Blaue Murmel
43 Jahre ist es her, als Astronauten der Apollo-17-Mission eines der berühmtesten Fotos der Raumfahrtgeschichte schossen. „Blue Marble“ heißt das erste Bild, das unseren Planeten in seiner Gesamtheit im Tageslicht zeigt. Die Astronauten waren aufgebrochen, den Mond zu erkunden. „Aber tatsächlich entdeckten wir die Erde“, sagte Eugene Cernan später. Er war einer der Apollo-17-Raumfahrer, die den Rückblick auf die 45.000 Kilometer entfernte Erde als spektakulärsten Teil der bis heute letzten bemannten Mond-Mission einordneten. Die blaue Murmel ist bis heute auch das berühmteste Bild im Zusammenhang mit Umwelt- und Klimaschutz. Es zeigt die Verletzlichkeit unseres Planeten. Und macht den Auftrag glasklar, sie möglichst unversehrt in die Hände unserer Kinder zu legen.
In Paris klafft das Klimaschutzdilemma in den kommenden Tagen wieder auf: es treffen sich diejenigen, die nach 100 Jahren ungehemmtem CO2-Ausstoß nun Gegenmaßnahmen propagieren, mit jenen, die nun erst gerade in den Boom-Jahren stecken. Österreichs Bundesminister Andrä Rupprechter verhandelt beim UN-Weltklimaschutzgipfel im europäischen Kontingent. Er hatte sich in der ersten Jahreshälfte bei den Verhandlungen der österreichischen Steuerreform mit einer merklichen Ökologisierung nicht durchgesetzt – und so fordert er jetzt eine CO2-Abgabe auf europäischer Ebene. Auch sind Österreichs Angebote der Klimafinanzierung unzureichend. Wir müssen mehr als die bisher gebotenen 25 Millionen Euro auf vier Jahre ausgeben, um die südlichen Länder, die vom Klimawandel existenziell getroffen werden, zu unterstützen. Insofern wird die nächste Woche auch deutlich machen, wie ernst wir es mit dem Klimaschutz meinen.
In Vorarlberg ruht man sich beim Klimaschutz nur teilweise zu Recht auf der sauberen Wasserkraft aus. Und die in der Verfassung festgeschriebene Energieautonomie muss dringend mit Maßnahmen unterfüttert werden. Wir verfügen dank dem Vlotte-Elektromobiliäts-Projekt über viele öffentliche Ladestationen, praktisch in jedem Dorf. Und allermeistens sind die grünen Parkplätze leer, weil es viel zu wenige Elektroautos gibt. Ausgerechnet das Erdölland Norwegen fördert die Anschaffung von Elektroautos massiv. Hier gibt es die größte Dichte an Elektroautos, hier fahren auch die meisten Teslas.
Voraussetzung, dass sich etwas ändert, ist allerdings, dass wir erkennen, dass unser Planet in Gefahr ist. Dass wir unsere Energie in die Energiewende stecken. Dass wir die Strukturen und den Wohlstand Vorarlbergs nutzen, um europaweit zur Vorzeige-Region in Sachen Klimaschutz zu werden. Möglich wär’ das. Die Grünen säßen in der Regierung. Wollen müssten wir halt.
Die blaue Murmel ist bis heute auch das berühmteste Bild im Zusammenhang mit Umwelt- und Klimaschutz.
gerold.riedmann@vorarlbergernachrichten.at, Twitter: @geroldriedmann, Tel. 05572/501-320
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