Was am Gschlief-Hang geplant ist

Vorarlberg / 24.07.2020 • 09:00 Uhr
Was am Gschlief-Hang geplant ist
Die erste Bewegung am Gschlief wurde in den 1860er-Jahren dokumentiert. VN/PAULITSCH

Im Herbst soll in Doren ein Vorversuch für das Großprojekt Hangstabilisierung starten.

Doren Das Gschlief in Doren ist unberechenbar. Der Hang ist praktisch ständig in Bewegung. Es kommt regelmäßig zu Rutschungen. Prognosen sind aufgrund des komplexen geologischen Systems kaum möglich. Fest steht allerdings: Im Schnitt frisst sich die Abbruchkante einen Meter pro Jahr in Richtung Siedlungsgebiet. Wenn nichts unternommen wird, befindet sie sich in rund 40 Jahren an der Vorderkante des Gasthauses Adler. Bislang sind alle Versuche, den Problemhang nachhaltig zu stabilisieren, gescheitert. Doch es gibt Hoffnung. Seit rund zwei Jahren liegt ein neues Konzept auf dem Tisch (die VN berichteten). Der Vorversuch dazu soll demnächst starten.

Auf 30 Grad

Geplant ist, dass die Abbruchwand auf rund 30 Grad bzw. 57 Prozent abgeböscht wird. Dafür müssen rund 150.000 Kubikmeter Gesteinsmaterial (das entspricht rund 15.000 Lkw-Fuhren) abgetragen werden. Die Kante verlagert sich dadurch laut Wildbach- und Lawinenverbauung an gewissen Stellen bis zu 40 Meter weiter nach hinten. Gearbeitet wird ähnlich wie in einem Steinbruch von oben nach unten. Am Ende wird der Hang begrünt. Gleichzeitig soll der Bergwasserspiegel hinter der Konglomeratbank über einen Stollen abgesenkt werden und dadurch der Druck auf die Abbruchwand verringert werden. Mit dem Vorversuch soll nun geprüft werden, „inwieweit dadurch die Quellen im umliegenden Bereich beeinflusst werden. Damit man das prüfen kann, wird ein Brunnenfeld mit fünf, circa 90 Meter tiefen Bohrungen angelegt“, erläutert Projektleiter Thomas Frandl von der Wildbach- und Lawinenverbauung. Der Pumpversuch ist für rund zwei Monate anberaumt. Die Zustimmung aller Grundbesitzer liegt vor. Die Verhandlung findet Mitte August statt. Angedacht ist, dass die Bohrungen noch heuer im Herbst durchgeführt werden. 

15 Quellen

Im Umkreis des Gschliefs befinden sich laut Frandl elf Brauchwasserquellen und vier Trinkwasserquellen. „Wie viele davon beeinflusst werden, ergibt sich aus den Messungen. Sollten bei dem Versuch Quellen trockenfallen, würde man mit dem Pumpen sofort aufhören. Dann steigt der Bergwasserspiegel wieder auf den Stand, auf dem er jetzt ist und die Quellen sind wieder da“, ergänzt der Projektleiter.

Vor einer Woche wurde damit begonnen, die Quellen zu messen. Im Schnitt soll das im kommenden halben Jahr einmal wöchentlich passieren. Dabei wird unter anderem erhoben wie viel Liter Wasser pro Sekunde aus der jeweiligen Quelle austreten und wie lange das Wasser im Boden ist, bevor es zur Quelle gelangt. Außerdem werden die Lufttemperatur, die Wassertemperatur oder das Wetter vermerkt.

Verläuft der Pumpversuch erfolgreich, könnte mit den Detailplanungen gestartet werden. Mit einer Umsetzung des Projekts rechnet Frandl dann frühestens im Jahr 2022.