Frauenthemen haben Konjunktur

Vorarlberg / 07.03.2020 • 09:05 Uhr
Frauenthemen haben Konjunktur
Diese Zeilen auf dem Gleichstellungsbericht 2019 sagen für Tanja Kopf mehr als tausend Worte. VN/PAULITSCH

Tanja Kopf setzt sich für die Gleichstellung von Frauen ein.

Bregenz Lieber gleichberechtigt als später: zu lesen auf dem Jahresbericht 2019, in dem die Maßnahmen und Projekte zur Gleichstellung von Frauen und Männern aufgelistet sind. Für Tanja Kopf, Expertin für Frauenfragen in der Landesregierung, sagt dieser Satz mehr als tausend Worte. Gleichzeitig verdeutlicht er, dass ihre Arbeit immer noch ein Bohren in dicken Brettern ist. Auch deshalb hält Kopf den Internationalen Frauentag am 8. März weiterhin für sehr wichtig.

Was ist 100 Jahre nach Einführung des Wahlrechts aus uns Frauen geworden?

Kopf: Die Frauen sind auf alle Fälle sichtbarer geworden. Das offenbart sich besonders bei Wahlen. So hat beispielsweise Vorarlberg 41 Prozent weibliche Abgeordnete im Landtag, wir haben zwei Landtagsvizepräsidentinnen und eine Landesstatthalterin. Da hat sich also einiges getan, und das ist gut. Frauenthemen haben Konjunktur.

Trotzdem bleibt das Gefühl, Frauenthemen wären nur am Internationalen Frauentag interessant. Wie wichtig ist der eigentlich noch?

Kopf: Ich möchte diesen Tag nicht missen. Er gehört in den Kalender wie der Geburtstag, wie Ostern oder Weihnachten. Er ist wichtig, auch für die jungen Frauen. Sie sollen wissen, dass das, was bisher erreicht wurde, keine Selbstverständlichkeit ist. 

Warum sehen sich Frauen immer noch speziell in der Politik mit teils großer Ablehnung durch Männer konfrontiert?

Kopf: Wir haben nach wie vor patriarchale Strukturen. In der Politik geht es zudem um Machtverhältnisse. Wenn gewisse Positionen nur von einer Person besetzt sein können, müssen auch Männer etwas abtreten.

Die Politik geht zumindest teilweise mit gutem Beispiel voran. Warum zieht die Wirtschaft nicht mit?

Kopf: Die Führungsstrukturen sind immer noch auf männliche Erwerbsbiografien ausgerichtet. 2019 war es so, dass in den Aufsichtsräten der 200 umsatzstärksten Unternehmen gerade einmal 13,9 Prozent Frauen saßen, in den Geschäftsführungen waren es gar nur 5,6 Prozent Frauen.

Was macht einen Aufstieg für Frauen so schwierig?

Kopf: Barrieren sind die männlichen Netzwerke. Wir Frauen haben auch Seilschaften, aber da sind wir noch nicht so gut vertreten bzw. spielen die Seilschaften auf dem Kinderspielplatz für die Wirtschaft keine Rolle. Laut Studien sind für 56 Prozent der Vorgesetzten mögliche familienbedingte Auszeiten ein Hinderungsgrund, Frauen in Führungspositionen zu bringen.

Andererseits wollen immer mehr Männer die Möglichkeit einer Familienzeit in Anspruch nehmen…

Kopf: Männer merken, dass die etwas versäumen, wenn sie in der Kinderbetreuung nicht so präsent sind, wie sie es gerne sein möchten. Gemeinsam mit dem Femail setzen wir deshalb einen Schwerpunkt zur partnerschaftlichen Rollenteilung. Der Papamonat ist ein guter Anfang, aber noch nicht das Ziel. Um diese partnerschaftliche Rollenteilung zu leben, braucht es alle, die Frauen, die Männer und die Unternehmen. Wir versuchen, Projekte zu initiieren, damit die Wirtschaft offener wird für dieses Thema. Es ist jedoch ein Bohren in dicken Brettern.

Stehen sich die Frauen bei der Gleichstellung mitunter nicht auch selbst im Weg?

Kopf: Natürlich müssen auch Frauen lernen, in ihren Bereichen Verantwortung abzugeben.

Wie mühsam ist es, als Expertin für Frauenfragen zu arbeiten?

Kopf: Ich mag die Arbeit, weil man Dinge wirklich verändern kann. Es ist allerdings noch ein weiter Weg zur Gleichstellung. Wir haben sie ja noch nicht einmal sprachlich erreicht. Solange die Mädchen und Frauen nur mitgedacht werden, ist es oft so, als ob es sie nicht geben würde. Man muss also weiter sensibilisieren und informieren.