Gott sei Dank
Gott sei Dank ist der Vorhang endgültig gefallen. Österreich hat sich kurz vor Weihnachten endlich ein langersehntes Geschenk gemacht und erfrischend eindeutig einen Bundespräsidenten gewählt. Damit beweisen Herr und Frau Österreicher sich und der ganzen Welt, dass sie wissen, welche Rolle der Bundespräsident in dieser Republik spielt.
Er ist kein polternder Politiker, der andere permanent der Lüge bezichtigt. Er kann nicht mit einem Flügelschlag die Arbeitslosigkeit senken oder den Milchpreis steigern. Der österreichische Bundespräsident ist das Gewissen des Staates. Er ist nicht auf die Beliebtheitswerte des nächsten Wochenendes fixiert und maßregelt auch schon mal die heiß gelaufene Tagespolitik. Ansonsten hängt sein Porträtbild in Schulen und er eröffnet Festspiele. Der Bundespräsident leitet keine Revolutionen ein.
Österreich hat am zweiten Adventsonntag – klarer als bei der für nichtig erklärten Stichwahl – Krawallpolitik im obersten Amt des Staates abgewählt. Die Zeiten sind schon unruhig genug. Extreme Richtungsänderungen führen da nicht zum gewünschten Ergebnis, sondern sorgen für mehr Unsicherheit. Brexit – Trump – Hofer? Die internationalen Populisten haben sich gewundert, dass nicht alles geht.
Die Österreicher haben den seriöseren Kandidaten, haben Sicherheit gewählt. Unwägbarkeiten haben wir genug in diesen Zeiten. Ruhige Hand tut not.
Für die FPÖ tun sich nun Richtungsfragen auf. Wie aggressiv geht die Partei künftig vor? Wie schaumgebremst gibt man sich? Auch die Vorarlberger FPÖ hat sich in den vergangenen Monaten gewandelt. Von Dieter Eggers konstruktiver Oppositionspartei, die die Vorarlberger FPÖ während der Flüchtlingskrise war, hat sie sich zur Pressemitteilungen schleudernden, schärferen Bösch-FPÖ gewandelt. Auf Bundesebene wird Strache gut beraten sein, Hofer als besonderen Freund sehr nahe zu halten. Sie können abwechselnd auftreten, wie im Wetterhäuschen: der scharfe Heinz-Christian Strache und der sanfter wirkende Norbert Hofer.
Alexander van der Bellen muss nun seine oft propagierte Unabhängigkeit auch tatsächlich leben, sich endgültig von den grünen Wahlhelfern lösen und tatsächlich der Präsident von uns allen sein. Darauf darf sich Österreich freuen.
Die Österreicher haben den seriöseren Kandidaten, haben Sicherheit gewählt. Unwägbarkeiten haben wir genug in diesen Zeiten.
gerold.riedmann@vorarlbergernachrichten.at, Twitter: @geroldriedmann, Tel. 05572/501-320
Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.
Kommentar