Seestadt – die unendliche Geschichte

Erste Pläne für die Seestadt wurden 1983 gewälzt. Jetzt steht alles wieder auf null.
Bregenz. Ende Jänner 1994 genehmigte die Stadtvertretung 22 Millionen Schilling für die Neutrassierung der B 202. „Diese Ausgaben sind Vorleistungen der Stadt, um die Gestaltung der Seestadt zu ermöglichen“, erklärte Bürgermeister Siegfried Gasser damals. Die Stadtväter rechneten mit einer zeitnahen Bebauung der Seestadt-Grundstücke, zu welchen damals auch das sogenannte Leberkäs-Haus und das Tourismushaus, in dem jetzt die Hypo Bank residiert, gezählt wurden. Der Spatenstich für das Tourismushaus erfolgte 1996, seither ist auf dem wertvollsten Grundstück auf der anderen Straßenseite fast nichts mehr geschehen.
Die Möglichkeiten auf dieser innerstädtischen Fläche, die durch den neuen Standort des Bahnhofs sowie die Auflassung des Güterbahnhofs entstanden ist, waren für die Stadt von Anfang an Anlass für hochfliegende Zukunftsvisionen. Und es konnte nicht schnell genug gehen, bis etwas passiert. „Bregenz hat dringenden Bedarf nach einem Einkaufsmagneten, der wieder Kaufkraft in die Stadt zurückholt. Die Seestadtgesellschaft muss aktiver werden“, forderte 1996 der damalige SPÖ-Stadtparteiobmann Gerhard Zechner, nicht ohne zu erwähnen: „Wir sind nun wieder etwa dort, wo wir schon nach dem Wettbewerb im Jahre 1983 waren.“
Nicht weiter als 1983
Nach dem am Freitag verkündeten Baustopp ist die Stadt Bregenz auch heute nicht weiter als damals. Die Seestadt wird bis auf Weiteres Parkplatz bleiben, auf dem wahrscheinlich teuersten Grundstück des Landes. Immerhin ahnten die Verantwortlichen bereits 2002, dass es noch eine Weile dauern würde. Vom 1. März 2002 bis 31. Dezember 2003 wurde das 9100 Quadratmeter große Areal um eine Fixpacht von 200.000 Euro von der Stadt angemietet. Ende 2003 wurden klar umrissene Richtlinien für Investoren formuliert, doch es brauchte noch einige Jahre und eine Werbeaktion bei 80 potenziellen Investoren, bis die damaligen Eigentümer der Immobilie, diese gehörten zu dem Zeitpunkt zu 70 Prozent den Illwerken, zu 25 Prozent der Hypo und zu fünf Prozent der Stadt Bregenz, das Gelände 2008 an die Prisma verkauften. Insgesamt 9,4 Millionen Euro bezahlte die Prisma für einen 75-Prozent-Anteil an der Seestadt GmbH. Der Quadratmeterpreis betrug damals 1425 Euro. 2009 wurde, nachdem der Masterplan stand, von den Projektbetreibern der Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den die Arge Aicher Architekten (V), Zechner & Zechner, Elmar Ludescher und Phillip Lutz gewonnen haben. Deren Vorschlag war die Grundlage für die inzwischen mehrfach überarbeiteten Pläne, die nun ad acta gelegt wurden. In der Zwischenzeit sind neue Gesellschafter eingestiegen, nämlich die „JDL“ Leasinggesellschaft mbH und die Spar European Shopping Centers GmbH. Die überarbeiteten Pläne wurden 2014 präsentiert, seit 2015 läuft das Bauverfahren, das wie angekündigt dieser Tage abgeschlossen werden wird.