An welcher Schule Tablets und Handys im Unterricht selbstverständlich sind

Gerald Fenkart, Direktor des Bundesgymnasiums Bludenz, spricht über die Digitalisierung des Unterrichts.
BLUDENZ Gerald Fenkart hat die Leitung des Bundesgymnasiums Bludenz vor drei Jahren übernommen. In seiner neuen Funktion stand er sogleich vor zahlreichen neuen Herausforderungen, wie etwa der Organisation des Unterrichts in Zeiten von Corona. Mit der für ihn typischen Umsicht und Geduld wurden die wechselnden Anforderungen sehr positiv bewältigt. Aktuell steht die Digitalisierung des Unterrichts an, die von dem Schulleiter schon lange im Vorfeld geplant wurde. Dennoch bildet die Umsetzung erneut eine Herausforderung.
Sie haben sich schon seit einigen Jahren mit der Digitalisierung des Unterrichts beschäftigt. Worin sehen Sie die Vorteile?
Fenkart Durch die neuen Möglichkeiten, die ein digitales Schulbuch oder eine gut programmierte App bieten, kann jedes Kind seine eigene Lerngeschwindigkeit bestimmen. Auch kann mehr Übungsmaterial zum Festigen des Stoffs zur Verfügung gestellt werden.
Vor Kurzem erst wurde das Bundesgymnasium Bludenz als erfolgreichstes Gymnasium Vorarlbergs bei den ECDL-Abschlüssen ausgezeichnet. Wie kam es zu dieser Auszeichnung?
Fenkart Schon seit vielen Jahren bieten wir unseren Lernenden an, diesen europaweit anerkannten Abschluss zu erreichen. Teilweise können Inhalte im Informatik-Unterricht gelernt werden, andere werden von den Schülerinnen und Schülern in Freigegenständen erlernt. Kollege Marco Ulmer ist die treibende Kraft hinter diesem Erfolg.
Seit nunmehr vier Jahren wird in Ihrer Schule der Fachbereich Wirtschaft und Digitales angeboten. Was beinhaltet dieser Fachbereich konkret? Wird er von den Schülern gut angenommen?
Fenkart Ja, wir freuen uns, dass sich viele Jugendliche für diese Schulform interessieren. Es ist jedoch keine Wirtschaftsausbildung, sondern soll wirtschaftliche Grundlagen neben einer AHS-Matura schaffen. Durch den Erwerb des Unternehmerführerscheins darf ein Unternehmen gegründet werden und durch die digitalen Skills werden Problemstellungen durch neue Lösungsansätze gelöst.

Heuer wird erstmals das Fach Digitale Grundausbildung angeboten. An welche Altersgruppe richtet sich dieses Fach und in welchem Umfang wird es durchgeführt?
Fenkart Wir sind sehr dankbar, dass alle Kinder von zehn bis 13 Jahren mit iPads ausgestattet werden. Und dies zu so lukrativen Konditionen, sodass auch finanziell weniger gut gestellte Familien sich ein digitales Endgerät leisten können. In den drei ersten Klassen wird jeweils eine Stunde pro Woche in diesem neuen Gegenstand unterrichtet. Dort soll nicht allein der technische Umgang mit dem Gerät gelernt werden, auch die Sicherheit beim Bewegen im Internet sowie in den sozialen Medien stehen im Lehrplan. Besonders interessant ist, dass auch andere digitale Geräte wie das Handy miteingeschlossen sind.
Haben alle Schüler, die dieses Fach besuchen, einen Zugang zu Tablets?
Fenkart Ja, alle Schülerinnen und Schüler, die in den ersten drei Jahrgängen unsere Schule besuchen, haben ein Tablet bekommen und haben freien Zugang zum WLAN.
Die Digitale Grundausbildung wurde von der Regierung schon länger beschlossen. Wann haben Sie die Lehrpläne dazu erhalten?
Fenkart Die Lehrpläne wurden schon lange angekündigt, doch völlig anders strukturiert erst zum Beginn der Sommerferien bekanntgegeben. Die Lehrkräfte durften erst in den Sommermonaten erste Fortbildungen zur Digitalen Grundbildung besuchen. Eigentlich ist dies fast unverantwortlich!
Welche technischen Voraussetzungen waren hierzu in den Klassenzimmern vonnöten?
Fenkart Es wurden mehrere Kilometer Kabel im Schulhaus eingezogen und in jedem Unterrichtsraum ein WLAN-Router eingebaut, um den digitalen Unterricht erst zu ermöglichen. Neue Lautsprecher, viele Steckdosen zur Stromversorgung und eine innovative Schalteinheit zur Steuerung aller digitaler Geräte gehören ebenso dazu.
Themenwechsel: Aktuell wird immer wieder von dringendem Lehrermangel berichtet. Ist das Bundesgymnasium Bludenz davon ebenfalls betroffen und wenn ja – in welchen Fächern?
Fenkart Ich konnte in den Fächern während der Sommerferien die letzten offenen Stunden besetzen, die restlichen offenen Stunden konnten durch Mehrdienstleistungen besetzt werden. Bei uns sind Musikerziehung, Informatik und Werken die Fächer, die mich als Personalchef von hundert Lehrkräften am meisten beschäftigt haben und auch werden.
Ihre Begeisterung für den Lehrberuf ist allgemein bekannt. Worin sehen Sie die Hauptaufgaben eines Lehrenden – abseits der Wissensvermittlung?
Fenkart Ein altes Sprichwort sagt, dass es ein ganzes Dorf benötigt, um ein Kind zu erziehen. So ist es in Zeiten der Kleinfamilien und der Berufstätigkeit beider Elternteile immer wichtiger, das Aufwachsen und die Sozialisation der Kinder zu begleiten: Ansprechperson sein, Vorbild sein, Erzieher mit Linie sein und noch vieles mehr.
Sie haben außerdem auch noch die Funktion als Schulbuch-Begutachter inne. Worin besteht diese Aufgabe?
Fenkart Als Schulbuch-Begutachter ist es meine Aufgabe festzustellen, ob die Inhalte des Schulbuchs dem österreichischen Lehrplan entsprechen. Neben der fachlichen Richtigkeit sind dies auch die allgemeinen Bildungsziele wie Gesundheit oder Geschlechterneutralität. Insgesamt ist dies eine sehr verantwortungsvolle Arbeit, da das Schulbuch für viele Lehrkräfte der geheime Lehrplan ist. BI