
Das Eisbad als Vorbereitung für die French Open
Julia Grabher arbeitet akribisch an ihrem Comeback. Die Handgelenksverletzung scheint überstanden.
Lochau Julia Grabher atmet tief durch, geht einen letzten Schritt auf der Stufe und taucht dann tief ein in den Bodensee. Sieben Grad hat das Wasser derzeit, doch die 27-Jährige scheint das Eisbad regelrecht zu genießen. Erst nach knapp fünf Minuten steigt Grabher gemeinsam mit ihrem Bruder und Coach Alex Grabher wieder aus dem Wasser und trocknet sich in aller Ruhe ab.
Das Eisbad ist für die Tennisspielerin zum täglichen Ritual geworden. Wenn sie nicht in Vorarlberg weilt, sondern in Wien trainiert, ersetzt eine Eistonne den Bodensee. „Aber die Kulisse ist hier natürlich viel schöner“, sagt Grabher und lacht.


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Die Dornbirnerin spielte 2023 ihr bisher stärkstes Tennis und kletterte in der WTA-Weltrangliste bis auf Platz 54, ehe sie sich im Herbst einer Handgelenksoperation an ihrer Schlaghand unterziehen musste. Fünfeinhalb Monate sind seitdem vergangen. „Es geht mir immer besser, es gibt Licht am Ende des Tunnels“, sagt Grabher, die auf ihr baldiges Comeback hofft. Die Ärzte prognostizierten eine Ausfallzeit von sechs Monaten, die Tennisspielerin befindet sich damit voll im Zeitplan.

Das Gefühl kehrt zurück
Eine Handgelenksverletzung an der Schlaghand ist für einen Tennisspieler gravierend. Die Kräfte, die bei jedem Schlag auf das Handgelenk wirken, sind groß. Das Gefühl des Schlags wird maßgeblich vom Winkel und der Haltung des Handgelenks bestimmt. Was Schmerzen oder Ausgleichshaltungen bedeuten können, zeigt sich bei Dominic Thiem, der seine Handgelenksverletzung nicht operativ behandeln lassen wollte und nun seit mehr als zweieinhalb Jahren versucht, seine alte Form wiederzuerlangen.
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So lange soll es bei Grabher nicht dauern, auch wenn der Neubeginn nach der Operation nicht leicht gefallen ist. „Es ist extrem schwierig gewesen“, erinnert sich die Rechtshänderin. Bei ihrer Rückkehr auf den Platz begann sie, zunächst mit Soft- statt herkömmlichen Tennisbällen zu spielen. „Das ist nicht lustig. Damals hat auch jede Bewegung ein wenig geschmerzt, und mir war bewusst, wie weit der Weg ist, der noch vor mir liegt. Denn ich konnte mir kaum vorstellen, in ein paar Monaten den Ball wieder mit 180 km/h zu schlagen, wenn mir schon das Spiel mit Softbällen Schmerzen bereitet“, konstatiert Grabher. „Es war ein langer Weg zurück, aber jetzt weiß ich, dass alles gut gelaufen ist.“ Auch das Gefühl für den Ball musste die aktuelle Nummer 105 der Welt neu lernen. „Am Anfang war alles sehr steif und hat sich komisch angefühlt. Aber die vergangenen Wochen ist immer mehr an Gefühl zurückgekommen.“

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Paris als großes Ziel
Ihr Bruder Alex, der sie bereits in der Vergangenheit als Coach zu einigen Turnieren begleitet hat, unterstützt sie intensiv bei ihrem Comeback. Im Kaiserstrand Hotel in Lochau hat Alex Grabher sich ein Refugium geschaffen, in dem er neben Eisbaden auch zahlreiche spezifische Übungen mit dem Tennisprofi absolvieren kann. So trainiert Julia Grabher im Fitnessraum unter anderem mit einer Stroboskopbrille und einer Maske, die eine Höhenlage simuliert und damit die verstärkte Produktion der roten Blutkörperchen anregt. Dank der guten Betreuung ist jetzt Zeit für den nächsten Schritt der Rückkehr. „In den nächsten Wochen werde ich im Training erstmals wieder Punkte spielen und langsam Matchpraxis sammeln“, offenbart die 27-Jährige ihren Plan. Im März soll schließlich die Rückkehr auf die Tour erfolgen. Bei welchem Turnier sie zurückkommt, lässt sich Grabher noch offen: „Auf zwei, drei Wochen kommt es nicht an.“ Eines weiß sie aber: „Es wird ein sehr kleines Turnier sein, ich werde mit einem 25er starten und dort hoffentlich ein paar Matches bekommen. Je schneller es anschließend zu den größeren Turnieren geht, umso besser.“
Auf ein Turnier freut sich Österreichs Nummer eins ganz besonders. Die French Open in Paris sind ihr Lieblingsturnier, im Vorjahr zog sie in Roland-Garros in die zweite Runde ein und scheiterte dort an der US-Amerikanerin Coco Gauff. Grabhers Lieblingsgegnerin ist allerdings eine andere. Mit der polnischen Nummer eins Iga Swiatek duellierte sich die Dornbirnerin im April in Madrid. Diese großen Highlights sind Grabhers Antrieb bei ihrem Weg zurück an die Spitze.