Fahrplan für den Tourismus: Das sagen die Betroffenen

Vorarlberg / 29.04.2020 • 08:00 Uhr
Fahrplan für den Tourismus: Das sagen die Betroffenen
Ab Mai soll alles wieder Stück für Stück öffnen dürfen. Wir fragten nach. VN/STEURER

Im Tourismus laufen nun die Vorbereitungen. Die VN haben sich umgehört.

Andrea Kinz <span class="copyright">Privat/VN ARCHIV</span>
Andrea Kinz Privat/VN ARCHIV

Bregenz „Es ist positiv, dass wir wieder öffnen können. Doch allzuviel wissen wir noch nicht. Wir sind schon mit den Vorbereitungen für die Wiedereröffnung unserer Betriebe beschäftigt, doch mit den Informationen, die wir bisher haben, ist eine reelle Beurteilung noch sehr schwer. Was ist zum Beispiel im Außenbereich? Und warum darf nicht an der Theke ausgeschenkt werden? Wir haben eine Bar, da würde sich das auch vom Abstand ausgehen. Das wird im Hotel nicht anders sein. Wir rechnen mit wesentlich weniger Geschäftsverkehr zumindest zu Beginn der Wiedereröffnung. Uns fehlen auch die Gäste von Kulturveranstaltungen und Messen. Auch für die Geschäfte in der Stadt ist es ganz wichtig, dass die Gastronomie wieder hochfährt, denn eine gute Gastronomie gehört einfach zum Gesamtpaket.“ Andrea Kinz, Stadtgasthaus, Goldener Hirschen, Weißes Kreuz etc., Bregenz

Reinhard Rauch <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Reinhard Rauch VN/Stiplovsek

Feldkirch Was soll man sagen? Von der Logik her machen die Maßnahmen der Regierung auf jeden Fall Sinn. Den Rauch Club können wir vorerst überhaupt nicht aufmachen, ich rechne auf jeden Fall nicht vor August mit einer Öffnung. Im Restaurant haben wir auch Speiseplätze an der Theke, das geht auch nicht. Es kommt darauf an, wie der Gastgarten gestaltet werden kann.  Auch die Kosten müssen wir im Blick behalten, denn mit vollem Personalstand wird sich das nicht rentieren. Derzeit sind 30 Mitarbeiter in Kurzarbeit, wir werden dann eben nicht alle Mitarbeiter gleich einsetzen können. Ganz wichtig wird für uns sein, dass auch wieder Schweizer und Liechtensteiner Gäste nach Feldkirch kommen können. Auch wissen wir nicht, wie die österreichischen Gäste das Angebot nutzen werden. Reinhard Rauch, Rauch Club, Rio Restaurant und Kino etc., Feldkirch

Panoramacampingplatz Sonnenberg, Matthias Dünser <span class="copyright">Privat</span>
Panoramacampingplatz Sonnenberg, Matthias Dünser Privat

Nüziders Matthias Dünser wird mit einem Monat Verspätung seinen Panoramacampingplatz am Sonnenberg öffnen können. Dennoch kämen zahlreiche Stornierungen für Juni, Juli und August. Acht von zehn Campern kommen aus den Niederlanden oder Deutschland. “Wenn wir heuer auf 50 Prozent vom Vorjahresumsatz kommen, müssen wir froh sein”, erklärt Dünser: “Manche haben in Wellness oder Gastronomie investiert, für die wird es nun pickelhart.“ Aufgrund der Hygienevorgaben sieht Dünser keinen Grund zur Sorge. Auf einem Campingplatz kann man Abstand halten, auch für die Nassbereiche habe man schon Lösungen. Unter anderem sei angedacht, jedes zweite Waschbecken und jede zweite Dusche zu sperren, um Abstände einzuhalten. Matthias Dünser, Panoramacampingplatz am Sonnenberg

Thomas Scheucher, hier mit Gabi Sprickler-Falschlunger <span class="copyright">VN/PAULITSCH</span>.
Thomas Scheucher, hier mit Gabi Sprickler-Falschlunger VN/PAULITSCH.

Lauterach Für unseren Betrieb ist das eine gute Nachricht. Wichtig für uns ist, dass vier Personen und nicht nur Familienmitglieder zusammen an einem Tisch sitzen können, weil wir im Guth besonders viele Geschäftsessen haben. Eine gute Nachricht ist, dass wir für den ersten Tag der Öffnung jedenfalls schon ausgebucht sind. Für die Mitarbeiter im Restaurant habe ich schon Visiere bestellt, denn mit einer Maske kann man in der Küche und auch im Service schwer arbeiten. Wir müssen die Speisen ja auch abschmecken und die Gäste gut beraten können. Die Zeit seit der Schließung habe ich genutzt, um das Haus auf Vordermann zu bringen, wir können also gut wieder starten. Ein Wunsch wäre mittelfristig, dass auch wieder mehr als vier Gäste zusammen ins Restaurant gehen können.  Thomas Scheucher, Restaurant Guth, Lauterach

Stefan Köb <span class="copyright">VOL/Vlach</span>
Stefan Köb VOL/Vlach

Bregenz Wie es losgeht, kann ich noch nicht sagen. Was bisher zu erfahren war, ist alles noch sehr oberflächlich. Es gibt ganz viele Fragen, die noch offen sind. Grundsätzlich ist es aber positiv, dass wir eine Perspektive haben, dass wir wieder mit dem Betrieb starten können und wieder Gäste bei uns begrüßen dürfen. Dass um 23 Uhr Sperrstunde ist, ist aus jetziger Sicht nicht so problematisch für uns, das können wir machen. Interessant ist, wie der Betrieb im Freien geregelt werden kann, welche Regeln es für Gastgärten gibt. Auch die Regelung für Buffets oder Abholstationen, wie wir sie in der Beachbar haben, müssen wir uns genau ansehen. Ich habe erfahren, dass es von der Regierung 37 Maßnahmen für die Gastronomie, sowohl für Gäste wie für die Angestellten, geben soll, die eingehalten werden müssen. Stefan Köb, Pier 69, Beachbar, Bregenz

Markus Burtscher, Geschäftsführer <span class="copyright">Golm Silvretta Lünersee Tourismus</span>
Markus Burtscher, Geschäftsführer Golm Silvretta Lünersee Tourismus

Vandans „Wir sind gerüstet“, garantiert Geschäftsführer Markus Burtscher vom Erlebnisberg Golm. Sobald wir grünes Licht bekommen, werden wir neben der Golmerbahn auch beim Alpine Coaster und beim Waldrutschenpark den Betrieb aufnehmen. Die Mitarbeiter würden darauf achten, dass die Gondeln nicht überbelegt und die notwendigen Abstände eingehalten werden. „Unsere Mitarbeiter werden einen Mund-Nasen-Schutz tragen, dieselbe Empfehlung wird auch an die Gäste gehen“, betont Burtscher. Eventuell wird man diesen den Gästen bei Bedarf auch zur Verfügung stellen können. Hinzu kommen regelmäßige Desinfektionen. Markus Burtscher, Seilbahnen Golm (Illwerke)

Thomas Krobath <span class="copyright">VN Archiv</span>
Thomas Krobath VN Archiv

Röthis Für unseren Betrieb macht die derzeitige Regelung überhaupt keinen Sinn. Die Vabrik ist eher mit einem Konzertbetrieb vergleichbar, da stehen die Leute eng beisammen und auch an den Bars. Das ist für 500 Besucher ausgelegt, da kann man keinen Abstand einhalten. Ich rechne damit, dass wir, wenn alles gut geht, im September wieder mit dem Betrieb starten können. Wir sind die ersten, die zugesperrt haben und werden die letzten sein, die wieder öffnen können. Wir werden aber deshalb nicht die Regeln auf Biegen und Brechen ausreizen, sondern auf die Experten hören, und wenn die grünes Licht geben, neu starten. Aber es muss dann wirklich grün sein, nicht nur gelb. Existenzängste habe ich noch keine, vielleicht, wenn es bis Dezember dauert, bis wir wieder aufsperren können. Thomas Krobath, Discothek Vabrik, Röthis

Alexandro Rupp, Vorarlberg Lines <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Alexandro Rupp, Vorarlberg Lines VN/Steurer

Bregenz Die Vorarlberger Ausflugsschiffe können offenbar wie zuletzt angekündigt am 15. Mai in die Saison starten. Aus dem Tourismusministerium hieß es am Dienstag auf VN-Anfrage zunächst zwar: frühestens am 29. Mai. Nach Abklärungen zwischen der Wirtschaftskammer und dem Verkehrsministerium konnte Vorarlberg-Lines-Geschäftsführer Alexandro Rupp am späten Nachmittag allerdings Entwarnung geben. „Wir können nur noch nicht über die Grenze, alles andere ist wie in der Gastronomie zu handhaben“, erläutert er. Bis die Grenzen offen sind, läuft die Weiße Flotte auf „Minisparflamme“. Gestartet wird mit einem Schiff und ein paar Rundfahrten entlang des Vorarlberger Ufers. Rupp hofft allerdings, dass das Grenzproblem noch im Juni gelöst wird und ab dann wieder Kursschiffe unterwegs sein können. „Vom Umsatzanteil ist die Kursschifffahrt am größten, solange das nicht möglich ist, werden wir viele Mitarbeiter in der Kurzarbeit lassen, das geht gar nicht anders“, ergänzt der Vorarlberg-Lines-Chef. Alexandro Rupp, Vorarlberg Lines

Patrick Persdorf <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Patrick Persdorf VN/Paulitsch

Bregenz Demian Geyer (35) und Patrick Persdorf (37) von der Boulderhalle Greifbar in Bregenz trifft die aktuelle Situation besonders hart. Zum einem fällt die zweimonatige Zwangsschließung mitten in die Hauptsaison. Zum anderen bekommen sie wohl nichts aus dem Härtefallfonds, „weil wir die Geschäftseröffnung erst Ende letzten Jahres hatten und wir keinen Einkommenssteuernachweis für 2019 haben“, erläutert Patrick Persdorf. Immerhin gibt es mittlerweile eine Perspektive. Kletter- und Boulderhallen dürfen am 29. Mai wieder öffnen. Unter welchen Voraussetzungen das passieren kann, ist noch unklar. Persdorf geht davon aus, dass es letztendlich wie in fast allen Betrieben auf Mundschutz, Händedesinfektion, Hände waschen und genügend Abstand hinauslaufen wird. „Bei Desinfektion sind wir in der glücklichen Lage, dass wir schon Desinfektionsspender haben. Was die Abstandsregel betrifft, werden wir die Besucherzahl über unser System erfassen. Es ist auch angedacht, dass wir das dann auch auf unserer Homepage kommunizieren“, gibt der Boulderhallen-Chef einen ersten Ausblick. Patrick Persdorf, Boulderhalle Greifbar

Ewald Petritsch <span class="copyright">VN</span>
Ewald Petritsch VN

Hohenems Für Ewald Petritsch (53) sind es gute Nachrichten. Seit Dienstag steht fest, dass die Freibadsaison am 29. Mai starten kann. „Das ist erfreulich für uns. Ich hätte damit gerechnet, dass wir erst im Laufe des Juni aufsperren dürfen“, sagt der Vorarlberger Bädersprecher und Geschäftsführer des Erholungszentrums Rheinauen in Hohenems. Jetzt gelte es noch die Details abzuwarten, die heute, Mittwoch, nachgereicht werden sollen. Die Ein- bzw. Ausgangsbereiche sieht Petritsch bisweilen nicht als das große Problem. „An den Meter Abstand sind die Vorarlberger mittlerweile eh schon gewöhnt“, meint er. Etwas schwieriger könnte es mit der Regelung der Besucheranzahl pro Quadratmeter werden. „Wir haben Eingangszähler an der Kassa, aber keine Ausgangszähler, das müssen wir noch irgendwie händeln. Natürlich kommt es auch noch auf die Quadratmeter pro Besucher an“, ergänzt der Bädersprecher. Eine Notwendigkeit, dass auf der Liegewiese Bänder zur Abgrenzung gezogen werden müssen, besteht für Petritsch jedenfalls nicht: „Ich glaube, den einen oder die zwei Meter kann jeder abschätzen.“   Ewald Petritsch, Geschäftsführer des Erholungszentrums Rheinauen in Hohenems