Ein Nachhall mit Konsequenzen

Austria mit sportlichem Tiefpunkt und Problemen mit den Fans.
Altach Die sportliche Geschichte des sechsten Bundesligaderbys zwischen Altach und der Austria ist schnell erzählt. Zu überlegen agierten die Rheindörfler gegen eine enttäuschende Lustenauer Mannschaft, die am Ende froh sein musste „nur“ 0:3 verloren zu haben. „Stinksauer!“ So beschrieb Sportvorstand Stephan Muxel am Tag nach der Pleite seine Gemütslage. „Das ist nicht hinzunehmen“, waren seine Worte in Richtung Spieler klar. „Jeder muss sich selbst hinterfragen“, sagte Muxel. Deshalb haben ihm auch die offenen Worte von Torhüter Domenik Schierl im Sky-Interview nicht gefallen, der u. a. meinte: „Das hat alles mit Qualität zu tun und die haben wir nicht, die fehlt uns von vorne bis hinten momentan.“ Und: „Das ist noch eine Draufgabe auf die ganz beschissene Saison.“
Vorkommnisse nicht akzeptieren
Nachhallen werden auch die Vorkommnisse auf den Fantribünen, insbesondere auf jener der Grün-Weißen. Denn für die Spielunterbrechung, ausgelöst durch die Anhänger aus Lustenau, droht der Austria die bislang wohl höchste Geldstrafe für einen Vorarlberger BL-Klub. Zumal sogar ein Spielabbruch im Raum stand. Der Rahmen dürfte sich zwischen 30.000 bis 50.000 Euro bewegen. Für Austrias Vorstandssprecher Bernd Bösch war das Verhalten „inakzeptabel“, zumal schon in der Vergangenheit immer wieder Gespräche zwischen Vorstand und Fanklubs stattgefunden haben. Einen weiteren Termin soll es noch vor dem Umzug (Samstag, 17 Uhr) nach Bregenz geben. Auch Muxel spricht von einem „Blödsinn“. Dabei gab es für den Sportvorstand, für dessen deeskalierenden Einsatz, viel Anerkennung von SCRA-Geschäftsführer Christoph Längle: „Hut ab vor Sportvorstand Stefan Muxel, der Schlimmeres verhindert hat. Er hat sich den Fans gestellt und beruhigend auf sie eingewirkt.“
Viele Fragezeichen
Die Frage aller Fragen, die die Institutionen am Tag nach dem Derby beschäftigte: Wie schaffen es die Hardcore-Fans, trotz großer Sicherheitsmaßnahmen, eine solch große Menge an pyrotechnischen Gegenständen ins Stadion zu bringen. Neben Böllern und Knallkörpern wurden im Austria-Sektor laut Aufzeichnungen der Exekutive auch zwei nicht lenkbare Raketen gezündet. „Damit wurden Grenzen überschritten“, hieß es seitens der Polizei. Diese wird nun die Videoaufzeichnungen genau studieren und versuchen, die Verursacher zu ermitteln. Auch seitens der Bundesliga wird das Bildmaterial ausgewertet sowie auf den Schiedsrichterbericht gewartet. „Dann haben die Klubs eine Woche Zeit, Stellung zu nehmen“, sagt Mathias Slezak von der Pressestelle der Liga. Erst dann wird sich der Senat 1 mit den Vorfällen beschäftigen.
Dabei hatte es vor dem Match die üblichen Sicherheitsmaßnahmen gegeben. Die Tribünen wurden im Vorfeld, wie vorgeschrieben, durchsucht, aufgefallen ist nichts. Die Gäste-Fans waren mit Bussen von Lustenau kommend direkt in den Gästesektor der Cashpoint Arena transportiert und nach dem Spiel von dort wieder nach Lustenau gebracht worden. Diesbezüglich gab es auch keine Vorfälle. Während des Spiels hingegen war viel los. Hinterlassen wurde auf der Austria-Tribüne angeblich eine Kiste. Der Behälter, der mehrere pyrotechnische Gegenstände enthielt, muss wohl vor Spielbeginn über die Umzäunung in die Cashpoint Arena geschmuggelt und von dort auf die Fantribüne transportiert worden sein. „Wir wissen selbst nicht, wie sie es immer wieder schaffen“, heißt es dazu in Polizeikreisen.
Seitens der Austria zeigte man sich schockiert über die offen ausgetragene Aggression zwischen den beiden Fanklubs. Zumal man, so Bernd Bösch, die eigenen Anhänger in der Vergangenheit immer wieder zur Kasse gebeten hat. „Sie haben bei den Strafen mitgezahlt“, erzählt der Klubchef. Dieses Mal, so weiß er, werde es schwieriger. Zum einen wegen der zu erwartenden Höhe der Geldstrafe, zum anderen sei es ob der Vermummung schwer, die Verursacher zu ermitteln.
Mit Strafen wird auch Gastgeber Altach rechnen müssen. Denn auf der SCRA-Tribüne wurde ebenfalls Pyrotechnik gezündet. Ansonsten hielten sich die Schwarz-Weißen zurück, was letztendlich wohl der klaren sportlichen Angelegenheit auf dem Platz geschuldet war.