Slowakische Pflegerin Tatiana über ihren persönlichen Coronaschreck

Vorarlberg / 14.05.2020 • 09:00 Uhr
Slowakische Pflegerin Tatiana über ihren persönlichen Coronaschreck
Pflegerin Tatiana

Neun Wochen musste Tatiana warten, ehe sie wieder zu ihrem Schützling durfte.

Lustenau Tatiana Hricova (53) arbeitet hart für ihr Geld. Gewissenhaft pflegt sie einen 80-jährigen Mann rund um die Uhr. Tag für Tag, drei Wochen lang. Dann fährt sie, wie so viele Pflegerinnen aus dem Osten, für drei Wochen in ihre slowakische Heimat. Ihre Schwester Zdena (63) löst sie ab, ehe Tatiana wieder an der Reihe ist.

Auch am 3. März dieses Jahres brach Tatiana zu ihrer knapp 20-stündigen Reise ins heimatliche Papin, nahe der ukrainischen Grenze auf. “Natürlich war Corona schon ein Thema und wir mussten im Zug schon Masken tragen. Zu Hause verfügte ich mich dann freiwillig in eine zweiwöchige Quarantäne.”

Staatliche Quarantäne

So weit, so erträglich. Doch als die zweifache Mutter und dreifache Großmutter knapp vor ihrer geplanten Rückreise nach Lustenau von den geschlossenen Grenzen erfuhr, änderte sich alles. “Ich musste insgesamt neun Wochen zu Hause bleiben, meine Schwester neun Wochen ohne Pause unseren Schützling pflegen. Ich hatte auch Angst, dass ich viel länger gar nicht mehr nach Österreich einreisen darf. Dabei brauche ich doch die Arbeit und den Verdienst”, denkt Tatiana noch heute mit Schrecken zurück.

Dankbar ist sie der Wirtschaftskammer, die ihr während des überlangen Heimataufenthaltes 1000 Euro zukommen ließ und mit deren Gewerbeberechtigung samt Personalausweis und Meldebestätigung sie letztlich wieder an ihren Vorarlberger Arbeitsplatz zurück durfte.

Ihrer Schwester sei es viel schlimmer ergangen. “Zdena war nach neun Wochen ununterbrochener Pflege völlig erschöpft. Das schlimmste für sie war jedoch: Als sie bei Kittsee über die Grenze in die Slowakei kam, musste sie unverzüglich in eine staatlich angeordnete Quarantäne. Eine Woche steckte sie in einer Schule, ehe sie nach Hause durfte. Sie ist jetzt schwer angeschlagen.”

Tatiana bleibt jetzt selbst für sechs Wochen in Lustenau. Erst in fünf Wochen wird sie wieder in ihre Heimat reisen. So sehr sie sich auf zu Hause freut, so unwohl ist ihr beim Gedanken an die Rückreise. “Ich habe Angst, dass auch ich an der Grenze sofort in eine Zwangsquarantäne muss. Wissen Sie, in der Slowakei ist derzeit alles viel strenger als in Österreich.”

Von Kolleginnen hat sich erfahren, wie arg es dort zum Teil ist. “Sie haben mir auch Bilder geschickt. In vielen dieser Quartiere ist es schmutzig, schäbig, unordentlich. Und wenn die Frauen, die so froh sind, wieder nach Hause zu kommen, erst Mal an einen solchen Ort müssen, dann ist das ein Schock.”

Tatiana hofft, dass sich die Dinge auch in den kommenden Wochen so schnell zum Guten verändern, wie sie das in der Vergangenheit getan haben. “Nur sicher sein, kann man sich halt gar nicht.”