“Sexistisch, respektlos und ausgrenzend”: Schwere Vorwürfe gegen SPÖ-Chef Leiter

Funktionärin kritisiert Vorsitzenden deutlich. Dieser distanziert sich und kündigt Aufarbeitung an.
Magdalena Raos, Michael Prock
Schwarzach In der Vorarlberger SPÖ brodelt es. Hintergrund sind Vorwürfe, die sich direkt gegen den Vorsitzenden Mario Leiter richten. Eine Funktionärin wirft dem Parteichef Mobbing vor. In einer schriftlichen Stellungnahme, die den VN vorliegt, spricht Daria Hueller von einem Umgang durch Leiter und seinen Pressesprecher, welche sie persönlich als “sexistisch, respektlos und ausgrenzend” empfunden habe. Der Parteivorsitzende distanziert sich von den Vorwürfen.
“Patriarchale Machtstrukturen”
Hueller war von Oktober 2023 bis März 2025 Landesfrauengeschäftsführerin und Organisationsreferentin, wie sie ausführt. In dieser Zeit habe sie Arbeitsbedingungen erlebt, die sie als Mobbing wahrgenommen hätte. Das Resultat: Panikattacken und Schlafstörungen. “Es herrschte ein Arbeitsumfeld, das durch hierarchische und patriarchische Machtstrukturen und einen wenig wertschätzenden Umgang geprägt war.”
Die frühere Landesfrauengeschäftsführerin schildert, dass sie auch die Bundespartei am 11. Juni per Mail informiert, aber keine Antwort erhalten habe. Sie schreibt darin: “Schreie, Einschüchterungen und gezielter Rufmord waren nur ein Teil des systematischen Mobbings.” Außerdem: “Ich bin zutiefst schockiert, dass ein derart machtbesessener Patriarch, dessen Verhalten und Intellekt mich in vielerlei Hinsicht an einen Möchtegern-Kurz erinnert, nach wie vor einen Platz in der SPÖ hat.” Aktuell befindet sich Hueller in Bildungskarenz. Sie habe Leiter danach eine einvernehmliche Kündigung angeboten. “Weil ich keine Kraft habe, noch weiter zu kämpfen.”
Jeanette Greiter, stellvertretende Landesgeschäftsführerin der SPÖ, teilt mit, dass die Vorwürfe sehr ernst genommen würden. Über die eigentliche Motivation hinter den Anschuldigungen lasse sich aktuell nur spekulieren. Leiter distanziere sich “in aller Klarheit” davon. Er selbst betont, dass er einen “kollegialen und offenen Führungsstil” pflege – so wie er das auch seit 25 Jahren in leitender Funktion als Polizeibeamter vorlebe. “Die SPÖ hat in der Vergangenheit regelmäßig Internes in aller Öffentlichkeit ausgetragen und sich damit selbst beschädigt. Ich stehe für einen Kulturwechsel.” Es werde eine interne Aufarbeitung der Vorwürfe geben.
Ähnliche Kritik
Kürzlich ging bereits die Landesfrauenvorsitzende Stefanie Matei mit ähnlicher Kritik an die Öffentlichkeit. Sie ortete Sexismus in der politischen Kultur und der Partei. Das wies die SPÖ zurück.