Herbstmesse meldet sich im alten Glanz zurück

VN / 08.09.2021 • 21:00 Uhr
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Alle Bilder: VN/Steurer

Die Herbstmesse will die Rückkehr zur Normalität einläuten.

Von Susanne Bickel, Manuel Krenböck, Matthias Rauch

Dornbirn “Wieder Zämmko“ – Unter diesem Motto wurde am gestrigen Mittwoch die 73. Herbstmesse feierlich eröffnet. Die Messe könne sich nach Impfzentrum und Notspital endlich wieder ihrem Kerngeschäft widmen, freut sich Geschäftsführerin Sabine Tichy-Treimel. Der Tenor zur Eröffnung ist nach einer eineinhalbjährigen Durststrecke betont positiv: Auf die Distanz der Pandemie folge wieder der direkte Kontakt, von dem die Wirtschaft lebe. Bezogen auf die 3-G betont Tichy-Treimel die drei I der Messe: Information, Interaktion und Inspiration. Neben dem allgegenwärtigen Impfappell stoßen Arbeitsminister Martin Kocher, Landeshauptmann Markus Wallner, Bürgermeisterin Andrea Kaufmann ins selbe Horn. Gastredner und Zukunftsforscher Matthias Horx sieht nach der Krise einen Wertewandel, der sich nun nach und nach bemerkbar mache. Aufsichtsrat Otto Mäser blickt eher auf die nahe Zukunft. “Als erste Publikumsmesse des Jahres hat die Herbstmesse Symbolcharakter, ich hoffe dass es nicht die letzte war.”

Wer zur Herbstmesse will, wartet erst einmal vor dem Haupteingang: Am Zugang wird streng die Einhaltung der 3-G-Regel kontrolliert, direkt nach der Kontrolle der Eintrittskarten wartet ein Registrierungsbereich mit mehreren Stehtischen. Streng wachen die Messemitarbeiter über die Einhaltung der 3-G- und Registrierungspflicht. Der Andrang war zumindest auf 10 Uhr hin spürbar. Ein Blick auf den Lageplan verrät, dass längst nicht jede Halle bespielt wird: Die Halle 14 ist weiterhin vom Infektionsteam belegt, die Doppelhalle 7/8 gegenüber der Eishalle ist ebenfalls nicht Teil der Herbstmesse. Und auch ein Blick in das Freigelände zeigt, es wäre mehr möglich gewesen. “Es sind vor allem die regionalen Händler, die hier sind”, bestätigt die Messeverantwortliche Marion Schneider.

Aussteller halten die Treue

Gerade Aussteller aus dem deutschen Raum hätten sich mit der heurigen Messesaison schwer getan. Zu unvorhersehbar war manchen die Planbarkeit, hinzu kommen die Auflagen beim Grenzübertritt. Dennoch haben über 300 Aussteller ihren Weg auf die Herbstmesse gefunden, freut sich Schneider über die große Resonanz unter den Ausstellern aus elf Nationen. Christian Gruber ist trotzdem angereist. Sein Geschäft befindet sich in Holzkirchen bei München und er ist bereits seit zehn Jahren Stammaussteller bei der Dornbirner Messe. Gruber verkauft Whirlpools und dies sehr rentabel, wie er berichtet: “Die meisten Leute, die bei mir einkaufen, haben zwar schon einmal mit dem Gedanken gespielt sich einen Whirlpool zuzulegen. Aber in der Regel passiert der Kauf spontan.” Mit österreichischen Gästen kennt sich Gruber aus, er ist auch regelmäßiger Gast der Gartenmesse in Bregenz.

Die polarisierendste Frau auf dem Messegelände findet man gleich zu Beginn. Karin Weisser präsentiert lautstark ihren Multihobel. “Wie viel zerschnippeltes Gemüse ich am Ende habe, kann ich nicht sagen, aber es ist auf jeden Fall eine ganze Menge”, erzählt sie lachend und füllt die erste Box mit Resten – eine Stunde nach Eröffnung der Messe. Fast jeder, der an ihrem Stand vorbeischlendert, bleibt kurz stehen, um ihrem Treiben zuzusehen. “Festhalten und los gehts”, schallt eine Frauenstimme durch ein Mikrofon vom anderen Ende des Geländes herüber. Sie gehört zu dem Rummelplatz: mit einem Riesenrad, einer Schießbude und Karussellen verwandelt sich dieser Teil schnell zu einem Besuchermagnet. Die Ponys, die auf der Wiese daneben grasen, lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Die Sonne tut ihr übriges, mit Klängen von Blasmusik im Ohr spazieren Besucher über das Gelände und tauchen immer wieder in eine der elf Hallen ab, um Einkäufe zu erledigen. Bei der Mohren Bierwelt wird das neue “Helle” ausgeschenkt, angenommen wird das “leichtere” Bier mit großer Begeisterung. 

In der Halle 2 wiederum dreht sich alles um den Sport. Die Sport Union Vorarlberg hat sich einen prominenten Platz aufgebaut, an dem Kinder Tischtennis oder Minigolf ausprobieren können. Aber es ist auch ein Platz für Erwachsene, diese können einen Sporttest vor Ort absolvieren. Verglichen werden die Ergebnisse mit denen von Innsbrucker Sportstudenten. “Der durchschnittliche Messebesucher ist normalerweise unter den Ergebnissen. Aber wir haben immer wieder einige sehr sportliche Leute dabei. Heute haben wir bereits zwei an einen Tischtennisverein vermittelt”, erzählt Sebastian Gmeiner, Geschäftsführer Sport Union Vorarlberg, lachend. Wer sich zwar sportlich betätigen möchte, aber keinen Test absolvieren will, kann am Ziegenyoga teilnehmen. Einmal am Tag wird in dem Ziegengehege zwischen den Tieren Yoga für Interessierte angeboten. Die Tiere suchen die Nähe der Besucher und legen sich gerne mal dazu, um gestreichelt zu werden. Die Nähe der Tiere während des Yogas soll einen beruhigenden Effekt haben.

Überschaubar war auch der Andrang zum Impfbus: Am ersten Tag ließen sich in vier Stunden rund 100 Personen impfen, womit man sich leicht unter den Erwartungen bewegte. Viele der Impfwilligen sind weiterhin jenseits der 50 Jahre. Diese schätzen neben der Nähe des mobilen Busses vor allem, dass es mit dem Angebot des Johnson-Impfstoffes mit einer einzelnen Sitzung erledigt sei. Der Impfbus wird noch am heutigen Donnerstag vor dem Haupteingang auf Impfwillige warten.