Wie die Arbeit eines Bestatters aussieht

Vorarlberg / 17.04.2020 • 10:00 Uhr
Wie die Arbeit eines Bestatters aussieht
Christoph Feuerstein ist für seine Mitmenschen ein wichtiger Ansprechpartner.  BI

Christoph Feuerstein ist in vierter Generation Bestatter.

Bludenz Der Tod ist für ihn so selbstverständlich wie nichts anderes. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen kann er gut damit umgehen. Christoph Feuerstein ist Bestatter und das seit über 40 Jahren. „Mein Urgroßvater war Tischler und hat in diesem Zusammenhang Särge hergestellt. Aus diesem Grund gelangte er ganz selbstverständlich in das Metier des Bestatters, das war früher so üblich“, sagt Feuerstein: „Ich bin inzwischen in vierter Generation Bestatter, der Beruf erfüllt mich immer noch mit Freude. Es ist ein sensibler Beruf, denn wir arbeiten mit Menschen in emotionalen Situationen. Wenn ein Bestatter seinen Beruf nicht mit Überzeugung ausführt, dann muss er wohl oder übel in ein anderes Berufsfeld wechseln, sonst funktioniert das nicht“, ist Christoph Feuerstein überzeugt. Als Bestatter heißt es, an 365 Tagen 24 Stunden bereit zu sein.

Lebensaufgabe

Da zu sein, wenn man gebraucht wird, das ist eine Lebensaufgabe für ihn. Deshalb engagiert er sich auch seit 45 Jahren bei der Feuerwehr, wo er die Funktion des Bezirksfeuerwehrinspektors innehat. „Ich kann und muss mit jedem reden können, egal welcher politischen Richtung oder welcher Konfession er angehört. Wertschätzende Kommunikation ist eine Grundvoraussetzung in meinem Beruf.“ Bestattung sei ein sehr sensibles Geschäft. Es brauche eine klare Linie, zudem seien Vertrauen und Diskretion unumgängliche Voraussetzungen.

Er selbst wisse genau, welchen Platz er auf dem Friedhof haben wird, zur gegebenen Zeit, wie die Bestattung stattfinden soll. Neben veränderten gesellschaftlichen Entwicklungen und den dadurch hervorgerufenen Veränderungen bei Trauerritualen gilt für ihn nach wie vor, individuell auf die Wünsche der Trauernden einzugehen.

Bestatter im Krisenmodus

Diese Flexibilität kommt dem engagierten Bestatter nun auch in der Coronaviruskrise zugute: „Ich muss diese Entwicklung gelassen nehmen. Wir Bestatter gehören zum Gesundheitsdienst der öffentlichen Ordnung und Sicherheit. Jeder Verstorbene wird bestattet, wenn auch mit einem anderen Ablauf“, sagt er.

Weil die Kirchen geschlossen sind und die Friedhöfe unter das verordnete Versammlungsverbot fallen, finden die Bestattungen nun in einem kleinen, familiären Rahmen ohne Veröffentlichung des Bestattungstermins statt. „Unser Bestattungshaus ist der Platz für die Verstorbenen bis zur Bestattung, es finden jedoch auch hier keine Trauerfeiern statt“, informiert der Bestatter: „Ich schließe mich den vorgegebenen behördlichen Erlässen und Verordnungen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus an, da ich diese als sehr sinnvoll erachte. Ein Gedenkgottesdienst für den Verstorbenen kann ja immer noch später nachgeholt werden.“ Auch Hygienevorkehrungen gehören bei einem Bestatter das ganze Jahr über zum beruflichen Alltag, die Sicherheitsvorkehrungen werden immer strikt eingehalten.

Geringe Ansteckungsgefahr

Angst habe er keine: „Wenn ein Körper tot ist, ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung gering, außer man hält die eigenen Hygienemaßnahmen nicht ein. Cholera, Pest und Pfeiffersches Drüsenfieber werden auch nach dem Tod noch als ansteckend eingestuft, aber glücklicherweise existieren diese Krankheiten bei uns nicht mehr“, sagt Feuerstein und führt weiter aus: „Wenn ich Angst vor dem Coronavirus hätte, müsste ich schon 40 Jahre lang bei der Ausübung meiner Tätigkeit in Angst und Kummer leben!“

Hausverstand gefragt

Die Pandemie sei ernst zu nehmen, deshalb sind auch die Vorkehrungen sehr wichtig: „Die Generationen nach dem Krieg kennen keine solchen Einschränkungen mehr. Ich persönlich finde es gut, wenn jeder ein wenig entschleunigt, Bodenständigkeit gewinnt und den Hausverstand walten lässt. Die Eigenverantwortung jedes Einzelnen ist wieder gefragt.“ BI