Johannes Huber

Kommentar

Johannes Huber

Zurück zur Maskenpflicht

Vorarlberg / 18.07.2020 • 06:30 Uhr

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) pokert hoch: Noch hält er nichts von einer bundesweiten Wiedereinführung der Maskenpflicht. Sobald die Zahl der Neuinfektionen flächendeckend steigt, könnte sich das jedoch ändern. Was wohl nur eine Frage der Zeit ist. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat die Bevölkerung schon vor zwei Wochen darauf vorbereitet, dass man die Masken wieder brauchen werde.

„Ja, das Bild, dass es sich um einen ,Maulkorb‘ handle, hat sich aufgedrängt. Etwas anderes wiegt jedoch schwerer.“

Man kann die Entwicklungen durchaus nüchtern betrachten: Gestern gab es so viele Neuinfektionen wie seit Anfang April nicht mehr. Wobei es einen großen Unterschied gibt: Damals wurden eher nur offenkundige Erkrankungen erfasst. Heute liegen auch positive Testergebnisse von sehr vielen Menschen vor, die gar nicht merken, dass sie das Virus in sich tragen. Andererseits aber sollte das nicht zu Sorglosigkeit führen; es ist vielmehr so, dass man diesen Fortschritt erst recht dazu nutzen sollte, die Ausbreitung von Covid19 frühzeitig und ohne größere Kosten einzudämmen.

Zu viele Infektionen

Das ist im Grunde genommen schwierig geblieben: Zwar konzentriert sich das Infektionsgeschehen auf einige Cluster in Wien und Oberösterreich. Es fällt jedoch auf, dass es vom Boden- bis zum Neusiedlersee auch dort wieder mehr und mehr Einzelfälle gibt, wo es in den vergangenen Wochen so gut wie keine mehr gegeben hat; in Innsbruck zum Beispiel. Das ist das eine. Das andere: Wir haben Sommer, das Leben spielt sich trotz der durchwachsenen Witterungsverhältnisse zu einem guten Teil an der frischen Luft ab. Sprich: Wenn es schon unter diesen Umständen über 100 Neuinfektionen täglich gibt, werden es nach der Rückkehr in geschlossene Räume im Winter noch viel mehr sein.

Womit wir wieder bei „Hände waschen“, „Abstand halten“, „Maske tragen“ wären: Besonders gegen den verpflichtenden Mund-Nasen-Schutz hat man im Frühjahr noch lang und breit argumentieren können. Auch Mediziner waren skeptisch. Ja, das Bild, dass es sich um einen „Maulkorb“ für Bürger handle, hat sich aufgedrängt: Mit Maske führt man keine größeren Diskussionen, sondern sagt allenfalls nur „Hallo“ und „Guten Tag“. Politisch ist das heikel, unterm Strich jedoch vernünftig: Die Maske erinnert daran, dass es noch immer eine unsichtbare Gefahr gibt und dass man daher behutsam miteinander umgehen sollte. Im Übrigen haben mittlerweile sehr viele Untersuchungen gezeigt, dass sich die Virenübertragung mit einem solchen Schutz reduzieren lässt.

Zu große Schäden

Das wiegt letztlich schwerer als die Freiheitsbeschränkung, die eben auch damit einhergeht: Covid19 hat schon viel zu großen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Schaden angerichtet, der in seinem gesamten Umfang wohl erst in ein, zwei Jahren sichtbar wird. Mehr darf es unter gar keinen Umständen werden, sonst drohen Massen zu verarmen. Also zurück zur Maskenpflicht in geschlossenen Räumen, wie sie von April bis Juni ohnehin schon einmal praktiziert worden ist.

Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.