Brasilien machte sie stark für Bregenz

Horizonterweiterung war für Babette Karner nie nur eine Redensart. Der Werdegang der neuen Pressechefin der Bregenzer Festspiele zeugt von viel Flexibilität.
Sobald es ihr Alter erlaubte, verließ sie die Komfortzone und wählte als Austauschschülerin nichts Naheliegendes wie England oder Frankreich, sondern Brasilien. Deutsch sprach in ihrem dortigen Umfeld niemand, englisch wäre ihr zu bequem gewesen, somit lernte sie umgehend portugiesisch. „Mit 18 geht das schnell, außerdem habe ich von dieser Erfahrung bis heute profitiert.“ Die Unterrichtsstunden konnte sie bald mit dem Besuch von Univorlesungen ergänzen. Im letzten Sommer durfte man feststellen, dass Babette Karner in der Lage ist, sich mit dem aus Lissabon stammenden Künstler Hugo Canoilas in seiner Muttersprache zu unterhalten. Canoilas hatte die von David Pountney inszenierte Uraufführung der Musiktheaterproduktion „Hold Your Breath“ ausgestattet, Karner ist seit dem Vorjahr Chefin der Abteilung Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Bregenzer Festspiele.
Für Journalistinnen und Journalisten, die bereits seit einigen Jahren über die Produktionen berichten, war es ein sehr erfreuliches Wiedersehen. Karner war bereits in den 1990er-Jahren, das heißt, in der Zeit der Intendanz von Alfred Wopmann bei den Festspielen tätig und dann in vielen Jahren, in denen David Pountney das Festival leitete.

Auf Besonderes hinweisen
Etwas über 150 Medienvertreter hat sie mit ihrem Team in der letzten Saison betreut, mit Informationen versehen und mit Künstlerinnen und Künstlern zusammengebracht. Die weiteste Anreise nach Vorarlberg nahm ein koreanisches Fernsehteam auf sich. „Der Großteil von dem was es über die Bregenzer Festspiele zu lesen gibt, wird in unserer Abteilung organisiert. Meine Tätigkeit besteht auch darin, auf besondere Faktoren hinzuweisen, die den Leuten noch nicht oder nicht ausreichend bekannt sind oder mit denen sich gut Stories und Berichte aufbauen lassen.“
Es muss ein Schlüsselerlebnis gewesen sein, als Babette Karner als kleines Kind eine Aufführung des Märchens „Frau Holle“ in Bregenz sah und so in den Publikumsreihen saß, dass sie auch etwas vom Geschehen hinter den Kulissen erhaschen konnte. Das hat sie ebenso fasziniert wie die Aufführung selbst und diese Faszination ist geblieben. „Ich mag den Hinterbühnenbereich und wenn vorne dann zum ersten Mal das Licht angeht, bekomme ich immer noch Gänsehaut.“

Apropos Horizonterweiterung:
Dem Aufenthalt in Brasilien folgten später Tätigkeiten in London, wo sie diverse Jobs in der E-Commerce-Branche, aber auch an der Covent Garden Opera annahm, bis dort die Mieten und das Leben absurd teuer wurden. An der Wiener Uni hatte sie zuvor bereits eine Fächerkombination in Philosophie, Geschichte und Sprachen absolviert und sie hat eine Zeitlang im Bereich des Printjournalismus gearbeitet. Ein zufällig erblicktes Zeitungsinserat führte sie dann erstmals zu den Bregenzer Festspielen. Sie bewarb sich, es klappte und sie konnte sich vor allem dem Schreiben widmen. Nach ein paar Jahren zog es sie an die Staatsoper Stuttgart. Schließlich sah die Schauspielerin, Regisseurin und Kunstvermittlerin Mirella Weingarten in Babette Karner die geeignete Mitarbeiterin, um im Schweizer Ort Werdenberg ein inhaltlich sehr breit angelegtes, aber vor allem auf zeitgenössische Kunst fokussiertes Festival aufzubauen und zu positionieren. „Was mich an dieser Arbeit fasziniert hatte, war die komplette Vielseitigkeit, ich war für viele Bereiche zuständig und konnte auch viel frei entscheiden.“ Mittlerweile ist die Festivalleitung in Werdenberg neu besetzt, Mirella Weingarten hat jüngst in Innsbruck Mozarts Oper „La clemenza di Tito“ inszeniert, die sich Babette Karner selbstverständlich angesehen hat. „Ich habe von der Begegnung mit interessanten Menschen in oder aus unterschiedlichen Ländern profitiert, sie aber auch stets gesucht“, erzählt Karner. Wer ihre Moderation der Programmpräsentationen der Bregenzer Festspiele erlebt, erfährt von ihrer Begeisterungsfähigkeit und Sprachgewandtheit. Das war im letzten Jahr von Intendantin Elisabeth Sobotka so und das hat sich auch beim ersten Auftritt mit Lilli Paasikivi gezeigt, der finnischen Mezzosopranistin und ehemaligen Leiterin der Finnischen Nationaloper, die heuer erstmals das Programm der Bregenzer Festspiele verantwortet.
Zur Person:
Babette Karner, Pressechefin der Bregenzer Festspiele
Die Kommunikationsexpertin Babette Karner leitet seit einem Jahr die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bregenzer Festspiele. Sie ist für alle Medienagenden des Unternehmens zuständig.
„Ich habe von den Begegnungen mit interessanten Menschen in oder aus unterschiedlichen Ländern profitiert, sie aber auch stets gesucht.“
Fotos: Bregenzer Festspiele, Klaus Hartinger
