Coronavirus: Alles schließt außer Supermärkte und Apotheken

Vorarlberg / 13.03.2020 • 14:14 Uhr
Coronavirus: Alles schließt außer Supermärkte und Apotheken
SYMBOLBILD REUTERS

Am Freitag beschloss die Bundesregierung, alle Geschäfte bis auf jene zur Deckung der Grundbedürfnisse ab Montag geschlossen bleiben.

Das wichtigste in Kürze

Supermärkte, Banken, Tankstellen und Apotheken bleiben geöffnet. Dies gilt auch für Betriebe der Grundversorgung wie die Post.

Alle Unternehmer sind aufgefordert, alle Mitarbeiter soweit möglich auf Homeoffice umzustellen.

Alle Lokale wie Bars und Restaurants schließen um 15 Uhr.
Andere Geschäftslokale haben geschlossen zu bleiben.
Das Paznauntal und St. Anton am Arlberg stehen unter Quarantäne. Der Arlbertunnel bleibt geöffnet.
Besuchsverbot in allen Krankenhäusern mit strengen Ausnahmen.

Kontrollen an der Schweizer und Liechtensteiner Grenze.

Die Österreicher sollten derzeit nach Möglichkeit zuhause bleiben und die Zahl der sozialen Kontakte einschränken. Österreich müsse auf einen Minimalbetrieb herunterfahren, um verletzliche Gruppen im Land zu schützen, erklärt Bundeskanzler Sebastian Kurz am Freitagmittag. Daher werden Geschäftsbetreiber angewiesen, ab Montag geschlossen zu bleiben. Ausgenommen bleiben Supermärkte, Banken, Apotheken und Betriebe, die für die Grundversorgung der Bevölkerung wichtig sind. Diese werden jedoch unter Umständen ihre Öffnungszeiten einschränken, auch aufgrund der Betreuungspflichten vieler Mitarbeiter ihren Kindern gegenüber. Restaurants, Bars und Cafés müssen um spätestens 15 Uhr schließen.

Kontrolle an Schweizer und Liechtensteiner Grenze

Ab Montag werden Flugverbindungen zu Italien, Frankreich und der Eidgenossenschaft eingestellt, auch wird nun die Grenze zur Schweiz und Liechtenstein kontrolliert. Hier werde man sich an den Kontrollen zu Italien orientieren, der Pendlerverkehr soll möglich bleiben. Das Paznauntal mit Ischgl wie auch St. Anton am Arlberg stehen ab sofort unter Quarantäne. Ihre Versorgung sei sichergestellt. Der Arlbergtunnel bleibe geöffnet. Österreicher, die in Italien und der Schweiz urlauben, sind aufgefordert in aller Ruhe heimzukehren.

Hilfspaket am Samstag

Noch am Samstag werde die Regierung ein erstes Hilfspaket für die betroffenen Betriebe präsentieren, um die Arbeitsplätze und das wirtschaftliche Überleben zu sichern. Dies verlange auch einige Gesetzesänderungen. Ausgangssperren wie in Italien stehen derzeit noch nicht im Raum.

Katastrophe für kleine Händler

Theresia Fröwis ringt um Worte. “Für den kleinstrukturierten Handel in Vorarlberg ist das Zusperren der Geschäfte eine Katastrophe”, stellt sie fest. In ihrem eigenen Schuhgeschäft in Bezau waren schon am Donnerstag keine Kunden mehr, “wir haben keine Arbeit”, man beschränke sich derzeit auf Tätigkeiten im Lager oder in der Buchhaltung. Für den Handel kommt die Schließung zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. “Jetzt sind alle Lager komplett voll, weil die Frühjahrs-/Sommersaison beginnt”. Die Händler sitzen auf hohen Kosten für den Wareneinkauf, auch die Mitarbeiter müssen weiterhin bezahlt werden. Sie rechnet mit Konkursen und hohen Verlusten, “das ist eine trostlose Situation”. Sie fordert konkrete auch finanzielle Unterstützung für den Handel. Der hat nach der Schließung der Hotels mit einem weiteren Problem zu kämpfen: “Weil auch die Gäste ausbleiben, fehlt dem Handel in den Talschaften eine wichtige Kundenschicht.”

432 Fälle bislang

Derzeit habe man 432 bestätigte Fälle in Österreich, Gesundheitsminister Anschober verweist aber auf die zu erwartenden starken Anstiege der nächsten Tage. “Wir wollen eine Entwicklung wie in Italien mit allen Möglichkeiten vermeiden”, betont Anschober. Es gelte Zeit zu gewinnen, um der Situation weiter gewachsen zu bleiben. In ganz Österreich kommt ein Besuchsverbot in den Krankenhäusern mit strengen Ausnahmen für Kinderstationen und Palliative. Man müsse Schließungen von Krankenhäusern nach Möglichkeit vermeiden und so viele Akutbette wie möglich zu schaffen.

Schulschließungen ab Montag

Damit folgt Österreich dem Beispiel Italiens, aber auch Nationen wie Dänemark. Ab Montag wird wie bereits angekündigt an allen Oberstufen (AHS, HAK, HTL, etc.) der Unterricht eingestellt. Ab Mittwoch wird an allen Schulen nur noch ein Betreuungsangebot für all jene Eltern gestellt, die ihre Betreuungspflichten nicht selbst wahrnehmen können. Hier denke man vor allem an Mitarbeitern kritischer Infrastruktur wie den Gesundheitsbetrieben. Der Unterricht soll online stattfinden.

Am Donnerstag wurden auch die Gemeinderatswahlen in Vorarlberg abgesagt. Mit Montag endet auch die Wintersaison in Westösterreich.