Das sagt Mathias Berthold über Liensberger

Vorerst soll der 57-jährige Montafoner die Olympiasiegerin während der WM betreuen. “Sie ist ein absoluter Profi, durch und durch”, sagt er nach der ersten Trainingswoche.
Schwarzach Katharina Liensberger setzt bei der Ski-WM auf die Unterstützung des ehemaligen ÖSV-Trainers und nunmehrigen Mentalcoachs Mathias Berthold. Der Österreichische Skiverband gab diese Zusammenarbeit am Freitag bekannt. „Es war auch Wunsch von Katharina, dass man Mathias dazu holt. Es geht vor allem um die Arbeit im mentalen Bereich, um ihr Selbstvertrauen wiederzuerlangen“, erklärte Alpinchef Herbert Mandl.

„Der Ankündigungsriese und der Umsetzungszwerg sind keine guten Freunde.“
Mathias Berthold auf die Frage nach einer möglichen Zielsetzung
Schnelle Entscheidung
„Es war Mitte letzter Woche, als mich Herbert Mandl angerufen und mich gefragt hat, ob ich mir das vorstellen könnte“, erzählt Berthold von der sehr kurzfristig besiegelten Zusammenarbeit. Es folgten erste Gespräche des 57-Jährigen mit Katharina Liensberger. „Es hat von Beginn an gepasst“, sagt er im Gespräch während der Heimfahrt aus dem Fassatal. Seit Montag stand er mit der Göfnerin in Pozza die Fassa auf dem Berg. Neben Training waren viele Gespräche anberaumt. Sein erstes Resümee? „Katharina ist ein Profi durch und durch. Eine junge Frau, die alles dafür tut, um erfolgreich zu sein. Fakt ist auch, dass sie eine schwierige Phase in ihrer Karriere durchmacht.“ Deshalb habe er in den vergangenen Tagen daran gearbeitet, dass Spaß und Leben zurückkehren, denn: „Sie hat ja das Skifahren nicht verlernt.“

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Das Projekt der Doppelweltmeisterin mit Berthold ist vorläufig auf das Saisonhighlight in Courchevel/Méribel beschränkt, könnte aber auch verlängert werden. Berthold arbeitete zuletzt viel im Fußballbereich, war u. a. von Sommer 2020 bis Sommer 2022 zwei Saison lang Team- und Persönlichkeitsentwickler bei Österreichs Vizemeister Sturm Graz. „Ich fiebere noch bei jedem ihrer Spiele mit.“ Der Ex-Rennläufer aus Gargellen hat als Skitrainer Läufer und Läuferinnen aus verschiedensten Ländern zu Olympia- und WM-Medaillen sowie zahlreichen Weltcupsiegen gecoacht. In seiner vierjährigen Ära als ÖSV-Herrenchef (2010 bis 2014) hatte Marcel Hirscher zu siegen begonnen. Liensberger fährt den eigenen Erwartungen in dieser Saison weit hinterher. Nur dreimal kam die 25-Jährige im Weltcup in die Top Ten, ihr bestes Resultat ist Rang fünf im Riesentorlauf von Killington. Nach der Trennung von Livio Magoni vor drei Wochen wurden die Ergebnisse eher schlechter als besser. In der zweiten WM-Woche tritt sie als Titelverteidigerin im Slalom- und Parallelbewerb auf. Ihr wahrscheinlicher Start folgt im Teambewerb. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es noch nicht.

Eigene Meinung zu Erwartungen
Was die Erwartungen betrifft, so hat Berthold darüber seine eigene Meinung. „Ziel muss es sein, dass ein Athlet sein Optimum abrufen kann. Das Ergebnis selbst hängt dann von vielen Faktoren ab“, so Berthold. Schließlich zähle noch immer der Mensch. Und da sei es egal, ob Frau oder Mann: „Der eine ist sensibler, der andere halt weniger.“ In den Tagen vor der WM fuhr Liensberger vor den Augen von Mandl und Frauen-Chefcoach Thomas Trinker in der Arena von Zürs einige Trainingsfahrten. Diese Trainingsleistungen seien „absolut okay gewesen“, sagte Mandl. „Es hat einfach ein Problem gegeben, das ins Rennen zu bringen. Das Vertrauen war nicht da – in ihr Können, auch vielleicht ins Material. Um das wiederherzustellen braucht sie ein bisschen Hilfe.“
Für Berthold, der u. a. auch Fabio Gstrein betreut, liegt der Fokus nun auf der WM-Performance von Liensberger. Und da sei es wichtig, im Vorfeld die „Erwartungen anderer nicht zu den eigenen zu machen“.