Die Analyse von Dieter Alge: Ernüchterung und Hoffnung

Meine Erwartungen waren vor Altachs ersten Auftritt 2022 hoch. Voller Spannung, wie der neue Trainer Ludovic Magnin sein erstes Spiel anlegen wird. Und voller Interesse, wie die vier neuen Spieler in der Startaufstellung ihre Aufgaben erledigen würden. Am Ende verließ ich, wie viele der Fans, mit großer Ernüchterung die Cashpoint Arena. Auch wenn der Spielverlauf alles andere als gut verlief, das 0:2 offenbarte alte Schwächen. Zudem fehlten mir die Leidenschaft, der Mut sowie die Bereitschaft, ans Limit zu gehen.
Der Trainer setzte im ersten Spiel nach der Winterpause auf eine 4-2-3-1-Grundordnung. Also mit einer Vierer-Abwehrkette und einer Doppelsechs im Zentrum. Für die Offensive sollten Marco Meilinger, Gianluca Gaudino, Noah Bischof sowie Solospitze Christoph Monschein sorgen. Austria-Coach Manfred Schmid ließ seine Elf ebenfalls im 4-2-3-1 agieren. Bereits in den ersten Aktionen war zu erkennen, dass die Abwehr der Altacher sehr hoch stand und bei langen Bällen der Austria mit Problemen zu kämpfen hatte.
In meiner heutigen Analyse möchte ich speziell auf die beiden Gegentreffer etwas genauer eingehen: Dem ersten Gegentor ging eine Drei-gegen-drei-Situation über die linke Abwehrseite voraus. Rund 25 m vor dem Tor begannen die Probleme. Es war einfach, wie sich Austrias Marvin Martins gegen Altachs Bischof im Eins-gegen-eins an der Seitenlinie durchsetzen konnte. Sein Zuspiel landete beim völlig freistehenden Matthias Braunöder und Emanuel Schreiner verabsäumte es durch schnelles rausattackieren den Flankengeber zu blockieren. Bei Braunöders Hereingabe reagierten Manuel Thurnwald und Felix Strauss im Zentrum einfach zu spät und so konnte der Ex-Altacher Manfred Fischer ohne großen Gegendruck zum 1:0 einschießen. Was Altach verabsäumte? Das oberste Ziel der Defensivarbeit ist es, egal mit welcher Grundformation man spielt, geschlossen zum Ball zu verschieben.
Auch beim zweiten Tor der Veilchen war das Stellungsspiel in der Abwehr nicht gut. Dem Treffer ging ein Ballverlust im Spielaufbau von Gaudino voraus. Der Neuzugang verlor sein Dribbling. Die Austria schaltete sofort um und spielte den Ball Richtung Stürmer Noah Ohio in die Tiefe. Das Verhalten im Eins-gegen-Eins des eingrückten Strauss war einfach „Schülerhaft“. Der junge Verteidiger sprintete Richtung Ohio, ließ diesen aber ohne einzugreifen zum Abschluss kommen.
Beim Anblick der beiden Aktionen dürften dem ehemaligen Topverteidiger Magnin wohl die Haare zu Berge gestanden sein. Zum Glück konnten im ersten Spielabschnitt weitere Stellungsfehler bzw. Fehler im Spielaufbau von Austrias Offensive nicht mehr genutzt werden. Nach rund einer Stunde konnte sich das Heimteam etwas erfangen. Zudem tat die Einwechslung von Athe Nuhiu dem Altacher Offensivspiel gut. Chancen aus dem Spiel heraus blieben zum Spielende aber rar.
Mein Fazit: Zusammengefasst war der Auftritt von Schreiner und Co. natürlich zu wenig. Die Kompaktheit in der Defensive, die Automatismen im Spielaufbau, aber auch das Durchsetzungsvermögen im Angriff müssen analysiert und verbessert werden. Für mich ist es jedoch zu früh, nach einem Spiel ein Urteil über die Altacher Neuzugänge zu fällen. Aber die Zeit zur Anpassung ist kurz, dessen sollten sich Trainer und Spieler schon jetzt bewusst sein.