Das sind die nächsten Schritte zur MedUni in Vorarlberg

VN / 09.11.2023 • 16:10 Uhr
Das sind die nächsten Schritte zur MedUni in Vorarlberg

Hinter den Kulissen tut sich etwas. Nähere Informationen sollen demnächst präsentiert werden.

Schwarzach Die Diskussion über eine Universität in Vorarlberg ist mit einem Glimmbrand vergleichbar. Mal flammt sie auf, mal lodert das Feuer, mal scheint es gelöscht. Aber die Glutnester bleiben. Das gilt sowohl wenn über eine Vorarlberger Universität diskutiert wird als auch wenn eine private Medizinuniversität thematisiert wird. Die SPÖ bringt die MedUni jetzt erneut in den Fokus der politischen Debatte.

Vor zehn Jahren

Eine Debatte, die eben immer wieder aufflammt. Erstmals 2013, als sich der damalige Gesundheitslandesrat grundsätzlich aufgeschlossen zeigte. Allerdings nur, wenn breite Akzeptanz herrsche, sagte er damals. Bei dieser Aussage blieb es. Unterdessen spitzte sich der Ärztemangel in verschiedenen Bereichen zu, außerdem warnen Fachleute vor einer Pensionierungswelle. Also stellte sich bald wieder die Frage: Wie können mehr Ärztinnen und Ärzte nach Vorarlberg gelockt werden? Vielleicht, indem man sie hier ausbildet? Könnte man versuchen. Also: Neuer Anlauf für eine private MedUni im Jahr 2022.

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Der Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks) hat sich damals dem Thema angenommen. Geplant war die private Uni im Raum Bregenz, eventuell im Salvatorkolleg in Hörbranz. Tatsächlich schien es, als käme Bewegung in die Sache – zumindest kurz. Landeshauptmann Markus Wallner kündigte eine vertiefende Prüfung an, ein Hearing mit zwei Interessenten wurde abgehalten, weitere Schritte sollten folgen. Das war im November 2022, also vor einem Jahr. Seitdem ist es wieder sehr ruhig geworden.

Wieder Bewegung

Hinter den Kulissen ist offenbar weitergearbeitet worden. KHBG-Chef Gerald Fleisch erklärt auf VN-Anfrage: “Ich kann noch nicht viel sagen. Aber man wird in die Detailplanungen einsteigen, bald wird mehr dazu präsentiert.” Aus Sicht der Landeskrankenhäuser handle es sich um ein tolles Projekt. “Und es macht Vorarlberg attraktiver. Eine Universität würde nicht nur Studierende anziehen und Absolventen bringen. Eine Uni würde auch das Image als modernes Gesundheitsland unterstützen.”

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Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher bestätigt auf VN-Anfrage: “Wir haben bereits den nächsten Schritt gesetzt und die Detailplanungen freigegeben.” Jetzt soll geprüft werden, wie viel Personal und Geld benötigt wird. Außerdem soll untersucht werden, wie groß eine Uni sein könnte und wer sie betreiben kann, sagt Rüscher. “Es ist keine definitive Entscheidung, aber ein Bekenntnis zu einer ernsthaften Prüfung.” Mehr möchte die Landesrätin dazu noch nicht sagen. In Kürze wolle man näher informieren.

Möglicher Partner

Im Raum steht dem Vernehmen nach eine Kooperation mit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) Salzburg. Dort dürfte man sich auf der Suche nach neuen Geldgebern und Kooperationen befinden. Red Bull hat nämlich laut einem Bericht von ORF Salzburg angekündigt, aus dem bisherigen Sponsoring auszusteigen. Bisher steuerte Red Bull jährlich 4,5 Millionen Euro zum 31-Millionen-Budget bei.

Die PMU Salzburg erklärt den VN: “Wir können bestätigen, dass es aus Vorarlberg diesbezüglich Interesse an einer Kooperation mit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität gibt und wir hier in Austausch sind. Möglichkeiten einer potenziellen Zusammenarbeit werden derzeit ausgelotet.”

Experte sieht Pläne positiv

Gesundheitsexperte Armin Fidler sieht mögliche Uni-Pläne positiv. Eine Uni würde den Standort attraktiver machen und hätte einen Leuchtturmeffekt. Und natürlich würde eine Uni Personal anziehen. Allerdings könnte so ein Projekt einiges kosten, sagt Fidler. “Und es fehlen die Institutionen im Land, die sich der nicht klinischen Ausbildung widmen”, fährt der Experte fort. Fächer wie Pathologie, Biologie oder Epidemiologie müssten also von einer Partneruniversität angeboten werden. Eine volle Universität im kleinen Vorarlberg sei sicher nicht möglich. Am Ende gehe es aber darum, dass sie gut gemacht ist. “Es würde sicherlich schaden, wenn wir eine Universität mit schlechtem Ruf hätten”, betont Fidler.

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Martina Rüscher plädiert ebenfalls für eine Universität. “Aus meiner Sicht wäre eine MedUni in Vorarlberg jedenfalls mit vielen Vorteilen verbunden, die Ressourcen dafür müssen aber vorhanden sein, eine Ausbildung in hoher Qualität muss gewährleistet werden.”

SPÖ fordert Entscheidung

Auch die Vorarlberger SPÖ möchte das Thema wieder zur Diskussion stellen. “In Vorarlberg wird diese Idee seit über einem Jahrzehnt diskutiert, doch bislang hat die Landesregierung nie eine Entscheidung getroffen”, ärgert sich SPÖ-Chef Mario Leiter. Die Roten bringen deshalb im Landtag einen Antrag ein, dass sich die Regierung darum kümmern soll. Und sein Parteikollege Martin Staudinger, Bürgermeister in Hard, bringt seine Gemeinde als Uni-Standort ins Spiel. Konkret: Das Areal am Kammgarn. “Dort wäre viel Raum für einen schönen, modernen Campus”, wirbt Staudinger