Lebendiges Dorf

VN / 10.06.2023 • 05:30 Uhr

Im Zentrum von Göfis wirkt gute Raumplanung durch laufende Auseinandersetzung und breite Beteiligung.

Text: Markus Berchtold, Fotos: Darko Todorovic

Der Grundstein für die heutige Entwicklung und die
raumplanerische Qualität des Zentrums von Göfis wurde schon
im letzten Jahrzehnt gelegt. Die Verantwortlichen handelten vorausschauend,
auch heute sieht Bürgermeister Thomas Lampert die Raumplanung als Chance zur ständigen Weiterentwicklung des Zentrums von Göfis. Ohne das Engagement
der Bürger(innen) wären die Visionen der Gemeinde nicht umzusetzen.

Wiesen für alle: Wenig genutzte Freiflächen wurden mit neuen Pflanzen ergänzt, beschriftet und begehbar gemacht. Gleichzeitig bekommt die Sebastiankapelle einen würdigen Rahmen.

Einen Masterplan für die Zentrumsgestaltung in Göfis gibt es nicht. Die Vision von einem gelungenen lebendigen Zentrum aber schon. Um die Jahrtausendwende nahm die Gemeinde viel Geld in die Hand und kaufte im Zentrum angebotene Grundstücke und Gebäude. Noch heute will man bei freiwerdenden Immobilien im Zentrum nicht zögern.

Entsiegelung: Bei der Sebastianwiese wurden Flächen entsiegelt. Schattige Sitzplätze erlauben verschiedene Nutzungen und Begegnungen.

Die Früchte der Ankauf-Politik können heute geerntet werden. Die Entwicklungsschritte ziehen sich wie ein roter Faden durch das Gemeindegeschehen. Es soll nicht zu rasch gebaut werden; die Entwicklung der Infrastruktur soll mithalten können. Der Anspruch ist, „das Dorf muss Dorf bleiben“. Wichtig dafür ist auch, dass sich im Ortskern Dienstleister ansiedeln. Sie sind Basis für das lebendige Dorf. Bewohner(innen) und Gäste nehmen den Dorfkern als Ort der Begegnung wahr, als freundliche Einladung für Gespräche.

Lebendiges Dorf
Geschützt: Der bugo-Garten bietet einen geschützten Rückzugsort im öffentlichen Raum.

Menschen kommen ganz gezielt hierher und verweilen. Durch die sorgfältige Umgestaltung hat sich der Dorfkern zu einer Einheit entwickelt. Die Gemeinde nutzt die Raumplanung als ein Instrument, um all das zu erreichen und weiterzutreiben. Sie gibt Zielvorstellungen vor, an denen sich alle Beteiligten orientieren können.

Lebendiges Dorf
Zentral in der Gemeinde liegt das sanierte und gut erhaltene Gemeindeamt. Es kombiniert privatwirtschaftliche und öffentliche Nutzungen.

So kommen beispielsweise Bauwerber(innen) auf die Gemeinde zu. Deren Ausschuss für Bau und Raumplanung trifft sich mit den Bauwerber(inne)n gleich vor Ort und bespricht das Vorhaben und auch die hier relevanten raumplanerischen Zielvorstellungen. Dieses aktive Vorgehen ermöglicht den Grundstückseigentümer(inne)n eine gezielte Planung mit kalkulierbaren zu berücksichtigenden Vorgaben.

Lebendiges Dorf
Die Landbuslinie 480 verbindet Göfis im Halbstundentakt mit Feldkirch und Rankweil. Ein Car-Sharing-Fahrzeug ergänzt das Mobilitätsangebot.

Delegationen aus ganz Österreich besuchen Göfis und machen sich selbst ein Bild über die gelungene Entwicklung, seit der Auszeichnung zur „Baukulturgemeinde“ 2021. Für die Einreichung wurden die Ergebnisse der letzten Jahre aufgearbeitet. Wie nebenbei entstand auch ein neues Bewusstsein und ein wenig Stolz. Die Auszeichnung weckte Lust auf weiteres Engagement und den Austausch mit Gemeinden in anderen Bundesländern.

Lebendiges Dorf
Mittels Pflasterung der Straßenflächen werden die verschiedenen Orte zu einem Zentrum zusammengeführt und zu einer großzügig gestalteten Begegnungszone weiterentwickelt.

Die konkreten Ergebnisse kann man in Göfis jeden Tag entdecken. Das ist zum Beispiel die bugo-Bücherei: Sie ist „mehr als eine Bücherei“, denn sie ist ein kommunikatives Zentrum. Der Café-Bereich lädt Besucherinnen und Besucher zum Verweilen, Schmökern und zur Kommunikation ohne Konsumationszwang ein. Das zwölfköpfige Team der Bibliothek ist zugewandt und engagiert; regelmäßig finden auch Veranstaltungen wie Lesungen oder Vorträge statt.

Lebendiges Dorf
Der bugo-Platz ist klar abgetrennt vom Straßenraum, ein Ort der Begegnung nicht nur für Göfner(innen).

Vor der Bibliothek tritt man auf den bugo-Platz. Um ihn gruppieren sich wichtige Infrastruktureinrichtungen. Hier ist das Gemeindeamt, der Lebensmittelladen mit weiteren Büros im Haus, der bugo-Garten und natürlich die Bücherei. Der Platz selbst hat das, was Planer(innen) trocken „hohe Aufenthaltsqualität“ nennen: Es ist an alle möglichen Nutzer(innen) und ihr Wohlergehen gedacht: Sitzplätze, Wasser, Grün und Schatten. Selbstverständlich ist der Platz verkehrsberuhigt und der ausgewiesene Raum für parkende Fahrzeuge ist klar vom Platz getrennt.

Lebendiges Dorf
Andere Blickrichtung: Mauern laden mit Holzbänken zum Verweilen. Neben dem alten „Gemeindeamt“ liegt der Nahversorger direkt im Zentrum.

Bewohner(innen) und Bewohner von Göfis engagieren sich aus eigenem Antrieb und in der Regel ehrenamtlich – anders wäre es natürlich auch nicht machbar. Sie kommen mit Ideen auf die Gemeinde zu, der Bürgermeister hat ein offenes Ohr und wenn das Projekt in das Gesamtkonzept passt, unterstützt es die Gemeinde. Das Credo lautet „Gutes gemeinsam gestalten“.

„Raumplanung ist keine Bürde, sondern eine Chance für ein lebendiges Göfis.“

Thomas Lampert, Bürgermeister

Die Bevölkerung erweist sich dabei als der wichtigste und auch verlässliche Partner für die Weiterentwicklung des Dorfkernes. Besonderes Augenmerk legt die Gemeinde darauf, junge Leute zu begeistern, damit in Zukunft auch auf deren ehrenamtliche Tätigkeit gesetzt werden kann. Damit legt die Gemeinde heute den Grundstein für die Zukunft.

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Viele Gemeinden mit ähnlichen Voraussetzungen wie Göfis kämpfen mit dem gefährlichen Phänomen des „Schlafdorfes“: Wenn immer mehr Bewohner(innen) tagsüber außerhalb ihrer Gemeinden arbeiten, kann das öffentliche Leben im eigenen Ort verarmen. Dagegen muss man rechtzeitig einschreiten. In Göfis scheint die Gefahr gebannt: Die vorhandenen Plätze werden von den vielen verschiedenen Vereinen bespielt. Auch tagsüber ist hier etwas los. Auch für Menschen aus der Umgebung ist der Ortskern ein beliebter Anziehungspunkt. Göfis ist heute eine lebendige Gemeinde, dank kluger Raumplanung und vieler engagierter Menschen.

daten und fakten

Objekt: Dorfkern, Göfis

Bauherr: Gemeinde und Pfarrgemeinde Göfis Ausschuss für Bau und Raumplanung: Bgm. Thomas Lampert; DI Thomas Kompein; Mag. Gert Markowski; Rudolf Huber; DI Sonja Entner (und Ersatzmitglieder)

Gestaltungsbeirat: DI Geli Salzmann, Dornbirn; DI Marion Rainer, Feldkirch

Raumplanung: Räumlicher Entwicklungsplan Göfis: DI Alfred Eichberger (stadtland), Wien; Richtlinien Baugrundlagen: Barbara Gloor, Andreas Rohrer, Felix Sutter (Metron, Brugg/CH)

Architekturbüros: René Geiger, Schaan (FL); David Ess, Schaan (FL); DI Sonja Entner, Göfis; Marte & Marte; Feldkirch

Projektgruppen: Leistbares Wohnen; „Schauplatz Obst- und Garten“

Bevölkerung: ca. 3600 Einwohner(innen)

Ausführung: 2012–2021

Besonderheiten: Alle Ausführungen waren nur durch den großen Anteil an Ehrenamtlichkeit, finanzieller Unterstützung durch Firmen und Privatpersonen, sowie Teamgeist möglich.

Eine Baukulturgeschichte von vai Vorarlberger Architektur Institut.

Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg. Neben Ausstellungen und Veranstaltungen bietet das vai monatlich öffentliche Führungen zu privaten, kommunalen und gewerblichen Bauten. Mehr unter Architektur vor Ort auf www.v-a-i.at. Mit freundlicher Unterstützung von der Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen

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