„Das schreit zum Himmel!“

Landeshauptmann schaltet sich im Streit um Geld zwischen ÖGK und Rotem Kreuz ein.
Bregenz In dem Streitfall um mehr Geld für Krankentransporte zwischen Rotem Kreuz und Gesundheitskasse (ÖGK), die VN berichteten, hat sich jetzt auch Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP, 55) eingeschaltet. „Wir stehen voll und ganz hinter dem Anliegen des Roten Kreuzes. So, wie die Tarifstruktur aktuell ist, kann es nicht weitergehen. Es braucht eine Angleichung an die anderen Landesverbände“, bekräftigt er gegenüber den VN und kündigte Gespräche mit ÖGK-Geschäftsführer Bernhard Wurzer an.
Eine Kernleistung
Das Rote Kreuz leiste wertvolle Arbeit im Land und sei der wichtigste Partner im Transportwesen. „Es ist nicht nur ein Streit ums Geld, es geht vor allem darum, das Transportwesen abzusichern. Immerhin handelt es sich um eine Kernleistung, auf die viele Patienten angewiesen sind. Da muss auch die Sozialversicherung ihren Beitrag leisten“, lautet die unmissverständliche Forderung des Landeshauptmanns.
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Markus Wallner räumt ein, bislang nichts von den gravierenden Tarifunterschieden innerhalb der Bundesländer gewusst zu haben. „Wir bekamen den Vergleich so erstmals auf den Tisch.“ Zu GKK-Zeiten liefen die Verhandlungen jeweils autonom ab. „Seit es die Österreichische Gesundheitskasse gibt, sind die Leistungen erstmals transparent und vergleichbar“, anerkennt er zumindest das als Vorteil, dennoch: „Die Unterschiede schreien zum Himmel.“ Erklärbar seien sie nicht.

Wie die VN berichteten, liegt der ÖGK-Anteil an den Transportkosten in Vorarlberg bei 16 Prozent, in Tirol sind es 41, in Oberösterreich 35 und im Burgenland 20 Prozent. Wallner gesteht dem Problem aber zu, dass es schon zu Zeiten der Gebietskrankenkasse so war. Über die Entwicklung bei den Krankentransporten, die massiv steigen, sowie die Gespräche mit der ÖGK wurde das Land vom Roten Kreuz Anfang des Jahres verständigt. Nach Vorlage der Vergleichszahlen steht für Wallner fest: „So kann es nicht weitergehen. Es muss sich bei den Tarifen etwas bewegen.“ Das Rote Kreuz habe es nicht verdient, von einem zentralistischen Moloch so behandelt zu werden. Schließlich ziehe niemand die vorliegenden Zahlen in Zweifel, und erst recht wolle niemand eine Vertragskündigung.
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Ein Stufenplan?
Derzeit fordert das Rote Kreuz eine Erhöhung der Transporttarife von 2,9 Millionen auf 6,4 Millionen Euro. Damit wäre man kostendeckend unterwegs. Land und Rettungsorganisation können sich nach „einem spürbaren Sprung“ aber durchaus einen Stufenplan zur Angleichung vorstellen. „Da sind wir gesprächsbereit.“ Der Landeshauptmann wird in seiner Aussage noch konkreter: „Ich verlange konstruktive Verhandlungen.“ Mit ÖGK-Geschäftsführer Bernhard Wurzer steht Markus Wallner zumindest bereits in WhatsApp-Kontakt. Eine notwendige Patientenlenkung und damit verbunden eine Reduktion von Fahrten sieht er erst als zweite Priorität: „Zuerst geht es um die Absicherung der Krankentransporte als Grundversorgungsleistung.“ Man werde jedoch keinen Schritt ohne das Rote Kreuz setzen, versichert Wallner.