Wahrheiten sind zumutbar
„Ein Blackout ist ein plötzlicher, überregionaler und länger andauernder Stromausfall. Bei diesem Szenario ist ein zeitgleicher Ausfall der Stromversorgung in weiten Teilen Europas zu erwarten. Dieser kann innerhalb weniger Sekunden und ohne Vorwarnung erfolgen.
Im Gegensatz zu lokalen Stromausfällen fallen bei einem Blackout zeitnah so gut wie alle anderen lebenswichtigen und stromabhängigen Infrastrukturen aus. Beginnend mit der Telekommunikationsversorgung wie Mobilfunk, Festnetz, Internet und Datenverbindungen. Das führt zur sofortigen Unterbrechung des Geldverkehrs (Bankomaten, Kassen, Zahlungsverkehr). Der Verkehr und damit die gesamte Versorgungslogistik (Ampeln, Tunnel, Treibstoff- und Lebensmittelversorgung) kommen zum Stillstand.“
Soweit aus einem Papier des Verteidigungsministeriums aus dem Jahr 2019 zu möglichen Herausforderungen. Eine andere ist darin ebenfalls skizziert. Sie ist bereits eingetreten; die Pandemie nämlich, in der zumindest zu Beginn alle Menschen angehalten waren, zu Hause zu bleiben. Mittlerweile sind weitere Szenarien dazugekommen. So würde es zu Engpässen in der Energieversorgung kommen, wenn Russland die Gaslieferungen einstellt. Größere Flüchtlingswellen als 2015 erscheinen infolge von Hungersnöten ebenfalls realistisch.
2015 könnte der Politik eine Warnung sein: Die Bilder von Menschenmassen, die zu Fuß auf Autobahnen unterwegs waren und ungehindert Grenzen überquerten, hatten für sehr viele Bürger eine bedrohliche Wirkung, weil sie für einen staatlichen Kontrollverlust standen. Im Grunde genommen markierte das auch das Ende beschaulicher Jahrzehnte. Im Übrigen wurde es zum Anfang der Ablöse von Werner Faymann (SPÖ) als Kanzler und Reinhold Mitterlehner (ÖVP) als Vizekanzler.
Karl Nehammer (ÖVP) und Werner Kogler (Grüne), die diese Ämter derzeit bekleiden, wirken, als würden sie dasselbe Schicksal für sich herbeisehnen wollen. Natürlich, es ist furchtbar schwer, den Aufgaben gerecht zu werden, die sie haben. Nach 1945 war man mit Vergleichbarem lange Zeit nicht konfrontiert. Jetzt aber geht es Schlag auf Schlag.
„Es mag dem Trend entsprechen, Vollkaskopolitik zu betreiben, Unangenehmes aber zu verdrängen.“
Seit dem Stromausfall vor Beginn des Fußballländerspiels gegen Dänemark im Happel-Station am vergangenen Montag ist zum Beispiel der Begriff „Blackout“ wieder in aller Munde. Verdächtig viele Experten sagen, die Frage sei nicht, ob, sondern wann ein solcher komme. Von daher sollte es selbstverständlich sein, die Menschen darauf vorzubereiten und ihnen klarzumachen, dass sie im Falle des Falles für ein paar Tage auf sich allein gestellt sein werden und daher immer genügend Vorräte parat haben sollten; dass der Staat dann vorübergehend (fast) nichts für sie tun kann und es wirklich auf Verantwortung für sich und die Nächsten ankommt. Genau das wird in dieser Deutlichkeit jedoch unterlassen. Es mag dem Trend entsprechen, Vollkaskopolitik im Sinne von „Koste es, was es wolle“ zu betreiben, unangenehme Wahrheiten aber zu verdrängen. Dabei wären gerade sie jetzt nicht nur zumutbar, sondern notwendig und letzten Endes im Interesse aller.
Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.
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