Hermann Maier: Ein Leben voller Wendepunkte

Sport / 20.01.2023 • 21:35 Uhr
Im VN-Sporttalk im Hotel Post in Lech gewährte Maier VN-Chefredakteur Gerold Riedmann und zahlreichen Zuhörern einen intimen Einblick in seine Vergangenheit. <span class="copyright">Steurer</span>
Im VN-Sporttalk im Hotel Post in Lech gewährte Maier VN-Chefredakteur Gerold Riedmann und zahlreichen Zuhörern einen intimen Einblick in seine Vergangenheit. Steurer

Hermann Maier hat in seinem Leben gegen viele Widerstände gekämpft und am Ende gewonnen.

Lech am Arlberg Vor gut einem Monat ist Hermann Maier 50 Jahre alt geworden. Doch all das, was der Salzburger erlebt hat, würde locker mehrere Leben füllen. Entscheidende Wendepunkte prägten Maiers Dasein. Vom Spätentwickler zu Schulzeiten zum im Skiverband unerwünschten Eigenbrötler und von dort zum Dominator und Olympiasieger ist ein Slalom, der auch von einem Skiprofi Flexibilität erfordert.

Gerold Riedmann im Gespräch mit Hermann Maier. <span class="copyright">Steurer</span>
Gerold Riedmann im Gespräch mit Hermann Maier. Steurer

Als Maier 2001 den Höhepunkt seines sportlichen Schaffens erreicht hatte, wurde er jäh von seinem Motorradunfall gestoppt und musste im Alter von 28 Jahren wieder völlig neu starten. Im VN-Sporttalk im Hotel Post in Lech gewährte Maier VN-Chefredakteur Gerold Riedmann und zahlreichen Zuhörern einen intimen Einblick in seine Vergangenheit. Mit 50 Jahren präsentierte sich Maier als blendender Unterhalter, der reflektiert auf seine Karriere und sein Leben zurückblickt.

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In all Ihren Biographien ist von einer schönen Kindheit die Rede. Sie verbrachten jede freie Minute auf der Skipiste. Doch irgendwann war es nicht mehr nur lustig. Wie haben Sie Ihre Jugendzeit erlebt?
Es wäre fast zu schön gewesen, wenn alles dahingelaufen wäre. In der Kinder- und Schülerzeit war ich mittendrin im skifahrerischen Geschehen. In Salzburg war alles perfekt, doch irgendwann spielte der Körper nicht mehr mit. Bei mir äußerte sich das als Morbus Schlatter, eine Erkrankung am Knie. Die Schläge beim Skifahren haben das immer weiter verstärkt. Ich bin damals nicht mehr gewachsen, dementsprechend wurden die Leistungen immer schlechter.

Mit 15 Jahren entschied sich die Skihandelsschule Schladming, dass sie Ihnen nichts mehr beibringen kann oder will und hat Sie rausgeworfen.
Beibringen hätten sie mir schon noch etwas können, vor allem schulisch (lacht). Die körperlichen Unterschiede waren enorm. Mein damaliger Schulkollege Christian Maier hat damals 80 Kilo gewogen, ich 45. Das war schwierig.

Hermann Maier zog die Zuhörer beim VN-Sporttalk mit noch unbekannten Anekdoten und Erinnerungen in seinen Bann. <span class="copyright">Steurer</span>
Hermann Maier zog die Zuhörer beim VN-Sporttalk mit noch unbekannten Anekdoten und Erinnerungen in seinen Bann. Steurer

Wie hat sich die Situation gelöst? Sie haben sich ja beruflich dazu entschieden, Bauarbeiter zu werden.
Es musste damals relativ schnell gehen. Ich habe mir gedacht, wenn ich im Sommer als Maurer arbeite, kann ich vielleicht im Winter skifahren. Deshalb ist die Entscheidung gefallen, ich werde Maurer. Am 16. August 1988 habe ich angefangen.

Während Sie am Bau gearbeitet haben, waren Ihre Kollegen in den Ski-Eliteinternaten. Sie haben körperlich aufgeholt und als Sie wieder einen Startplatz gebraucht hätten, hieß es vom Skiverband Sie sind zu alt.
Ich habe damals für die FIS-Rennen einfach keinen Startplatz bekommen. Deshalb musste ich ausweichen und bin bei allen möglichen Landesmeisterschaften gestartet. Bis mir irgendwann die Länder ausgegangen sind (lacht).

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Bei einem Ihrer ersten Weltcupeinsätze ist Ihnen in Chamonix ein Unglück passiert.
Es war meine erste Abfahrt überhaupt. Ich habe mir gedacht, es ist wie ein schneller Riesentorlauf. Die Trainingsergebnisse waren gut, im Rennen bin ich aber bereits beim dritten Tor im Netz gezappelt und habe mir die Hand gebrochen.

Sechs Wochen später kamen Sie nach Garmisch.
Es waren zwei Super-Gs. Ich hatte am ersten Tag die Startnummer 32 und bin Zweiter geworden.

Der VN-Sporttalk traf auf viel Interesse beim Publikum. <span class="copyright">Steurer</span>
Der VN-Sporttalk traf auf viel Interesse beim Publikum. Steurer

Im Zielraum haben Sie im Interview gesagt, Sie hätten zu wenig riskiert.
Es hat auch gestimmt. Zwei Tag später habe ich es besser gemacht und das Rennen gewonnen.

Danach haben die Olympischen Spiele gewartet. Bereits 1998 fuhren Sie zu Olympia in Nagano. Empfanden es in dieser Phase Ihrer Karriere Demut?
Ja, Demut gab es immer. Die habe ich nie verloren. Gerade ich wusste was es bedeutet, einen Traum zu verfolgen.

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Wir alle haben bei Nagano vor dem Fernseher mitgefiebert, die Abfahrt wurde mehrfach verschoben. An einem Freitag, dem 13. ging es endlich los. Mit welcher Einstellungen gingen Sie ins Rennen?
Das Problem war, dass tagelang nichts stattfinden konnte, weil es jeweils einen Meter Neuschnee gegeben hatte. Als es losging, spürte ich den Rückenwind, der entscheidend werden sollte. Da geht es heute dahin, dachte ich mir. Ich habe die Kurve eng auf Zug angesetzt, mein Ski ist leicht abgerutscht und dann kam der Abflug. Lange dachte ich, dass ich es schaffen würde. Als die Skier über mir waren wusste ich, nein, es geht sich nicht mehr aus (lacht).

Die zwei Medaillen im Anschluss und der Sturz haben Sie weltberühmt und unsterblich gemacht. Hat Arnold Schwarzenegger gleich angerufen?
Ob es Unsterblichkeit ist, werden wir erst merken. Ich glaube nicht (lacht). In Amerika ist das Rennen zur Prime-Time gekommen, deshalb war es eine riesige Geschichte, wir wurden zu Jay Leno eingeladen und ich habe ein paar Brocken gesagt. Das ganze Drumherum inklusive Schnitzelessen mit Arnold Schwarzenegger war unvergesslich.

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Haben Sie noch Kontakt zu Arnie?
Ja, gelegentlich schon.

Es folgte drei Jahre nach Nagano am Karrierehöhepunkt der Motorradunfall mit der drohenden Amputation Ihres Beines. Wie haben Sie sich wiedergefunden in dieser Situation?
Es dauert einfach. Für einen Sportler war es eine gefühlte Ewigkeit, das fühlte sich extrem schwierig an. Die Verletzungen waren massiv. Mein gesamtes Muskelgewebe ist abgestorben. Ich bin damals direkt von Südamerika zurückgekommen. Dort habe ich jeden Trainingslauf mit zwei Sekunden Vosprung gewonnen. Ich bin nie zuvor oder danach so gut skigefahren. Und dann liegt man plötzlich im Krankenhaus.

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Dachten Sie ans Aufgeben?
Ja, klar. Es gab viele Rückschläge. Aber ich wusste, was ich als Skifahrer kann und meine Freude am Sport war noch groß.

Ist das Leben eines Ex-Skiprofis ein Leben mit Schmerzen?
Nein, eigentlich nicht. Der Skisport hat mir mehr geholfen als geschadet.

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