Ein Land mit hohem Ärztebedarf

VN / 03.07.2023 • 18:00 Uhr
Präsentierten die  lange erwartete Studie: v.l.: Gunter Maier, Hermann Schmied (Gesundheit Österreich), LR Martina Rüscher, ÖGK-Landesstellenvorsitzender Manfred Bunner und Ärztekammerpräsident Burkhard Walla. <span class="copyright">VLK/Hofmeister</span>
Präsentierten die lange erwartete Studie: v.l.: Gunter Maier, Hermann Schmied (Gesundheit Österreich), LR Martina Rüscher, ÖGK-Landesstellenvorsitzender Manfred Bunner und Ärztekammerpräsident Burkhard Walla. VLK/Hofmeister

Aktuelle Studie ortet Lücken vor allem im Spitalsbereich.

Bregenz Die Probleme sind seit Langem bekannt, ebenso die Notwendigkeiten, gegenzusteuern. Jetzt wissen die Verantwortlichen auch, wie viele Ärzte das Land bis 2031 zusätzlich braucht. Es sind 135, die meisten davon, nämlich 71, benötigen die Krankenhäuser, 37 die Facharztpraxen, und 27 sind in der Allgemeinmedizin erforderlich. Das ergab die von Ärztekammer, ÖGK und Land in Auftrag gegebene Bedarfsstudie. Gefragt sind vor allem, wie es Ärztekammerpräsident Burkhard Walla ausdrückte, fertige Fachärzte, denn die Ausbildung bis dahin dauert rund 12 Jahre. Gefragt wurde auch, warum Ärzte nach ihrer Ausbildung im Krankenhaus nicht in Vorarlberg bleiben wollen. Als ein Hauptgrund kristallisierten sich dabei die belastenden Arbeitsbedingungen heraus.

Ein Land mit hohem Ärztebedarf

Über dem Bundesschnitt

Die Studie basiert auf Daten der vergangenen 10 Jahre. Die Ausschreibung zur Durchführung hatte die Gesundheit Österreich GmbH gewonnen. Neben Detaildaten flossen Ergebnisse von Fokusgruppen mit Jungärzten sowie die Resultate einer Online-Befragung aller in Ausbildung befindlichen Ärzte ein. Die aktuelle Situation sieht Vorarlberg im österreichweiten Vergleich im Mittelfeld, was die Versorgung mit Fachärzten in den Spitälern betrifft. Im niedergelassenen Kassenbereich liegt die Versorgung hingegen über dem bundesweiten Schnitt. Dennoch ist Handlungsbedarf geboten. „Aufgrund der wachsenden und älter werdenden Bevölkerung wird der Bedarf an Spitalsärzten um rund 12 und jener im Kassenbereich um 5,9 Prozent steigen“, verdeutlichte Studienleiter Hermann Schmied. Dazu kommen noch Pensionierungen und eine, bedingt durch einen steigenden Anteil an Ärztinnen, höhere Teilzeitquote. Das alles will ausgeglichen werden, soll die Gesundheitsversorgung weiterhin funktionieren.

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Besetzungslücken als Problem

Laut Burkhard Walla werden bis 2031 etwa 30 Prozent aller derzeit aktiven Ärzte das Pensionsalter erreichen. ÖGK-Landesstellenvorsitzender Manfred Brunner beruhigte: „Der Generationswechsel im niedergelassenen Bereich läuft und auch den Rest werden wir bis 2027 schaffen.“ Er verwies auf durchschnittlich 23 neue Vertragsärzte pro Jahr. „In Zukunft werden es 22 sein müssen.“ Aktuell sind bis auf vier alle Vertragsstellen besetzt. Sorgen bereiten jedoch die Besetzungslücken, sie sich immer wieder einmal auftun und andere Ärzte belasten. Als eine Möglichkeit, diese schneller zu schließen, sieht Brunner die verstärkte Einbindung von Wahlärzten in die Sachleistungsversorgung.

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Bessere Vernetzung

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher betonte die Wichtigkeit einer besseren Vernetzung von stationärem und niedergelassenem Bereich. Sie redete außerdem einmal mehr Schwerpunktbildungen bzw. Leistungsoptimierungen das Wort. „Da gehen wir gerade wieder mit dem Rotstift drüber“, sagte Rüscher. Gleichzeitig brauche es gute Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Ärztinnen und Ärzte. Insgesamt forderte sie einen wertschätzenden Umgang mit den Ressourcen des Gesundheitssystems: „Die Bevölkerung muss uns dabei helfen.“ Martina Rüscher kündigte an, dass konkrete Lösungsansätze gemeinsam erarbeitet würden.

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Ergebnisse Fokusgruppen & Befragungen

Was spricht gegen eine Anstellung in einem öffentlichen Krankenhaus?

Zu hohe Arbeitsbelastung: 85,5 Prozent

Schlechte Work-Life-Balance: 72,4 Prozent

Zu viele Nachtdienste: 68,4 Prozent

Was spricht gegen eine freiberufliche Tätigkeit als Kassenvertragsarzt?

Zu wenig Zeit für die Patienten: 44,2 Prozent

Zu wenig Erfahrung: 36,7 Prozent

Zu viele bürokratische Hürden: 36,7 Prozent

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