Selbst für einen Späteinsteiger ist es nie zu spät

Sport / 15.11.2021 • 19:30 Uhr
Zwischen den roten Toren fühlte sich Christian Hirschbühl extrem wohl. Keinem anderen Läufer gelang es, solche Rückstände nach dem ersten Lauf wettzumachen. <span class="copyright">gepa</span>
Zwischen den roten Toren fühlte sich Christian Hirschbühl extrem wohl. Keinem anderen Läufer gelang es, solche Rückstände nach dem ersten Lauf wettzumachen. gepa

Erst im Alter von 25 Jahren bestritt Christian Hirschbühl sein erstes Weltcuprennen. Als nunmehr 31-Jähriger stand er erstmals auf dem Podest – als Sieger. Dennoch: Riesentorlauf ist kein Thema bei ihm, er fokussiert sich auf den Slalom.

Lauterach Am Tag danach galt es noch einige Glückwünsche am Handy („Es haben sich doch viele mit mir gefreut“) zu beantworten, doch auch die körperlichen Nachwehen waren zu spüren. Nicht so sehr die Feierlichkeiten nach dem ersten Weltcupsieg, sondern vielmehr die zehn Fahrten bis zum ersten Weltcupsieg steckten doch in den Knochen. „Ein wenig nagt es noch am Körper“, gestand Christian Hirschbühl. Und so nützt er die nächsten drei, vier Tage, um in heimatlichen Gefilden Kraft zu schöpfen.

„Nach dem Sieg gegen Kristoffersen habe ich gewusst, dass ich nicht weit weg vom Sieg bin.“

Christian Hirschbühl nach dem ersten Weltcupsieg

Klar, dass bei ihm da auch einige Trainings- und Physioeinheiten im Olympiazentrum in Dornbirn auf dem Programm stehen. Doch auch der Blick zurück auf den Sonntag in Zürs sei erlaubt, zumal er abends nach dem Rennen seinen ersten Weltcupsieg im familiären Kreis noch einmal hatte Revue passieren lassen. 2020 hatte es bis zum 30. Dezember gedauert, ehe den ÖSV-Herren der erste Sieg gelang.
„Ich habe beim Hauptbewerb genau hingeschaut und gesehen, dass die rote Piste Vorteile bringen kann. Als ich dann gegen Kranjec den Rückstand wettgemacht hatte, wusste ich, dass ich nur ruhig bleiben und meine Chancen nutzen muss. So war es dann auch am Ende des Tages.“ Dennoch kann Hirschbühl den Diskussionen um das Format Parallelbewerb nichts abgewinnen – vor allem nicht mit Blick auf das Rennen in Zürs. „Der Hang ist absolut fair. Es gibt keinen ähnlichen im Weltcup. Für Wettereinflüsse kann die Schuld nie bei einem Veranstalter gesucht werden.“ Der Lauteracher jedenfalls hat die „Gunst der Stunde“ genützt und mit 31 Jahren seinen ersten Weltcupsieg eingefahren. „Schon etwas Spezielles, zumal es ja nicht einmal meine Spezialdisziplin ist.“ Deshalb sei im Vorfeld auch die Erwartung nicht so hoch gewesen. Umso größer war schließlich die Freude – und die Erleichterung, dass das Knie kaum reagiert habe. Zudem, so Hirschbühl, hat der Ski gepasst. Selbst als er nach dem ersten Lauf gegen Zano Kranjec den Quali-Ski getauscht habe. „Der Servicemann hatte dann zwischen den sieben Finalfahrten ein wenig Stress“, erzählt er mit dem Anflug eines Lächelns.


Die kommenden Tage geht Hirschbühl, der für den Sieg 45.000 Euro Preisgeld kassierte, ein weniger ruhiger an, ehe es dann zurück auf Schnee geht. Schließlich ruft die Vorbereitung auf den ersten Slalom – 12. Dezember in Val d‘Isere – in dieser Saison. Der Riesentorlauf bleibt für den Vorarlberger jedenfalls kein Thema – getreu dem Motto: Schuster bleib bei deinem Leisten. Diesbezüglich hat er zudem wichtige Erkenntnisse mit nach Hause genommen. „Der Sieg bestärkt mich in meinem Tun, nie aufzugeben.“ Und so kam es, dass sein erster Podestplatz im Weltcup gleich ein Sieg war. „Ein absoluter Hammer“, sagt er auch noch am Tag danach. Immerhin bezeichnet er sich selbst als Spätstarter im Weltcup. Wenig verwunderlich, feierte er doch als 25-Jähriger im Jänner (17.) 2015 beim Torlauf in Wengen seinen Einstand im Ski-Weltcup. Sieben Jahre zuvor war er erstmals im Europacup im Einsatz gewesen.

Kein großer Druck

Bezüglich zwei Themen, die im Olympiawinter alle Wintersportler betreffen, vertritt Hirschbühl einen klaren Standpunkt:
Olympische Winterspiele in Peking 2022: Die Saison hat erst begonnen, Olympia also noch weit weg. Wie schon betont, ist die Rechnung simpel. Ich bin die Nummer sechs im Slalomteam und wir haben vier Startplätze. Also habe ich noch einiges zu tun. Aber klar, mein Ziel ist es schon, in China dabeisein zu können. Dafür ist noch Zeit, Ende Jänner nach dem Schladming-Rennen werde ich sehen, wo ich stehe.
Impfung: Natürlich habe ich mir Gedanken darüber gemacht. Jetzt kann ich sagen, ich bin geimpft. Mit der sechs Monate anhaltenden Immunität sollte ich denn auch über den Winter kommen.