Das sagen Promis zum Mohren-Streit

Vorarlberg / 24.06.2020 • 09:25 Uhr
Das sagen Promis zum Mohren-Streit
Bei der Diskussion geht um das Logo der Mohrenbrauerei. VN/SAMS

Warnung vor einfacher Schwarz-Weiß-Malerei.

Schwarzach Schon seit längerer Zeit wird die Dornbirner Mohrenbrauerei wegen ihres Logos kritisiert. Die Rassismus-Debatte flammte nun im Zuge der BlackLivesMatter-Bewegung wieder auf. Richtig Fahrt aufgenommen hat die Diskussion, als der Dornbirner Grafiker Vincent Hehle seinen Vorschlag für ein neues Logo mit Birnbaum statt Kopf ins Internet stellte. Dieser hat eine Lawine an Kritik und Zuspruch ausgelöst. Das Ausmaß an Beleidigungen beider Seiten habe ihn bestürzt, schreibt der Dornbirner auf seinem Instagram-Account. Auch die Mohrenbrauerei berichtet von „übelsten Beschimpfungen“ und hat die Kanäle in den sozialen Medien vorübergehend eingestellt. „Wir kennen selbstverständlich diese Diskussion und verstehen, dass unser Logo manche Menschen irritiert. Die Mohrenbrauerei steht für Toleranz und lehnt Rassismus ganz entschieden ab“, schreiben die Verantwortlichen in einer Stellungnahme. Das Unternehmen fordert einen sachlichen und respektvollen Dialog. Dieser sei allerdings derzeit nicht möglich.

Die VN haben sich bei bekannten Vorarlbergern umgehört, was sie zu der Debatte und der Frage nach Alltagsrassismus im Land sagen.

Die meisten Menschen wissen nicht, dass hinter Mohrenbräu historisch gesehen die Familie Mohr steht. Deswegen hieß der erste Braugasthof „Zum Mohren“. Aus meiner Sicht ist es daher ein historisch gewachsenes Logo, und ich würde es als unbedenklich einstufen. Immerhin hat man die Analogie zur Familie Mohr gesucht. Würde ich aber jetzt ein Konzept für die Marke machen müssen, würde ich ein anderes Logo wählen. <strong>Silvio Raos, Karikaturist</strong>
Die meisten Menschen wissen nicht, dass hinter Mohrenbräu historisch gesehen die Familie Mohr steht. Deswegen hieß der erste Braugasthof „Zum Mohren“. Aus meiner Sicht ist es daher ein historisch gewachsenes Logo, und ich würde es als unbedenklich einstufen. Immerhin hat man die Analogie zur Familie Mohr gesucht. Würde ich aber jetzt ein Konzept für die Marke machen müssen, würde ich ein anderes Logo wählen. Silvio Raos, Karikaturist
Die Diskussion erinnert mich an „Jährlich grüßt das Murmeltier“. Sie kommt immer wieder. Momentan hat das natürlich mit der Black Lives Matter-Bewegung zu tun. Das Logo ist sicher nicht mehr der Zeit angemessen. Dass die Diskussion darüber so emotional geführt wird, liegt meiner Meinung nach daran, dass viele Menschen das Gefühl haben, man würde ihm den Mund verbieten und etwas wegnehmen, auf das sie stolz sind. Interessant ist aber, dass keine Trennung zwischen dem Produkt und dem Etikett stattfindet. <strong>Kathrin Stainer-Hämmerle, Politologin</strong>
Die Diskussion erinnert mich an „Jährlich grüßt das Murmeltier“. Sie kommt immer wieder. Momentan hat das natürlich mit der Black Lives Matter-Bewegung zu tun. Das Logo ist sicher nicht mehr der Zeit angemessen. Dass die Diskussion darüber so emotional geführt wird, liegt meiner Meinung nach daran, dass viele Menschen das Gefühl haben, man würde ihm den Mund verbieten und etwas wegnehmen, auf das sie stolz sind. Interessant ist aber, dass keine Trennung zwischen dem Produkt und dem Etikett stattfindet. Kathrin Stainer-Hämmerle, Politologin
Rassismus lässt sich nicht auf die Hautfarbe reduzieren. Es gibt auch den Alltagsrassismus vor dem kaum jemand gefeit ist. Rassisten halten sich für etwas Besseres. Um sich das zu beweisen, müssen sie „andere“ niedermachen. Schon in der Schule beginnt dieses Verhalten, wenn die Sprachkenntnisse unter Schülern abgewertet werden. Später stößt man sich an der Kleidung oder kulturellen Merkmalen wie beispielsweise an Bräuchen. Schließlich spielt die Religionszugehörigkeit eine wichtige Rolle, gelebt oder zugeordnet. <strong>Gebhard Mathis, Krebshilfe-Präsident und Russpreisträger</strong>
Rassismus lässt sich nicht auf die Hautfarbe reduzieren. Es gibt auch den Alltagsrassismus vor dem kaum jemand gefeit ist. Rassisten halten sich für etwas Besseres. Um sich das zu beweisen, müssen sie „andere“ niedermachen. Schon in der Schule beginnt dieses Verhalten, wenn die Sprachkenntnisse unter Schülern abgewertet werden. Später stößt man sich an der Kleidung oder kulturellen Merkmalen wie beispielsweise an Bräuchen. Schließlich spielt die Religionszugehörigkeit eine wichtige Rolle, gelebt oder zugeordnet. Gebhard Mathis, Krebshilfe-Präsident und Russpreisträger
Eine solche Diskussion, wie sie gerade um das Logo der Mohrenbrauerei geführt wird, bietet einem Unternehmen auch Chancen, die man ergreifen sollte. Das Unternehmen hat am Anfang alles richtig gemacht, indem der Grafiker des Alternativvorschlages zu Gesprächen eingeladen wurde, hat dann aber die Diskussion abrupt gestoppt. Besser wäre es, die Sache proaktiv anzugehen, die Marke weiterzuentwickeln. Man muss das auch im zeitlichen Kontext sehen. Die Werte ändern sich und das muss immer wieder in Überlegungen einbezogen werden und das könnte die Mohrenbrauerei sehr gut zumal die gelebten Werte des Unternehmens eine vorbildliche Sprache sprechen. <strong>Dieter Bitschnau, Geschäftsführer clavis Kommunikationsberatung</strong><p class="infozeile">
Eine solche Diskussion, wie sie gerade um das Logo der Mohrenbrauerei geführt wird, bietet einem Unternehmen auch Chancen, die man ergreifen sollte. Das Unternehmen hat am Anfang alles richtig gemacht, indem der Grafiker des Alternativvorschlages zu Gesprächen eingeladen wurde, hat dann aber die Diskussion abrupt gestoppt. Besser wäre es, die Sache proaktiv anzugehen, die Marke weiterzuentwickeln. Man muss das auch im zeitlichen Kontext sehen. Die Werte ändern sich und das muss immer wieder in Überlegungen einbezogen werden und das könnte die Mohrenbrauerei sehr gut zumal die gelebten Werte des Unternehmens eine vorbildliche Sprache sprechen. Dieter Bitschnau, Geschäftsführer clavis Kommunikationsberatung

Die Mohrenbrauerei hat ein Markenbild, das über fast zwei Jahrhunderte gewachsen ist, das Logo ist nur ein Teil davon. Ich würde es so belassen, wie es ist, und würde das auch der Mohrenbrauerei raten. Einen Wechsel verträgt es aus meiner Sicht nicht, das überlebt die Marke nicht, das wäre der Ruin für das Produkt, das in Vorarlberg tief verwurzelt ist. Außerdem wissen die Kunden hier über die Firma und ihre Aktivitäten Bescheid und deshalb ist eine Mehrheit dafür, das Logo beizubehalten und sie hat recht damit. <strong>Lukas Konzett, Agentur Konzett &amp; Brenndörfer, Markenexperte</strong>
Die Mohrenbrauerei hat ein Markenbild, das über fast zwei Jahrhunderte gewachsen ist, das Logo ist nur ein Teil davon. Ich würde es so belassen, wie es ist, und würde das auch der Mohrenbrauerei raten. Einen Wechsel verträgt es aus meiner Sicht nicht, das überlebt die Marke nicht, das wäre der Ruin für das Produkt, das in Vorarlberg tief verwurzelt ist. Außerdem wissen die Kunden hier über die Firma und ihre Aktivitäten Bescheid und deshalb ist eine Mehrheit dafür, das Logo beizubehalten und sie hat recht damit. Lukas Konzett, Agentur Konzett & Brenndörfer, Markenexperte
Was mir bei der Debatte um dieses Thema auffällt: Sie wird sehr hitzig geführt. Beide Seiten hören einander gar nicht zu. Nur die Mohrenbrauerei kann Dampf aus der Debatte abführen. Was man so aus Umfragen hört, ist das Stimmungsbild 9:1 für Beibehaltung des alten Logos. Mich persönlich würde es nicht stören, wenn es ein neues Logo gäbe. Trinken werde ich das Mohrenbräu aber so oder so. Nur eine stilvollere Debatte würde ich mir wünschen. <strong>Hannes Hagen, Event-Manager, Gastronom</strong>
Was mir bei der Debatte um dieses Thema auffällt: Sie wird sehr hitzig geführt. Beide Seiten hören einander gar nicht zu. Nur die Mohrenbrauerei kann Dampf aus der Debatte abführen. Was man so aus Umfragen hört, ist das Stimmungsbild 9:1 für Beibehaltung des alten Logos. Mich persönlich würde es nicht stören, wenn es ein neues Logo gäbe. Trinken werde ich das Mohrenbräu aber so oder so. Nur eine stilvollere Debatte würde ich mir wünschen. Hannes Hagen, Event-Manager, Gastronom
Als Kunsthistorikerin gehört das Lesen von Bildern zu meinem Beruf und auch das Kontextualisieren der Bedeutung von Bildern in ihrer jeweiligen Zeit. Unser Leben ist ganz anders als das Leben der Menschen vor 200 Jahren. Und so wirkt dieses Logo für mich heute wie aus der Zeit gefallen. Es gehört heute definitiv nicht zum gesellschaftlichen Konsens, Minderheiten karikaturhaft darzustellen. Eine starke Marke kommt nicht von ungefähr. Dahinter steht es starkes Unternehmen. Ich wünsche mir, dass die Mohrenbrauerei nun auch die Stärke hat, sich einer gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen und nicht einfach den Weg des geringsten Widerstandes wählt. Das Logo ist nicht nur für Kunden relevant. Es wirkt als Werbung weit über das Produkt hinaus in Medien und im öffentlichen Raum. Diskriminierende Werbung sollte dort keinen Platz haben. <strong>Verena Konrad, Kunsthistorikerin und Direktorin des Vorarlberger Architektur Institutes</strong>
Als Kunsthistorikerin gehört das Lesen von Bildern zu meinem Beruf und auch das Kontextualisieren der Bedeutung von Bildern in ihrer jeweiligen Zeit. Unser Leben ist ganz anders als das Leben der Menschen vor 200 Jahren. Und so wirkt dieses Logo für mich heute wie aus der Zeit gefallen. Es gehört heute definitiv nicht zum gesellschaftlichen Konsens, Minderheiten karikaturhaft darzustellen. Eine starke Marke kommt nicht von ungefähr. Dahinter steht es starkes Unternehmen. Ich wünsche mir, dass die Mohrenbrauerei nun auch die Stärke hat, sich einer gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen und nicht einfach den Weg des geringsten Widerstandes wählt. Das Logo ist nicht nur für Kunden relevant. Es wirkt als Werbung weit über das Produkt hinaus in Medien und im öffentlichen Raum. Diskriminierende Werbung sollte dort keinen Platz haben. Verena Konrad, Kunsthistorikerin und Direktorin des Vorarlberger Architektur Institutes
Es gibt nach wie vor mehr als genug Alltagsrassismus in Vorarlberg. Nicht-Weiße sind mehr oder weniger unsichtbar. Der Rassismus ist in unserer gesellschaftlichen Struktur drinnen, so dass man ihn oft nicht richtig erkennt. Aber ich erlebe es häufig, dass man mich aufgrund meiner Hautfarbe anders behandelt werde. Zum Beispiel wenn man mit mir gebrochenes Deutsch spricht oder ich im Zug besonders oft kontrolliert werde. Das Mohrenbräu-Logo ist nicht mehr zeitgemäß und die Tradition als Rechtfertigung zu nennen ist leichtfertig, denn auch Traditionen können sich an die Zeit anpassen. Sie haben die Pflicht, sich an die Zeit anzupassen. Es war vor langer Zeit auch einmal Tradition, dass Frauen nicht wählen konnten. Einfach nur nicht rassistisch zu sein, reicht nicht aus. Man muss anti-rassistisch sein, um etwas zu verändern. <strong>Noreen Mughal, Organisatorin der BlackLivesMatter-Demo in Bregenz</strong>
Es gibt nach wie vor mehr als genug Alltagsrassismus in Vorarlberg. Nicht-Weiße sind mehr oder weniger unsichtbar. Der Rassismus ist in unserer gesellschaftlichen Struktur drinnen, so dass man ihn oft nicht richtig erkennt. Aber ich erlebe es häufig, dass man mich aufgrund meiner Hautfarbe anders behandelt werde. Zum Beispiel wenn man mit mir gebrochenes Deutsch spricht oder ich im Zug besonders oft kontrolliert werde. Das Mohrenbräu-Logo ist nicht mehr zeitgemäß und die Tradition als Rechtfertigung zu nennen ist leichtfertig, denn auch Traditionen können sich an die Zeit anpassen. Sie haben die Pflicht, sich an die Zeit anzupassen. Es war vor langer Zeit auch einmal Tradition, dass Frauen nicht wählen konnten. Einfach nur nicht rassistisch zu sein, reicht nicht aus. Man muss anti-rassistisch sein, um etwas zu verändern. Noreen Mughal, Organisatorin der BlackLivesMatter-Demo in Bregenz
Alltagsrassismus, also herabsetzende Kommentare und Urteile über Menschen anderer Herkunft zu erkennen und tunlichst zu vermeiden – wohl für jeden eine Herausforderung. Am meisten habe ich hier von meinen Kindern gelernt, die mir keinen Ausrutscher verziehen haben: wenn ich etwa auf ungebührliche Art die Leistung eines Schiedsrichters aus einem nahöstlichen Land kommentierte und sie mich den Rest des Endspiels allein vor dem Fernseher sitzen ließen … Das sitzt. <strong>Albert Lingg, Psychiater und Russpreisträger</strong>
Alltagsrassismus, also herabsetzende Kommentare und Urteile über Menschen anderer Herkunft zu erkennen und tunlichst zu vermeiden – wohl für jeden eine Herausforderung. Am meisten habe ich hier von meinen Kindern gelernt, die mir keinen Ausrutscher verziehen haben: wenn ich etwa auf ungebührliche Art die Leistung eines Schiedsrichters aus einem nahöstlichen Land kommentierte und sie mich den Rest des Endspiels allein vor dem Fernseher sitzen ließen … Das sitzt. Albert Lingg, Psychiater und Russpreisträger