„Wir wollen neue Perspektiven geben“

Vorarlberg / 02.03.2020 • 12:00 Uhr
„Wir wollen neue Perspektiven geben“
Kohler: „Ich bin für Entwicklungszusammenarbeit statt Entwicklungshilfe“. VN/RP

Was wurde aus . . . ? Hans Kohler (73), Altbürgermeister von Rankweil.

RANKWEIL „Ich habe das Glück gehabt, in meinem Leben vieles erreicht zu haben und ich möchte von dem, was ich bekommen habe, etwas weitergeben.“ So im Gespräch mit den VN Hans Kohler (73), der von 1990 bis 2008 Bürgermeister der Marktgemeinde Rankweil war. Von 1994 bis 2008 gehörte er auch als Vertreter der Gemeinden dem Vorarlberger Landtag an. Dort war er u.a. auch Vorsitzender des EU-Ausschusses.

Seither übt Kohler eine Reihe von Aktivitäten aus. Im Zuge der Aktion „Vorarlberg hilft Strahlenopfern“ hat er in den neunziger Jahren begonnen, an Projekten in Weißrussland mitzuarbeiten. Der Südosten dieses Landes war von der Atomkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl 1986 sehr stark betroffen. „Von 1992 bis 2010 war ich mindestens einmal jährlich in Weißrussland. Wir haben dort u. a. eine Kfz-Werkstätte und zwei Tischlereien errichtet sowie einen Jugendaustausch organisiert“, erinnert sich Kohler. Weiters war er an Entwicklungsprojekten in der Ukraine (2008 bis 2009) und in Montenegro als Berater des dortigen Gemeindeverbandes beteiligt und ist seit 2010 mit zunehmendem Umfang in Moldawien aktiv. Die nächste Reise dorthin tritt Kohler bereits wieder am 10. März 2020 an. In Moldawien geht es darum, den Menschen neue Hoffnung und eine neue Perspektive zu geben.

Kohler: „Für Moldawien konnten etwa in den vergangenen fünf Jahren 2500 PC’s für den Einsatz in Schulen in Zusammenarbeit mit Vorarlberger Unternehmen gespendet werden. Darüber hinaus wurden im Projekt ,Verbesserung der Sicherheitsstrukturen und Stärkung der Zivilgesellschaft‘ in den vergangenen acht Jahren dank der Bereitschaft der Vorarlberger Gemeinden über 45 Feuerwehrfahrzeuge den dortigen Feuerwehren geschenkt und auch erstmalig in Moldawien Freiwillige Feuerwehren gegründet. Mittlerweile sind bereits elf Freiwillige Feuerwehren in der Verantwortung der Gemeinden aktiv. Das Projekt wird im Mai fortgesetzt.“ Darüber hinaus unterstützt Kohler den dortigen Gemeindeverband mit der Durchführung von Gemeindeentwicklungs-Seminaren“. Für sein Engagement wurde Kohler in Moldawien mehrfach ausgezeichnet. So ist er beispielsweise Ehrenbürger mehrerer moldawischer Städte.

Internationaler Wahlbeobachter

Im Auftrag der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) war Kohler auch internationaler Wahlbeobachter in Ländern wie Weißrussland, der Ukraine, Moldawien, Kirgistan, und Mazedonien.“ Aber auch in Vorarlberg ist Hans Kohler aktiv. So ist er Obmann eines Vereins, der sich die Revitalisierung der Trift in Rankweil zum Ziele gesetzt hat. Das alte Kulturgut Triftgelände Rankweil wurde in den Jahren 2016 bis 2019 mit Unterstützung von Leader und der Gemeinde Rankweil instandgesetzt und ein moderner Lehrpfad errichtet.

Stellvertretender Obmann ist Kohler im Freundeskreis Basilika. Unter dem Obmann Komm.-Rat Egon Blum, Toni-Russ-Preis- und Ringträger, unterstützt der Freundeskreis die Pfarre bei den notwendigen Schritten der Instandhaltung des Kulturdenkmals Basilika und hat dazu in den vergangenen zehn Jahren über eine Million Euro aufgebracht. Zudem wurde die durch 40 Jahre geschlossene St. Michaels-Kirche renoviert und damit wertvolle Malerei erhalten.

Daneben schrieb Hans Kohler noch das Buch „Zeitenwende“, das durch das Landesarchiv veröffentlicht wurde. Darin geht es um seinen Ururgroßvater Gebhard Schwärzler, Fabrikant, der in Schwarzach als Vorsteher und Landtagsabgeordneter politisch tätig war. Aktiv arbeitet er an dem Buchprojekt „Johann Kohler und seine Zeit“ mit, das 2021 erscheinen wird. Urgroßvater Johann Kohler (1839 bis 1916) gehörte zu den Gründern der damaligen Konservativen Bewegung in Vorarlberg und war selbst Landtagsabgeordneter, Mitglied des Landesausschusses und Reichsratsabgeordneter.

Und wenn es die Zeit zulässt, widmet sich ans Kohler seinem Hobby, der Fotografie, noch analog mit Leicas und einer Hasselblad-Kamera. Die Filme entwickelt er selbst und fertigt auch die Vergrößerungen an.

„Ich freue mich immer, wenn ich ein Land sehe, und zwar außerhalb der ausgetretenen Pfade des Tourismus“, so Hans Kohler abschließend.

ZUR PERSON

Geboren 1947 in Schwarzach

Ausbildung Handelsschule Bregenz, Bankrevisor beim Raiffeisenverband Vorarlberg

Beruflicher Werdegang Raiffeisenverband Vorarlberg, UBS/Schweiz), IBM-Bregenz, Landesdirektor der Anker-Versicherung, eigenes EDV-Unternehmen

Politische Funktionen Bürgermeister von Rankweil, Landtagsabgeordneter

Familie drei Töchter, sechs Enkel