„Gedärme hingen aus meinem Bauch“: Anklage lautet auf Mordversuch mit Küchenmesser

Welch erschütternde Details über eine Gewalttat in Mellauer Hotel bei Gericht zutage kamen.
FELDKIRCH Das Denkunmögliche geschah in der Mitarbeiterwohnung eines Hotels in Mellau. Es war am Abend des 8. Jänner dieses Jahres. Ein 31-jähriger Küchengehilfe aus Syrien trat die Tür des Zimmers seines 48-jährigen Kollegen aus Nigeria ein. Im Raum befand sich eine weitere, kurdische Mitarbeiterin.
„Du bist ein toter Mann“
Der Afrikaner war erschrocken, fühlte sich bedroht und griff zu zwei Skistöcken. Doch dann ereignete sich etwas Unerwartetes: Der Syrer soll sich bei ihm für die beschädigte Türe mit den Worten entschuldigt haben: „Du bist mein Bruder und ein Christ, bitte vergib mir.“ Der Nigerianer antwortete verblüfft: „Gut, ich verzeihe dir.“ Dann umarmten sich die beiden. Plötzlich sagte der Eindringling: „Sieh auf deinen Bauch. Du bist ein toter Mann.“ So schilderte es das Opfer.
Der Nigerianer öffnete die Jacke und sah nur noch Blut. „Die Gedärme hingen aus meinem Bauch, den Messerstich selbst habe ich gar nicht bemerkt“, wird er später als Zeuge beim Prozess am Landesgericht Feldkirch behaupten. Irgendwie schaffte er es damals zu einem Taxi, das ihn ins Krankenhaus fuhr. Er hatte lebensbedrohliche Verletzungen erlitten und musste notoperiert werden.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
„Ich bin unschuldig“
Vor dem Geschworenensenat muss sich der Syrer später wegen des Verbrechens des versuchten Mordes verantworten. Staatsanwalt Simon Mathis trägt das Geschehene an jenem Abend vor. Demnach hatten Täter und Opfer sowie die Mitarbeiterin zunächst gemeinsam in der Küche gegessen. Die Frau und der Nigerianer gingen anschließend in ein Zimmer.

Der Angeklagte entfernte sich und stillte seinen Durst an der Hotelbar. Dann kam er zurück und soll die brutale Messerattacke begangen haben. Vom vorsitzenden Richter Martin Mitteregger nach seiner Verantwortung befragt, lautet die kurze Antwort des 31-Jährigen: „Ich bin unschuldig.“ Der Nigerianer hätte ihm damals Geld geschuldet, das er eintreiben wollte. „Doch dann kam er mit einem Skistock, die Spitze auf mich gerichtet, zu. Um mich zu verteidigen, griff ich zu einem Küchenmesser. Doch ich wollte ihn damit nur an der Hand verletzen“, versucht der Beschuldigte den wuchtigen Bauchstich zu relativieren.
Seltsamerweise kann er die Einzelheiten der Vorgänge nur vor Gericht schildern. Denn bei den vorherigen Einvernahmen durch die Polizei wollte er sich an nichts mehr erinnern.
Keine Geldschulden
Die Schilderungen des Opfers als Zeuge ergeben ein völlig anderes Bild. Der Nigerianer sagt, er hätte dem Syrer kein Geld geschuldet. Vielmehr sei die im Zimmer anwesende Kurdin das ausschlaggebende Motiv des Angreifers gewesen. „Seine Absicht war, mich umzubringen. Weil er es nicht zulassen wollte, dass sich eine Muslimin mit einem Christen in einem Zimmer aufhielt“, behauptet er.

Prozess vertagt
Das Schwurgericht kommt noch zu keiner Wahrheitsfindung. Der Grund dafür ist, dass sich der Angeklagte erst beim aktuellen Prozess zu den Vorwürfen äußerte (da er sich ja früher an nichts erinnern wollte). Deshalb müssen die Fragen an die Geschworenen neu formuliert werden. Neben der Anklage des versuchten Mordes stehen nun auch Eventualfragen wie Notwehr oder absichtlich schwere Körperverletzung im Raum. Der Prozess wird deshalb auf den 18. November vertagt.