Die Mellauer lassen sich nicht unterkriegen

“Zu Tode gefürchtet, ist auch gestorben“, sagt der Bürgermeister.
Mellau Die erlösende Nachricht traf am Freitagmorgen kurz vor 7 Uhr ein: Die Mutter des ersten Vorarlberger Corona-Patienten, die Lehrerin an der Mellauer Volksschule ist, wurde negativ auf das Virus getestet. Bürgermeister Tobias Bischofberger schloss eine Ansteckung zwar schon am Donnerstag faktisch aus, erleichtert ist er dennoch.
„Natürlich sind wir froh, dass es so ist, wie es ist. Aber wenn es anders gekommen wäre, hätten wir es auch gemanagt. Ich mache mir da nicht wirklich große Sorgen. Wir haben im Land einen guten Einsatzstand und auch in der Gemeinde hat sich gezeigt, dass es gut läuft und ich lauter besonnene Leute um mich herum habe“, resümiert der Gemeindechef im Gespräch mit den VN. Es habe schließlich keinen Sinn, sich von so etwas verrückt machen zu lassen. „Denn wie sagt man im Wald? Zu Tode gefürchtet, ist auch gestorben“, merkt er mit einem Augenzwinkern an.
Die Eltern der Schüler wurden kurz nach sieben Uhr über das Informationssystem der Schule und anschließend noch einmal vor der Schule darüber in Kenntnis gesetzt, dass der Schulbetrieb ganz normal weitergehen kann. „Es ist alles ruhig und unaufgeregt abgelaufen. Der Bürgermeister und die Gemeindeärztin haben ein sehr gutes Krisenmanagement betrieben“, unterstreicht Direktor Josef Fink. Laut Bürgermeister waren fast alle Schüler in der Schule. „Auch im Konsum geht es normal weiter. Am Morgen wurde ein Postwurf im Dorf verteilt und alle Hotels sind informiert. Wir lassen uns nicht unterkriegen.”

“Die Stimmung ist sehr gut”
Und wie gehen die Mellauer damit um? Es seien alle ziemlich erstaunt bzw. betroffen gewesen, dass der erste Coronafall in Vorarlberg gerade hier aufgetreten ist, schildert Markus Zwischenbrugger, der in der Bregenzerwälder Gemeinde eine Versicherungsagentur betreibt. “Auch mich persönlich hat es zum Nachdenken gebracht, da der Betroffene mir sehr gut bekannt ist. Es ist derzeit natürlich Gesprächsthema Nummer eins im Dorf. Die Stimmung unter den Einwohnern ist aber sehr gut und ich konnte bis dato keine Panik feststellen, was auch nicht angebracht wäre”, stellt er fest.

Deutlich mehr Sorgen als das Coronavirus bereitet Bürgermeister Tobias Bischofberger aktuell der Tourismus. Seit Donnerstag habe es schon einige Stornierungen gegegen, “weil sich die Leute fürchten herzukommen. Es gibt allerdings keinen Grund, nicht in Mellau Urlaub zu machen. Ganz im Gegenteil, wir sind gut aufgestellt”, betont er.