Fan-Walks prägten die EM

Sport / 15.07.2024 • 06:30 Uhr
Fan-Walks prägten die EM

Aus, vorbei! Die EURO 2024 ist schon wieder Geschichte. Für einige ein Segen, andere wiederum werden die Abende ohne Fußball vermissen. Doch wie nachhallend sind die vier Wochen? Was bleibt? Vor allem die Erinnerung an die Fan-Walks. Waren es vor acht Jahren in Frankreich die Anhänger aus Island mit ihrem „Huh“, so waren in Deutschland die links-rechts-hüpfenden Oranje-Fans absolute Stimmungskanonen.

Erinnern werden wir uns immer wieder an das „I am from Austria“ und die grandiose Fan-Unterstützung für das ÖFB-Team. Mit dem Slogan „Alles machbar beim Nachbar“ nach Deutschland gereist, schrieb Österreichs Nationalmannschaft auch sportlich eine Erfolgsgeschichte, für deren Krönung mit dem Achtelfinal-Aus gegen die Türkei ein Zacken aus der Krone gebrochen ist. Weil so nicht erwartet, weil so trotz aller Akribie nicht geplant, weil so eine historische Chance zu leicht verspielt.
Dennoch: Teamchef Ralf Rangnick hat den Stellenwert des Nationalteams erhöht und für seine Arbeit international sehr viel Lob eingeheimst. Platz eins in der Hammergruppe mit Frankreich, Niederlande und Polen hat aus dem Außenseiter mit Chancen einen Geheimfavoriten werden lassen. Selbst darauf, so machte es den Eindruck, war man vorbereitet. Doch ausgerechnet in diesem Augenblick zeigten die Spieler menschliche Züge. Und dazu gehören auch Schwächen.

Wie viel dieser so ansteckenden rot-weiß-roten EM-Euphorie lässt sich jedoch konservieren, um zukünftige Erwartungshaltungen erfüllen zu können? Mit dem „Ja zu A“ des Teamchefs ist davon auszugehen, dass „sportlicher Stillstand“ im Vokabular des Deutschen keinen Platz findet, dass vielmehr die Planungen Richtung Nations League bzw. WM-Qualifikation bereits laufen. Denn eines ist klar: Unabhängig davon, ob Marko Arnautovic seine Teamkarriere fortsetzt oder nicht, es wird neue Ideen brauchen. Das zeigte sich explizit im Achtelfinale, als der Gegner nicht nur tief verteidigte und die Räume im Zentrum schloss, sondern auch viel Emotion ins Spiel brachte.

Fan-Walks, rot-weiß-rote Fußballfeste, was bleibt noch? Die Erkenntnis, dass selbst ein stimmungsvolles Fußballfest nicht alle Probleme – Stichwort Deutsche Bahn oder Politik – löst. Dass mit 60 oder mehr Spielen das Limit erreicht ist, dass ein „CR7“ nur noch eine Karikatur seiner selbst ist und dass die neue „Motzkultur“ zwischen Referee und Mannschaftskapitän wohltuenend war – und somit nachhaltig ist.