Zwei Manager mit Aussicht auf das Kanzleramt

Spezial / 10.05.2016 • 21:20 Uhr
Ländermehrheit für ÖBB-Chef Kern. APA
Ländermehrheit für ÖBB-Chef Kern. APA

Er hat die besten Karten. Die steirische wie auch die Kärntner SPÖ stellten sich bereits einstimmig hinter Christian Kern. Auch in Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Niederösterreich wird er als neuer SPÖ-Chef präferiert. Dem ÖBB-Sanierer und langjährigen Hoffnungsträger der Partei wird seit Längerem nachgesagt, sowohl Interesse an der Parteiführung als auch am Kanzleramt zu haben. Auch er traut sich diese neue Aufgabe zu. Kern gilt als ehrgeizig und zielstrebig. Doch nicht alle in der Partei sind überzeugt, ob er jener Mann ist, der die Sozialdemokratie aus der Krise ziehen kann. Dass Politik „nicht seine Stärke“ sei, wie Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) in einem viel beachteten Interview 2014 meinte, glaubt aber außer ihr dann auch wieder niemand. Denn Kern bringt durchaus Rüstzeug mit. Er ist in der (Partei-)Politik groß geworden, hat über viele Jahre erfolgreich im staatsnahen Wirtschaftsbereich gewirkt, ist telegen und eloquent.

Nach einem kurzen Ausflug in den Journalismus dockte Kern schon früh in der SPÖ an. Bereits mit 25 wurde er Assistent von Staatssekretär Peter Kostelka (SPÖ), drei Jahre später wechselte er mit seinem Chef ins Parlament und wurde Pressesprecher des damals neuen Klubobmanns.

1997 folgte der zwischenzeitliche Ausstieg aus der Politik. Kern wechselte in den Verbund, ehe er 2007 in den Vorstand aufstieg. Pikanterweise war es gerade Bures, die ihn als Infrastrukturministerin 2010 zum Nachfolger von Peter Klugar als ÖBB-Chef machte.

Galten die Bundesbahnen davor über Jahre als Krisenzone, hat Kern diese Ära beendet. Die Zahlen passen wieder, die Massen-Frühpensionierungen sind eingestellt, der Zentralbahnhof wurde rechtzeitig und innerhalb des Kostenrahmens fertig. Gefallen auch beim linken Flügel der SPÖ, dem Kern eher nicht zuzuordnen ist, erlangte er mit der unbürokratischen Abwicklung des Flüchtlingsstroms im vergangenen Jahr.

Wirklich klar, welche Agenda er als Partei- und Regierungschef fahren würde, sieht man vorerst nicht, hat sich Kern doch nie in eines der roten Lager hineintreiben lassen – möglicherweise derzeit ein Vorteil in der zerstrittenen Partei.

Medienmanager Zeiler ist in Wien beliebt. APA
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