Bei Corona lokal und regional reagieren

Positive Entwicklung rechtfertigt laut Arzt mehr Lockerungen.
Bregenz, Rankweil Die Coronasituation im Land gibt Anlass zu Optimismus. Seit Sonntag gab es trotz steigender Testzahlen keine Neuinfektionen mehr. Stattdessen steigt die Zahl der Genesenen, und auch die ursprünglich befürchtete Überlastung der medizinischen Kapazitäten konnte abgewendet werden. Bleiben als Wermutstropfen bislang 19 Todesopfer, die unmittelbar am oder mit dem Coronavirus verstorben sind. Einige Pflegeheime hat es diesbezüglich besonders hart getroffen. Dennoch herrscht Zuversicht, die Pandemie inzwischen einigermaßen im Griff zu haben. Wie Landeshauptmann Markus Wallner am Dienstag ankündigte und die VN berichteten, werden die bislang im Rahmen der Coronakrise getroffenen Maßnahmen einer Evaluierung unterzogen. Unter externer Begleitung wird das Covid19-Krisenmanagement unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse der Begutachtung und Bewertung sollen die Grundlage für einen spezifischen Pandemieplan, also ein Krisenhandbuch bilden.
Sorgen und Nöte
In die Zukunft, aber in die nahe, blickt auch der Rankweiler Gemeindearzt Siegfried Hartmann. In einem Schreiben „an die Bevölkerung im Vorderland“, das auf der Webseite der Gemeinde Rankweil einsehbar ist, scheut Hartmann auch vor kritischen Worten und der Forderung nach Lockerungen nicht zurück. „In der ersten Phase der Pandemie waren die strengen Maßnahmen gerechtfertigt“, sagt der Mediziner im VN-Gespräch. Dennoch habe ihn der Anblick abgesperrter Kinderspielplätze immer tief ins Herz getroffen. Er berichtet auch von Sorgen und Nöten, die in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen entstanden sind. Siegfried Hartmann will sie mit folgenden Zahlen auf ein „realistisches Maß“ zurechtrücken: „Im bisherigen Verlauf der Epidemie waren nur 1,7 Prozent der positiv Getesteten unter 10 Jahre alt und 4,2 Prozent im Alter von 10 bis 20 Jahren“, gibt er zu bedenken. Selbst wenn eine erhebliche Dunkelziffer berücksichtigt werde, sei derzeit die Wahrscheinlichkeit von mit Covid-19 infizierten Kindern ohne Symptome sehr, sehr gering.
Negative Folgen bedenken
Der Gemeindearzt bringt auch die aktuelle Situation in Vorarlberg und besonders in Rankweil und dem Vorderland ins Spiel. Sie habe sich außerordentlich günstig entwickelt. Vor diesem Hintergrund müssen seiner Ansicht nach die sehr rigiden und kaum durchführbaren Maßnahmen besonders im Kindergarten- und Volksschulbereich kritisch hinterfragt und die Folgen bedacht werden. Er rede nicht gegen die offiziellen Reglementierungen an, aber: „Wir werden lernen müssen, mit einem gewissen Restrisiko umzugehen. Der Wunsch nach absoluter Sicherheit verunmöglicht zusehends das normale Miteinander. Wir werden das nicht ohne negative Folgen für viele Monate durchhalten können.“ Die folgende Phase gelte es deshalb mit Hausverstand, Mut und Zuversicht zu meistern. „Nicht fahrlässig“, betont Hartmann. Er appelliert an die Verantwortlichen, die Lage jeweils lokal und regional zu betrachten. Durch intensives Testen und Monitoring der Infektionsfälle könne so rasch auf die Krankheitshäufigkeit reagiert werden.