Zwischen Naht und Faden in China

Vorarlbergerin Claudia Mayer begeistert sich für Textilindustrie und Mode.
Rankweil, Shanghai Den Rummel um das chinesische Neujahr, wenn jeder für das Festessen unterwegs zu seiner Familie ist, oder das Laternenfest mit dem prächtigen Feuerwerk kennt Claudia Mayer höchstpersönlich. Denn die Vorarlbergerin lebt seit achteinhalb Jahren in Shanghai.

Mayer war das erste Mal 2006 für das Vorarlberger Unternehmen Huber Tricot in China. Damals hat sie ganze vier Jahre in Südchina verbracht und war dort für die Entwicklung und Produktion zuständig. „Ich habe dann gekündigt und mich entschlossen, auf eine Weltreise zu gehen“, erzählt sie.
Und so kam es auch: Zwei Jahre hat die Rankweilerin die Welt erkundet. Von Australien über Neuseeland bis Costa Rica und Peru. „Das Highlight waren aber die Galapagosinseln. Sie sind sehr schön, erst recht, wenn man Tiere und Natur mag.“
Als sie zurückkam, war es relativ schwierig, eine Arbeitsstelle zu bekommen, die ihren Vorstellungen entsprach. „Es war problematisch, eine interessante Managementposition zu finden“, schildert sie. Mayer hat jedoch nach einem Jahr einen Job in einem deutschen Unternehmen ergattert, wieder in der Textilbranche – mit Standort in Shanghai. Zwei Wochen später war es schon so weit: Am 31. März 2014 war sie schon in China.

„Ich bin begeistert von meinem Job, sonst würde ich es nicht machen“, sagt Claudia Mayer. In Shanghai ist sie für das Inspektionsteam zuständig. Ihr Unternehmen hat hauptsächlich europäische Kunden. „Wir gehen vor Ort in die Fabriken und schauen uns die Produktion an. Wir kontrollieren das Aussehen des Endprodukts, bevor es verschifft wird. Dazu werden die Farben, Nähte sowie Fäden geprüft.“ Doch am beeindruckendsten ist für die Vorarlbergerin der Prozess. „Es ist sehr interessant, wie das Produkt entsteht“, erzählt sie. „Wenn man die Stoffe zusammenführt und etwas Schönes dabei herauskommt, was der Kunde danach verkauft und es jemandem wirklich gefällt, ist es einfach toll.“

Auch im privaten Leben hat Mayer eine leidenschaftliche Begeisterung für Textilien. „Ich habe früher gerne genäht.“ Oft ist sie zum Stoffmarkt gegangen und hat sich das passende Material ausgesucht, um daraus etwas herzustellen. „Meistens bekommt man die Idee während dem Einkaufen. Dann denkt man sich: Aus dem Stoff könnte doch ein schönes Sommerkleid entstehen“, erläutert sie.
Eine moderne Stadt
„Shanghai ist sehr international. Für mich ist es nicht China“, erzählt Mayer. Die Stadt sei übermäßig modern, ältere Häuser sind nur wenige zu sehen. „Meine Gegend erinnert mich sogar ein bisschen an zu Hause, weil es nicht so viele Hochhäuser gibt. Stattdessen hat sie viele grüne Alleen“, schildert sie. „Es schaut manchmal nicht aus, als ob man in einer 25-Millionen-Einwohner-Stadt wohnt, sondern es sieht wie eine Straße bei uns aus.“

Die Skyline von Shanghai bekommt die 42-Jährige nur ein- oder zweimal im Jahr zu sehen. „Da geht man seltener hin, aber wenn man mal dort ist, denkt man sich: Es ist schon eine coole Stadt.“ Generell gäbe es in der Großstadt alles, was man sich vorstellen kann. Von Lebensmitteln, die sogar in wenigen Stunden nach Hause geliefert werden, bis zu Restaurants mit deutscher Küche. „Die Stadt hat ihren Flair.“ Natürlich vermisst Claudia Mayer ihre Heimat Vorarlberg, aber eines steht fest: „Bevor ich die chinesische Sprache nicht komplett beherrsche, komme ich nicht zurück.“
Claudia Mayer
Alter 42 Jahre
Wohnort Shanghai, Rankweil
Beruf Qualitätsmanagerin
Hobbys Nähen, mit Freunden treffen