Wien und Vorarlberg
Samstagvormittag in Feldkirch: Daniel Allgäuer, Reinhard Bösch und Thomas Spalt stehen in Feldkirch und werben für ihren Kandidaten. Die Stimmung ist gut, Beschimpfungen Fehlanzeige. Ein Grüner Stadtpolitikerkollege gesellt sich dazu und diskutiert mit den FPÖ-Wahlkämpfern. Hart in der Sache, keine Untergriffe. So geht Politik in Vorarlberg.
Montagvormittag in Bregenz. FPÖ-Chef Bösch tritt vor die Presse. „Welchen Teufel hat die ÖVP geritten?“, „Die ÖVP ist verrückt“, „Die ÖVP ist die größte grüne Vorfeldorganisation.“ So geht Wahlkampf in Vorarlberg nicht. Die FPÖ hat leidig erfahren müssen, dass Vorarlberg nicht das harte Politparkett Wiens ist. Als Vorarlberger Parteichef muss sich der Nationalratsabgeordnete Bösch nicht mehr an Strache und Kickl orientieren, sondern bei Egger und Allgäuer nachfragen, was den Vorarlberger Freiheitlichen einst das Prädikat „gemäßigt“ einbrachte. Sonst bleiben die 40 Prozent Hofers keine Basis für weitere Wahlerfolge, sondern ein Ausreißer nach oben.
Das urbane Wien und das ländliche Vorarlberg haben auch etwas gemeinsam: Die hohe Zustimmung für Alexander Van der Bellen. Wo bleibt also der Graben zwischen Stadt und Land? Der tiefe Riss in der Bevölkerung? Der große Spalt? Antwort: Den gibt es nicht. Van der Bellen legt in den meisten Gemeinden zu, ob Stadt oder Land. Und Politik ist sowieso nicht das ganze Leben. Am Ende zählt mehr im Leben als eine Bundespräsidentenwahl. Das gilt für Salzburger, für Steirer, für Wiener und für Vorarlberger.
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