Wollten sie mit Kokain dealen? Familienvater und Ehefrau vor Gericht

VN / 27.08.2025 • 16:12 Uhr
Gericht
Die verheirateten Angeklagten werden in den Gerichtssaal geführt. VN/GS

Im Haus des jungen Paares wurden Kokain und Cannabis gefunden – teils in abgepackten Portionen. Vor Gericht ging es um die Frage, waren die Drogen für den Eigenbedarf oder zum Verkauf bestimmt?

Feldkirch Der 29-jährige Familienvater stand bereits mehrfach wegen Drogendelikten vor Gericht und war zuletzt zu drei Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Bei einer Hausdurchsuchung im gemeinsamen Zuhause mit seiner Frau fanden Polizisten 49,7 Gramm Cannabis sowie 34 Gramm Kokain. Das Rauschgift war zum Teil in kleinen Tüten abgepackt. Bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch gab der Angeklagte an, von den versteckten Vorräten nichts gewusst zu haben. “Hätte ich das Kokain gefunden, hätte ich es wohl selbst konsumiert”, erklärte er. Zwar räumte er ein, rückfällig geworden zu sein, betonte jedoch, es handle sich um Eigenbedarf. Vom offen herumliegenden Cannabis habe er zwar Kenntnis gehabt, er habe seine Frau jedoch mehrfach aufgefordert, es zu verbrennen.

Staatsanwältin im Zweifel

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich von dieser Darstellung nicht überzeugt. Abgepackte Drogenportionen sprächen klar für einen Handel. Zudem hätten die Ermittler bei der Hausdurchsuchung Bargeldscheine, eine E-Card sowie Kokainreste auf dem Tisch gefunden. Die öffentliche Anklägerin hielt dem Beschuldigten auch vor, dass er trotz seiner Vorstrafen erneut mit Suchtgift auffällig geworden sei und damit gegen die Bedingungen seiner Bewährung verstoßen habe.

Ehefrau gestand Konsum

Auch seine mitangeklagte 20-jährige Ehefrau und Mutter bekannte sich teilweise schuldig. Sie schilderte, dass sie monatlich rund fünf Gramm Kokain einkaufe. Zudem rauche sie jedes Wochenende bis zu 20 Joints. Eigentlich habe sie sich regelmäßig kleine Mengen vom Freund ihres Mannes besorgt, erklärte sie. Als ihr dieser jedoch ein günstiges Angebot von fünf Gramm Kokain für 350 Euro machte, sei sie darauf eingegangen – allerdings verbunden mit der Forderung, eine Nacht mit ihm zu verbringen. “Am nächsten Tag hat mein Mann davon erfahren und sofort die Behörde verständigt”, sagte sie. Ihrem Mann habe sie nicht erzählt, dass Kokain und Cannabis im Nebenraum versteckt lagen.

Staatsanwältin: Schuld auf die Gattin geschoben

Nach Einschätzung der Anklagevertretung sei die Version des Paares wenig glaubwürdig. Es sei unplausibel, dass solch große Mengen an Kokain und Cannabis allein dem Eigenkonsum dienten. Vielmehr versuche der Ehemann, die Verantwortung auf seine junge Frau abzuwälzen, weil sie nicht vorbestraft sei und daher mit milderen Konsequenzen rechnen könne.

Urteil: Haft auf Bewährung

Richter Dietmar Nußbaumer verurteilte den 29-Jährigen zu einer sechsmonatigen Haftstrafe auf Bewährung. Eine alte offene Haftstrafe von drei Monaten wurde widerrufen, das heißt, er muss sie absitzen. Allerdings gibt ihm der Richter die Möglichkeit der Therapie statt Strafe. Darüber muss jedoch ein Gutachten entscheiden. Seine Frau wurde zwar zu drei Monaten Haftstrafe auf Bewährung verurteilt, konnte die Justizanstalt jedoch noch am Tag der Verurteilung verlassen. Ihr kamen die Milderungsgründe ihrer bisherigen Unbescholtenheit und ihr junges Alter zugute. Beide Verurteilten erklärten sich damit einverstanden, eine Therapie absolvieren zu wollen.