Die Angst der Austria vor einer Niederlage am grünen Tisch

Sport / 10.12.2021 • 10:30 Uhr
Der Blick vom TV-Turm in Richtung der Tribünen im Reichshofstadion, das bei einem Aufstieg kurzfristig Adaptierungen erhalten wird. <span class="copyright">Steurer</span>
Der Blick vom TV-Turm in Richtung der Tribünen im Reichshofstadion, das bei einem Aufstieg kurzfristig Adaptierungen erhalten wird. Steurer

Mit einem Antrag bei der Bundesliga-Hauptversammlung wollen die Lustenauer den Weg für die Lizenzerteilung für die Bundesliga frei machen. Hilfe aus der Politik ist sicher.

Lustenau, Wien Die Tage der Wahrheit für die Lustenauer Austria.

Voller Spannung blickt man seitens der Lustenauer Austria der Hauptversammlung der Bundesliga entgegen, denn ein Antrag des Aufsichtsrates könnte die Stadionpläne und damit den BL-Lizenzantrag der Grün-Weißen gehörig durcheinanderwirbeln. Wird doch empfohlen, die Spruchpraxis des Senat drei aus diesem Frühling, dass es bei einem Stadionneubau für den Erhalt einer Bundesliga-Lizenz eine Baugenehmigung braucht. „Das ist für uns nicht machbar“, weiß Austria-Vorstandssprecher Bernd Bösch. Deshalb werden die Lustenauer ihrerseits einen Antrag zur Abstimmung bringen, wonach die neue Bestimmung erst mit dem Lizenzierungsverfahren 2023/24 in Kraft tritt.

„Mit Beginn der Bauverhandlung im Jänner, kann sich diese über 90 Tage und länger ziehen.“

Bernd Bösch über den Kampf der Austria für die BL-Lizenz

Alle Möglichkeiten ausschöpfen

Für die Grün-Weißen wäre die Verschiebung um ein Jahr schlüssig, zumal der Zeitplan einen Baubeginn für 2023 vorsieht. Im Laufe des Jahres 2024 will die Austria dann das neue Stadion beziehen – als Mitglied der Bundesliga. Bösch beruft sich dabei auch auf ein Schreiben der ARGE Infrastruktur, die sich mit den Richtlinien in der mit 2013 begonnenen Infrastruktur-Offensive der Liga befasst. Demnach würde eine vorliegende Baubewilligung („Das kriegen wir hin“) reichen, um einen Lizenzantrag zu erhalten. Jedenfalls hofft man mit dem neuen Fahrplan für den Stadionbau auf eine Ausnahmebestimmung, die dann bis 2025 bestehen würde. „Diesen Zeitrahmen müssten wir gar nicht ausschöpfen“, ist sich Bösch sicher. Und er betont: „Selbst wenn unser Antrag abgelehnt werden würde, wir werden nicht aufgeben, sondern vielmehr alle Möglichkeiten ausschöpfen.“ Dazu zählt auch, dass das Fehlen einer Baubewilligung nicht automatisch einen Lizenzentzug nach sich ziehen muss. Aber dafür müssten wichtige Adaptierungen im alt-ehrwürdigen Reichshofstadion vorgenommen werden. „Wir arbeiten zweigleisig“, bekräftigt auch Bösch. Finanziell wäre es jedoch ein kleiner Kraftakt, zumal dann auch der Lizenzbonus von gut 200.000 Euro nicht zum tragen kommen würde. Zudem müsste man wohl mit einer geringeren Zuschauerkapazität planen als es derzeit bei Heimspielen in der 2. Liga der Fall ist. Seitens der Austria weiß man auch, dass seitens des Senat 3 (Stadionausschuss) genau darauf geachtet wird, in den Lizenzunterlagen neue Fakten zum Stadionbau zu erhalten. Ansonsten könnte der Supergau – nämlich keine Bundesliga-Zulassung – drohen.

Finanzierungsbeschluss erwartet

ie Zeit drängt, große Verzögerungen darf es nicht mehr geben: Die Austria braucht eine verbindliche Finanzierungszusage von Land und Gemeinde. „Die Details werden noch zwischen Gemeinde und Sportlandesrätin Martina Rüscher besprochen“, teilte diesbezüglich Landeshauptmann Markus Wallner mit. Er deutet einen Regierungsbeschluss am kommenden Dienstag an, will aber noch nichts bestätigen.

Landesgeld ab 2024

Mit einem Beschluss rechnet hingegen fix der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer. „Die Beteiligung des Landes ist zugesagt, da gibt es nichts zu deuteln.“ Im Detail soll sich die Finanzierung des 18,5 Millionen teuren Projekts so gestalten: Die Gemeinde leistet eine Zwischenfinanzierung, das Landesgeld fließt ab 2024. Laut Aussage von Fischer läuft das Verfahren bereits. Zu Jahresbeginn soll es die Bauverhandlung geben, noch vor der Lizenzierungsentscheidung ein Baubescheid vorliegen. „Damit würden wir im Zeitplan liegen. Der Baubescheid hätte auch Gültigkeit, sollte ein Einspruch eine zweite Instanz beschäftigen“, sieht es der Bürgermeister. Der Baustart soll 2023 erfolgen.

„Ich bin jederzeit bereit, die seriöse Entwicklung des Projekts vor der Bundesliga zu belegen.“

Kurt Fischer, Bürgermeister Lustenau

Präsentation für Anrainer


„Ich bin jederzeit bereit, die seriöse Entwicklung des Projekts vor der Bundesliga zu belegen. Es sollten jetzt nicht mehr irgendwelche nicht nachvollziehbaren Hürden aufgebaut werden“, meint Fischer in Richtung Bundesliga. Für die heutige Hauptversammlung hätte er sich per Zoom für eine genaue Information angeboten. „Austria-Vorstandssprecher Bernd Bösch hat mir jedoch gesagt, das sei nicht notwendig.“ Oberste Priorität hat für Fischer und Bösch die Einbeziehung der Stadion-Anrainer in alle Schritte. Noch vor Weihnachten werden diese zu einer Präsentation eingeladen. VN-HK-CHA