Katharina Liensberger über die Saisonvorbereitung: „Erlösend, befreiend, traumhaft“

Die Weltcupfahrerin aus Vorarlberg schwärmt vom ersten Schneekontakt und legt viel Wert auf mentales Training.
Schwarzach Genügend Schnee auf den heimischen Gletschern, für Österreichs Skiasse läuft die Vorbereitung auf die neue Saison bisher nahezu perfekt. Katharina Liensberger (23) schwärmt von den ersten Schwüngen bei winterlichen Verhältnissen, arbeitet aber auch an Kraft und Ausdauer. Die 23-jährige Nationalteamkaderläuferin aus Göfis, im vergangenen Winter die beste Technikerin in der ÖSV-Damenmannschaft, gibt im Interview mit den VN einen Einblick in das aktuelle Programm und spricht über die Bedeutung des Mentaltrainings.
Wie haben sich die ersten Trainingstage auf Schnee angefühlt?
Erlösend, befreiend, und einfach traumhaft mit einer Megabergkulisse bei Topbedingungen mit winterlichen Verhältnissen. Schon lange nicht mehr zuvor habe ich bei der Auffahrt zum Berg die Natur so sehr wahrgenommen. Nach so einer langen Zeit ohne Schnee habe ich umso mehr bemerkt, wie viel Freude in mir hochgekommen ist, als ich wieder Schnee unter meinen Füßen spüren konnte, und mir Fahrtwind ins Gesicht blies. Ich bin wirklich happy, wieder auf Schnee sein zu dürfen.
Konnte das Programm wie gewünscht durchgeführt werden? Wo lagen die Schwerpunkte?
Das gesamte Vorbereitungstraining seit dem frühzeitigen Saisonende Mitte März in Aare musste geändert werden. Seither fehlen die Schneetage. Die Materialtests wurden abgesagt. Und die Konditionsplanung wurde umstrukturiert. Das erste Schneetraining in Sölden ab Mitte Mai konnte dann aber bei besten Wetterbedingungen und guten Schneeverhältnissen, sogar noch bei teilweise winterlichen Schneebedinungen, wie gewünscht durchgeführt werden. Das Training war perfekt organisiert, und es waren bereits jetzt sehr wertvolle Schneetage. Meine Konzentration lag vorwiegend auf meiner Skitechnik und dabei, wieder ein Gefühl für den Schnee und mein Material aufbauen zu können.
Gibt es für Änderungen bei Ski, Schuh oder dem Bindungssystem?
Es sind keine großen Änderungen, nur angepasste Abstimmungen.

Gepa 
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Haben sich neue Ansprechpartner beim Skiverband oder im Trainerteam ergeben?
Es gibt keine groben Änderungen. Ich bin im Nationalkader und in derselben Trainingsgruppe wie bisher. An der Spitze meines Trainerteams steht wie in der vergangenen Saison Christian Mitter. Ich trainiere auch in derselben Gruppe, der Weltcup Technik, unter der Leitung von Hannes Zöchling mit Trainer Armin Triendl und Roland Plattner. Unsere Physiotherapeutin ist neu, Julia Wiegele wechselte vom Herren- Nachwuchsteam zu uns.
Präsident Schröcksnadel hat in seiner Saisonbilanz im Ski-Austria-Heft namentlich einige Läuferinnen und Läufer namentlich genannt, die ihm positiv aufgefallen sind. Auf Katharina Liensberger hat er offenbar vergessen. Ärgert man sich darüber?
Ich habe das Ski-Austria-Heft selbst noch nicht gesehen, jedoch Mitte Mai einen Artikel in der Tiroler Tageszeitung zum Lesen bekommen. Die Aussagen sind somit sehr verschieden. Gut, dass ich nur den positiven Artikel gelesen habe. Peter Schröcksnadel meinte da: „Katharina Gallhuber hat Potenzial, wie Nina Ortlieb. Vor allem haben wir Katharina Liensberger. Sie hat gute Chancen auf Seriensiege.“ Ich kann nicht beurteilen wie über mich geschrieben wird, doch weiß ich persönlich, was ich in dieser Saison geleistet habe, was ich erreicht habe und wo ich mich in Zukunft sehen will. Rein faktisch habe ich für mich erfreuliche Berichte zur letzten Saison gelesen und auch meine Entscheidung zum Skifahren im Herbst bestätigt. Aktuell bin ich Dritte in der Gesamtwertung im Slalom. Der ÖSV hat den Nationencup im Slalom der Damen (mit 817 Punkten) vor der Schweiz (mit 633 Punkten) gewonnen. Dabei konnte ich mit 34 Prozent oder 276 Punkten beitragen.
In welche Richtung geht das Mentaltraining mit Stefan Prusina?
Stefan Prusina war für mich in der letzten Saison als Mentaltrainer unglaublich wertvoll. Er hat mir geholfen, in jene die Richtung zu gehen, in die mich mein Weg führt. Und dafür bin ich Stefan Prusina für all seinen Arbeitsaufwand, die viele Zeit und die großartige Unterstützung in der letzten Saison unglaublich dankbar. Jede einzelne Sitzung war für mich sehr wertvoll, da ich die positive Energie in seiner Arbeit spüren konnte, womit er mich auf meinem Weg ermutigt und unterstützt hat, und mir mit unglaublich viel Zeitaufwand emotional zur Seite gestanden ist. Zusammen mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten sind die Ergebnisse in der letzten Saison für mich auch ersichtlich in die richtige Richtung gegangen. Im Allgemeinen ist Mentaltraining für mich ein ständiger Prozess, der im alltäglichen Leben genauso wie im Spitzensport vorzufinden ist. Dabei geht es vor allem um Achtsamkeit, Wertschätzung, Dankbarkeit und Eigenverantwortung. Zu sich selbst finden und auf sein eigenes Bauchgefühl zu vertrauen, das hat vermutlich auch bei vielen Menschen in Zeiten wie Corona zugetroffen.

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Gibt es in diesem Sommer in der Zollausbildung noch etwas zu tun?
Ich habe die Zollausbildung letztes Jahr im Frühjahr in Wien abgeschlossen und kann mich jetzt somit in vollem Ausmaß aufs Skifahren konzentrieren. Darüber bin ich sehr froh.
Wie geht es mit dem Programm in der nächsten Zeit weiter?
Derzeit bin ich im Skitraining am Mölltaler Gletscher. Am 17. und 18. Mai sind zwei psychologische Tage des ÖSV in der Therme Bad Waltersdorf geplant. In der Woche darauf werden wir nochmals in Sölden auf Schnee trainieren. Sowohl Übersee als auch Norwegen mussten aufgrund der aktuellen Situation leider abgesagt werden. Umso mehr bin ich froh, dass wir die momentane Zeit auf den heimischen Gletschern noch gut nutzen können. Im Juli und August ist somit ein längerer Block mit Konditionstraining geplant.