.