Altachs Aktie namens Koller

21-Jähriger ist der SCRA-Shootingstar – nicht erst nach seinem Doppelpack gegen Frankreich.
Wels-Altach Paul-Friedrich Koller. Geboren am 22. Februar 2002 im steirischen Judenburg und aufgewachsen in Graz, wird auf transfermarkt.at mit einem Marktwert von 450.000 Euro geführt. Noch. Denn der Abwehrspieler, seit Sommer 2023 beim Cashpoint SCR Altach unter Vertrag, erzielte beim 2:0-Heimsieg des österreichischen U-21-Nationalteams über die große Fußballnation Frankreich beide Treffer. „Kein alltägliches Spiel für das Team und natürlich für mich. Aber wir haben mehr als verdient gewonnen“, erklärt Koller rückblickend auf den wohl erfolgreichsten Moment seiner noch jungen Karriere. Den Glauben an die Sensation hatten der Grazer und all seine Teamkollegen aber schon vor dem Spiel im Kopf: „Klar sind die Franzosen ein starkes Team. Aber wir wussten, wenn wir einen super Tag haben, können wir sie schlagen.“
Einsatz wackelte
Dabei hätte der Grazer, der über die Umwege Admira Wacker und GAK in Altach den Durchbruch in der Bundesliga schaffte, beim Sensationserfolg gar nicht von Start weg am Feld der Innviertel Arena in Ried stehen sollen. Teamchef Gregoritsch bestätigte dies, „weil ich am Vormittag vor dem Spiel den Paul nicht in der Startelf geplant hatte. Aber ich habe auf mein Bauchgefühl gehört und ihn auflaufen lassen.“ Als sich Koller dann doch in der Startelf sah, „war die Freude umso größer. Der Coach hat mir am Vortag mitgeteilt, dass er nicht ganz zufrieden ist mit mir. Deshalb tut der Sieg richtig gut“, bestätigt der Abwehrrecke, der bereits nach zwei Minuten die Gelbe Karte sah. Als Verteidiger gegen eine spielstarke Millionentruppe wie es Frankreich ist, kann dieser Umstand zu einem großen Problem werden. Aber der 21-Jährige meisterte es bravourös und machte dem Teamchef mit den zwei Treffern dann noch die richtigen Geschenke. „Ich bin kein Spieler, der ungestüm in die Zweikämpfe geht, das hat mir in dieser Situation sicher geholfen“, berichtete der Abwehrspieler aus dem Trainingscamp im oberösterreichischen Windischgarsten.
Lob vom Trainer
Joachim Standfest, sein Trainer bei den Rheindörflern, weiß auch, was er an dem 1,86 Meter großen Verteidiger hat. „Solche Situationen wie die frühe Gelbe Karte hat er bei uns auch schon gehabt – und immer wieder konnte er sie richtig stark lösen. Das ist eindeutig seiner großen Spielintelligenz geschuldet“, erklärt Standfest, der Koller schon aus seiner Zeit als Co-Trainer bei Admira Wacker kannte.
Beinahe wäre er gar nicht im Ländle gelandet. Denn der Fokus des SCR Altach und auch Standfest lag im Sommer vorerst darin, einen arrivierten Verteidiger zu engagieren. „Aber wir haben uns natürlich schon davor mit Paul beschäftigt und als dann zwei Absagen von routinierten Kickern kamen, haben wir umgeschwenkt, voll auf ihn gesetzt und wollten ihn unbedingt zu uns lotsen. Zum Glück ist es gelungen“, erklärt Standfest, der in den letzten Monaten einen großen Entwicklungsschritt bei ihm sah: „Das Jahr beim GAK in der 2. Liga hat er richtig gut genutzt. Als er zu uns kam, war schnell ersichtlich, dass er es zum Stammspieler schaffen wird. Darauf hat er sich aber nicht ausgeruht, sondern hart weiter gearbeitet. So kommen eben solche Leistungen wie gegen Frankreich, aber auch bei uns in Altach zustande.“
Dass ihn die beiden Treffer gegen Frankreich nun in den Fokus von internationalen Managern oder Klubs setzen könnten, berührt den 21-Jährigen gar nicht: „Weil ich weiß, wo ich hin möchte und wie ich dorthin komme – nämlich ganz klar über Altach. Darauf liegt mein ganzer Fokus.“
Kollers Vertrag bei den Rheindörflern läuft bis 2026. Agiert er weiter in dieser Art und Weise, wird es schwer, ihn in Altach zu halten. Die Aktie Koller, der um kolportierte 150.000 Euro vom GAK geholt wurde – die Grazer würden bei einem Weiterverkauf mitpartizipieren – ist nicht nur durch die Tore gegen die Franzosen gestiegen.
„Pauls Stärken sind seine Spielintelligenz und der Wille, sich weiterentwickeln zu wollen.“

