Drogenverdacht auf Derby-Tribüne

Sport / 16.04.2024 • 14:22 Uhr
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Fernsehbilder zeigen verdächtige Bewegungen im Fanblock von Austria Lustenau.

Bregenz Fußballerisch hielten sich die Aufreger beim Ländle-Derby zwischen Austria Lustenau und dem Cashpoint SCR Altach mit Ausnahme des Siegtreffers von Sofian Bahloul in Grenzen. Doch rund um das Spielfeld lieferte das Duell der Erzrivalen jede Menge Gesprächsstoff. Bei einer Schlägerei der beiden Fangruppen deutlich vor Anpfiff stellt sich die Frage nach der Rolle der Exekutive, die kurz nach Erscheinen der Gästefans nicht zur Trennung der beiden Fanszenen bereitstand. Dass nach Spielende im Fanblock der Austria nicht nur die Nachbesprechung des Spiels im Mittelpunkt stand, offenbarte ein Video, dass einen der Zuseher bei einer auffälligen Tätigkeit zeigt.

Drogenverdacht auf Derby-Tribüne
Ganz links sieht man die verdächtige Handlung. Screenshot Sky

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Im Highlightvideo des Fernsehsenders “Sky” ist ganz am Ende ein kurzer Schnitt auf die Fantribüne der Austria zu sehen. Am linken Bildrand bereitet sich ein Zuschauer ein Pulver auf einer Karte oder einem Spiegel vor und zieht dieses anschließend mithilfe eines Röhrchens durch die Nase. In den sozialen Netzwerken wird diese Szene heiß diskutiert, mutmaßlich habe der Austria-Fan Kokain oder eine andere verbotene Substanz konsumiert. Theoretisch könnte es aber auch weißer Schnupftabak oder ein anderes legales “Kokain-Imitat” gewesen sein. Dem Verein sind die Bilder bekannt. “Wir haben in diesem Fall nur schwer eine Handhabe”, sagt Geschäftsführer Vincent Baur, “es ist eher ein gesellschaftliches Problem.” Natürlich würden die Grün-Weißen keinerlei Drogen akzeptieren, allerdings sei das Thema illegaler Substanzen auf der Tribüne in der Vergangenheit noch nie an den Verein herangetragen worden. Auch Beschwerden anderer Fans, dass diese Handlungen etwa vor den Augen von Minderjährigen durchgeführt würden, habe es bisher nicht gegeben.

<p class="infozeile">Zum ersten Mal war ich 1989 im Reichshofstadion, als Siebenjähriger habe ich begonnen, Fußball zu spielen. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Auf den Rängen habe ich tolle Spiele erlebt, zum Beispiel den 4:0-Sieg gegen Rum 1994 in der Regionalliga, der den Weg in den Profifußball geebnet hat, oder das erste Heimspiel in der Bundesliga. Das Reichshofstadion inklusive Austria-Dorf hatte stets eine eigene Atmosphäre. Es war Fußball pur. <span class="namen">Vincent Baur,</span> Geschäftsführer Austria</p>
Geschäftsführer Vincent Baur sieht wenige Möglichkeiten für den Verein einzugreifen. SCA

Wie groß das Problem des Drogenkonsums im Fußballstadion ist, lässt sich nur schwer feststellen. Die Schweizer Tageszeitung “Blick” untersuchte 2022 die Toiletten aller Schweizer Erstliga-Stadien auf Kokain-Rückstande und wurde in sämtlichen Stadien fündig. Der Drogenkonsum im Stadion sei gesellschaftlich deutlich gefährlicher als jener in der Nachtgastronomie, weil beim Sport Menschen jeder Altersklasse zusammenkommen und nicht wie in einem Nachtclub nur Erwachsene anwesend seien, meinte Suchtberaterin Regine Rust gegenüber der Schweizer Boulevard-Zeitung.

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Die Stadionordnung der Lustenauer entspricht weitgehend der Vorlage der Bundesliga. Diese geht auf illegale Suchtmittel zwar nicht gesondert ein, verboten ist jedoch sowohl der Besitz als auch der Konsum; vor dem Stadion ebenso wie auf den Tribünen oder in den Toiletten. “Bei den Kontrollen am Eingang ist es fast unmöglich, Drogen zu finden”, betont Baur.