Wie Ali Mahlodji eine europaweite Jugendikone wurde

Vorarlberg / 07.03.2020 • 11:00 Uhr
Wie Ali Mahlodji eine europaweite Jugendikone wurde
Ali Mahlodji ist ein Star der Jugendforschung. Als Kind einer iranischen Flüchtlingsfamilie wurde er vor allem durch sein Handbuch der Lebensgeschichten berühmt. STEINBAUER

Vom Schulabbrecher und Multi-Jobber hat sich der gebürtige Iraner zu einem erfolgreichen Autor, Unternehmer und Botschafter gemausert.

Batschuns Ali Mahlodji gastierte als Starreferent bei der pädagogischen Tagung in Batschuns. Dort sprach der Gründer der Berufsorientierungsplattform “whatchado” über seinen außergewöhnlichen Lebensweg und präsentierte sich als Mutmacher für die Jugend.

Ihr Leben ist eine einzige Abenteuergeschichte. Vom Flüchtling zu einer Jugendikone. Ist das Schicksal oder angestrebtes Lebenswerk?

Wenn ich das wüsste. Angestrebt habe ich ein Leben, das sich an der Erfüllung normaler Bedürfnisse von hier lebenden Jugendlichen misst. Ich wollte haben und tun, was andere Jugendliche haben und tun. Nur konnte ich das oft nicht, weil ich aus einer armen Flüchtlingsfamilie stamme und wir über wenig Geld verfügten. Ich fragte mich damals immer: Warum kann ich dies oder jenes nicht machen? Warum heiße ich Ali?

Wie haben Sie es geschafft, ein erfolgreicher Trendsetter, Jugendbotschafter, Autor und Unternehmer zu werden?

Die Schlüsselrolle für meine Karriere nahm meine Mutter ein. Sie hat mir immer gesagt: Ali, du kannst erreichen, was du dir vorgenommen hast. Du schaffst das. Meine Lehrer sahen das damals anders. Die sagten meinen Eltern: Schaut, dass der Ali die Pflichtschule macht, danach das Poly. Und dann seht zu, dass er möglichst gleich arbeitet. Mehr ist bei ihm nicht drin.

Jugendliche leben heutzutage in einer sehr verwirrenden Welt mit einer Reizüberflutung. Wie sollen sie Orientierung finden?

Indem sie zu tiefen Beziehungen finden. Kein Smartphone kann eine Beziehung, bei allen Benefits digitaler Möglichkeiten, ersetzen. Jugendliche brauchen das Gefühl, Menschen um sich zu wissen, die sie bedingungslos unterstützen und an sie glauben. Wichtig ist auch, dass sie die Verwirklichung ihrer Wünsche anstreben und dabei vieles probieren. Ich spreche da natürlich auch aus eigener Erfahrung. Der Mensch, der bedingungslos an mich glaubte, war meine Mutter. Ohne sie wäre ich wohl nicht so weit gekommen.

Worauf sollten junge Menschen bei der Berufswahl achten?

Sie sollten darauf achten, nicht aus dem falschen Gründen eine Tätigkeit auszuüben, die nicht ihres ist. Wie schon gesagt: Es ist wichtig, vieles auszuprobieren. Dafür kann man sich auch Zeit lassen. Etwas zu tun, das man eigentlich nicht will und das einem nicht entspricht, kann sich sehr negativ auswirken. Es ist bewiesen, dass Menschen im Alter zwischen 25 und 35 die meisten Antidepressiva zu sich nehmen. Das hat auch mit dem zu tun, was sie beruflich machen.

Wie können junge Menschen ihr Potenzial voll zur Entfaltung bringen?

Indem man für sie Rahmenbedingungen schafft, ihre Potenziale zu entfalten. Ein Kind darf nicht sofort in ein Gefüge gezwängt werden, welches es in seiner Entwicklung einschränkt. Dazu zähle ich auch Schulnoten. Kinder sind neugierig. Diese Neugierde muss gefördert und nicht eingeengt werden. Erwachsene sollten in dieser Phase konstruktive Begleiter sein.

Jugendforscher Bernhard Heinzlmeier zeichnet ein düsteres Bild von der heutigen Jugend. Er sagt, sie sei egoistisch und karrieregeil. Sie sehen das wohl anders.

In einer Arbeitswelt, in der Loyalitäten von Arbeitgebern zu Arbeitnehmern großteils verschwunden sind, müssen schon Jugendliche sehr pragmatisch mit ihrer Jobsituation umgehen. Sie stellen sich auf die vorhandenen Gegebenheiten ein. Doch wenn ich sehe, wie sich junge Menschen gerade jetzt für die Umwelt und gegen Armut engagieren, dann sehe ich da viel Positives.

Sie sind EU-Jugendbotschafter. Wie jugendfreundlich ist die EU?

Die EU ist total jugendfreundlich. Ich würde sogar sagen, sie ist ein Sprachrohr für die Jugend. Leider nehmen Bürokratie und Apparate sehr viel von der Begeisterung für das gemeinsame Europa weg. Aber denken Sie doch nur einmal an das Erasmus-Programm, das Jugendlichen europaweit Kontakte ermöglicht, wie das früher undenkbar war.

Ihre Familie stammt ursprünglich aus dem Iran. Auch Sie selbst sind da geboren. Wie sehr nehmen Sie noch Anteil am Schicksal der Iraner?

Sehr. Ich habe noch familiäre Kontakte in den Iran, obwohl ich als Mitglied einer Flüchtlingsfamilie nicht mehr dort hinfahren kann. Im Iran leben sehr viele junge Menschen, die das Mullah-Regime satthaben. Irgendwann wird es dort zum großen Umbruch kommen. Man kann nur nicht sagen, wie lange das dauern wird.

Ali Mahlodji

39 Jahre alt, Kind einer iranischen Flüchtlingsfamilie. Ali Mahlodji, mehrfacher Schulabbrecher, studierte Informatik.Er übte zahlreiche Jobs aus und wurde durch sein Handbuch der Lebensgeschichten und seiner Berufsorientierungsplattform “whatchado” bekannt. Er ist heute auch EU-Jugendbotschafter, Autor, Keynotspeaker, Investor, Autor und Berater.